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02.01.12

Dieter Hundt

Arbeitgeberchef fordert Besonnenheit in Lohndebatte

Die Arbeitnehmer sollen von der guten Konjunkturlage profitieren, sagt Arbeitgeberpräsident Hundt. Flächendeckende Lohnerhöhungen seien aber falsch.

© dapd
Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, ruft zur Mäßigung in der Diskussion um höhere Löhne auf
Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, ruft zur Mäßigung in der Diskussion um höhere Löhne auf

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt mahnt in der Debatte über den Spielraum für Lohnerhöhungen zu Besonnenheit. Hundt sagte der Nachrichtenagentur dapd, nicht alle Branchen seien "in gleicher Weise von der positiven Konjunktur erfasst".

Zudem müsse die Tarifpolitik "auch Risiken berücksichtigen, die sich aus der Staatsschuldenkrise und der schwächelnden Weltkonjunktur ergeben". Hundt forderte deshalb dazu auf, "die differenzierte, produktivitätsorientierte und flexible Tarifpolitik der letzten Jahre fortzusetzen".

Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, sagte: "Glücklicherweise hat sich in den letzten Jahren bei Tarifabschlüssen in Deutschland ein beachtlicher Pragmatismus breitgemacht. Das heißt, man gibt immer mehr betrieblichen und flexiblen Lösungen mehr Gewicht." Dieser Weg sollte "weiter beschritten werden".

Straubhaar fügte hinzu: "Das würde auch erlauben, sich auf die Risiken einer Eskalation der konjunkturellen Situation vorzubereiten, um schnell reagieren zu können." Dazu gehörten "Kurzarbeitsregelungen, Jahresarbeitszeitkonti und flexibel gehandhabte Lohnbestandteile". Hundt betonte: "Wenn es einem Unternehmen gut geht, muss es auch seinen Arbeitnehmern gut gehen." Der BDA-Chef sagte, er rechne 2012 mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahl in Deutschland . Das Wirtschaftswachstum werde sich zwar "etwas abschwächen". Die Realwirtschaft befinde sich aber " unverändert in einer guten und robusten Verfassung ".

Nach Ansicht des Präsidenten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph M. Schmidt, sollte sich die Tarifpolitik "vorwiegend an mittelfristigen Tendenzen orientieren". Der "Wirtschaftsweise" sagte der Nachrichtenagentur dapd: "Eine Leitlinie geben das trendmäßige Produktivitätswachstum, das gegenwärtig bei knapp 1,5 Prozent liegt, und die trendmäßige Inflation, die ich allerdings am Preisindex des Bruttoinlandsprodukts messen würde, da dieser – anders als die Verbraucherpreise – weniger durch die Importpreise beeinflusst sind."

Insgesamt spreche dies für Lohnabschlüsse zwischen 2,0 und 2,5 Prozent. Davon könnten "natürlich einzelne Branchen durchaus abweichen". Der RWI-Präsident fügte hinzu: " Die Arbeitszeitkonten haben – wie man heute sieht – in der Rezession viel Jobs gesichert, und bei den Löhnen ist Flexibilität keine Einbahnstraße: Viele Unternehmen haben Lohnerhöhungen vorgezogen, als sich die wirtschaftliche Lage 2010 und 2011 überraschend günstig darstellte."

Quelle: dapd/cat
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