Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
Lohnerhöhungen sollen gegen Euro-Krise helfen
In der Euro-Schuldenkrise liegt Sparsamkeit nahe, könnte man meinen. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) dagegen fordert mehr Lohn – weniger wäre "volkswirtschaftlicher Unsinn".
Vor dem Hintergrund der Euro-Schuldenkrise fordert das gewerkschaftsnahe Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), die Binnennachfrage in der Bundesrepublik zu stärken – mit Lohnerhöhungen. Der DIW-Vorstandsvorsitzende Gert Wagner sagte: "Gerade wegen der Eurokrise wäre es volkswirtschaftlicher Unsinn, zur Lohnzurückhaltung aufzurufen." Er halte Lohnabschlüsse "von im Schnitt gut drei Prozent" für möglich. Wagner fügte hinzu: "In manchen Branchen kann es auch deutlich mehr sein, in anderen Wirtschaftszweigen weniger."
Wagner sagte, Deutschland komme nur bei einer stärkeren Binnennachfrage "einer ausgeglichenen Leistungsbilanz näher – und das würde mit dazu beitragen, aus der Eurokrise herauszukommen". Die jahrelang schwache Lohnentwicklung hierzulande habe "zu den außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten beigetragen, die nun die Eurozone in die Krise gebracht haben".
Deutschland hat unter seinen Verhältnissen gelebt"
Der DIW-Vorstandsvorsitzende sagte weiter: "Man kann Griechenland zu Recht dafür kritisieren, dass das Land über seine Verhältnisse gelebt hat. Deutschland hat aber unter seinen Verhältnissen gelebt." Denn wegen der "immer ungleicheren Verteilung der Einkommen und Vermögen" sei der private Konsum schwach geblieben – "und es lohnte sich deshalb auch immer weniger, in Deutschland zu investieren".
Wagner fügte hinzu: "Entsprechend floss das Geld ins Ausland ab - und hat dort die Krise mit verursacht, indem es in Griechenland zu einem aufgeblähten Staatssektor und in Spanien zu einer riesigen Immobilienblase geführt hat, deren Platzen jetzt die Arbeitslosigkeit auf fast 25 Prozent hochgetrieben hat."
Arbeitgeber fordern maßvolle Lohnabschlüsse
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) dagegen warnte vor zu umfangreichen Lohnerhöhungen im neuen Jahr. DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann sagte: "Gerade mit Blick auf die unsichere Entwicklung – Stichwort: Schuldenkrise – sollte mit Augenmaß entschieden werden." Ziel müsse es sein, "den Beschäftigungsaufbau nicht zu gefährden".
Handwerkspräsident Otto Kentzler sagte: "Maßvolle und flexible Abschlüsse haben die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gestützt und so zur erfreulichen Lage am Arbeitsmarkt beigetragen." Diesen Weg gelte es "in Zeiten zunehmend unsicherer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen weiter zu gehen – im Interesse von Beschäftigung und Wachstum".
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