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25.12.11

Branchen-Umfrage

Deutschlands Mittelstand fürchtet die Krise

Bisher können viele deutsche Firmen Rekordumsätze und volle Auftragsbücher verbuchen. Doch im nächsten Jahr wird sie die Krise treffen.

Dominik Asbach

12 Bilder

Die Sorge vor der Euro-Krise ist im Mittelstand angekommen. Die Mehrzahl der Unternehmer schätzt in der neuesten Mittelstandsumfrage der "Morgenpost Online" die Lage ihrer Firma schlechter ein als im Herbst, der Index fällt um einen Punkt auf einen Wert von 4,7. Die zwölf befragten Unternehmer erwarten für die ersten drei Monate des neuen Jahres nur noch geringe Verbesserungen der Lage ihrer Firmen. Der Prognoseindex fiel von 3,5 auf 2,5 – damit blicken die Mittelständler so pessimistisch in die Zukunft wie zuletzt im März 2009.

"Es könnte zu schwerwiegenden Verwerfungen kommen, wenn die Weltpolitik den Verbrauchern nicht das Gefühl vermitteln kann, dass sie die Schuldenkrise in den Griff bekommen kann", erklärt Daniel Terberger, Chef des Textil-Verkaufsverbundes Katag. "Wenn die Verbraucher einen deutlichen Wohlstandssturz feststellen sollten, werden sie deutlich weniger konsumieren. Und das wäre dramatisch für die ganze deutsche Wirtschaft."

Zahlungsmoral bei Abnehmern hat gelitten

Ähnliches fürchtet Marie-Christine Ostermann, geschäftsführende Gesellschafterin des Lebensmittelgroßhandels Rullko Großeinkauf: "Ich rechne damit, dass die Euro-Krise sich im kommenden Jahr irgendwann auf die Konjunktur auswirken wird." Schon jetzt betroffen sind Mittelständler, die viele Geschäfte in den südeuropäischen Krisenländern machen: Seine Firma müsse immer größere Mühe auf die Einzelfallprüfung verwenden, sagt Terberger. "Die Zahlungsmoral hat in den vergangenen Monaten deutlich gelitten."

Eine weitere Herausforderung sind die schwankenden Euro-Kurse: "Wir müssen jedes größere Projekt mit Währungsgeschäften absichern", sagt Hans Jürgen Naumann vom Maschinen- und Werkzeugbauer Niles Simmons.

Firmensanierer Stefan Weniger bemerkt Vorboten der Krise: "In den vergangenen Wochen gab es mehrere Insolvenzverfahren größerer Unternehmen; an einigen sind wir auch beteiligt. Das nächste Jahr wird für uns gut werden, weil es der Gesamtwirtschaft schlechter gehen wird."

Trotzdem nehmen fast alle Befragten die Krise bislang lediglich als drohendes Problem für 2012 , nicht jedoch als akuten Umsatzeinbruch wahr. Teils sind die Mittelständler sogar über die Nachfrage erstaunt: "Ich war positiv überrascht, dass unser Cash-und-Carry-Markt in diesem Jahr sogar besonders gut gelaufen ist, denn aufgrund der konjunkturellen Verunsicherung hatte ich eigentlich eine Eintrübung befürchtet", sagt Marie-Christine Ostermann.

"Welche Krise? Die existiert bislang doch nur in den Medien", bringt Naumann die Diskrepanz zwischen gefühlter Gefahr und Geschäftsrealität auf den Punkt. Er vermeldet 2011 einen Umsatzrekord, seine Produktionsstätten sind mit Aufträgen bis ins Jahr 2013 ausgelastet.

Viele Mittelständler freuen sich über Rekordumsätze

Das gilt auch für Karsten Wulf vom Callcenter-Anbieter buw: "Ich habe Teile meiner Marketing-Mannschaft in den Urlaub geschickt, denn wir sind schon jetzt bis zum Herbst 2012 ausgelastet."

Auch Wulf freut sich über ein Rekordjahr: "Wir schmeißen heute Abend eine Party, weil wir erstmals die Umsatzmarke von hundert Millionen Euro geknackt haben." Naumann wie Wulff geben jedoch zu, dass ihre Geschäfte mit relativ großen Projekten dem Konjunkturtrend hinterherlaufen.

Sogar die Baubranche erweist sich bisher als stabil: "Von der Euro-Krise an sich ist wenig zu spüren", freut sich Helmut Hilzinger, Eigner des gleichnamigen Fensterbauers. Seine Branche profitiert eher von den Sorgen: "Wir merken, dass die Leute die eigene Immobilie als sicherste Investitionsquelle sehen."

Die Krise erleichtert paradoxerweise den Mittelständlern sogar die Finanzierung ihrer Geschäfte, sagt Axel Schweitzer vom Recyclingkonzern Alba. "Wir konnten eine festverzinsliche Unternehmensanleihe am internationalen Kapitalmarkt platzieren, die bereits nach wenigen Tagen mehrfach überzeichnet war."

Mitarbeit: Carsten Dierig, Nikolaus Doll, Tobias Kaiser, Hagen Seidel, Flora Wisdorff

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