Bis zu 20 Prozent mehr
Krankenkassen erhöhen Beiträge drastisch
Millionen Betroffene müssen für ihre private Krankenversicherung zukünftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. In Einzelfällen steigen die Kosten um mehr als 20 Prozent.
Von Tanja Tricarico
Millionen privat Krankenversicherte müssen ab Januar 2012 mit deutlich höheren Beiträgen rechnen. Einzelne Anbieter haben bereits angekündigt, ihre Kunden mit drastischen Tarifsteigerungen belasten zu müssen.
Besonders schwer trifft es die Kunden von Central, einer Tochterfirma der Generali Deutschland. Im Durchschnitt werden 12,9 Prozent auf den Monatsbeitrag aufgeschlagen, teilt das Unternehmen mit. Und bereitet seine Kunden gleichzeitig auf weitere Kosten vor. "Je nach Tarif, Geschlecht und Alter kann die Anpassung davon auch deutlich abweichen." Für viele Kundengruppen könnte dies Aufschläge von 20 Prozent und mehr bedeuten.
Schuld an den enormen Beitragserhöhungen der Privatversicherung seien vor allem Billigangebote für Geringverdiener. Mit Einsteigertarifen von nur 150 Euro und weniger pro Monat hat die Privatkasse Kunden angelockt. Die bezahlbaren Einsteigertarife wurden gezielt für Existenzgründer konzipiert – in der Hoffnung, dass die Neu-Chefs bald in höhere Tarife aufsteigen. Vor allem Kleinunternehmer und Ich-AGs schlossen die günstigen Policen ab und sicherten sich so einen medizinischen Grundschutz. Doch der erhoffte Gewinn blieb aus. Etliche Unternehmer konnten sich höhere Tarife nicht leisten, viele waren sogar nicht mehr in der Lage, selbst die billigen Einsteigertarife zu zahlen. Bei der Central wird es diese Spezialangebote ab 2012 deshalb auch nicht mehr geben. Auf den ausstehenden Beiträgen bleibt die Kasse jedoch sitzen – und wälzt den Ausfall auf die Versicherten ab.
Die Central ist kein Einzelfall. Etliche Anbieter haben Neukunden mit Dumpingpreisen angelockt und sich verkalkuliert. Die größte deutsche private Krankenkasse DKV bestätigt die Probleme. "Durch veränderte Rahmenbedingungen haben sich die Einsteigertarife nicht so entwickelt, wie wir erwartet haben", sagte der DKV-Sachverständige Birger Jaspers. Rund 8500 Personen sind über diese Spezialangebote versichert. Trotz der geringen Beiträge von 120 Euro und weniger im Monat können viele ihre Prämien nicht zahlen.
Auch die DKV verabschiedet sich zum Jahresende vom Geschäft mit den Einsteigertarifen. Wer bisher zu solchen Konditionen abgesichert ist, kann auch weiterhin in dieser Tarifgruppe bleiben. Wie lange das so bleiben wird, ist jedoch bislang ungewiss. Auch hier müssen die Versicherten für die Beitragsausfälle büßen. Die meisten Tarife werden zu Jahresbeginn erhöht. Allerdings wird die Tarifsteigerung niedriger ausfallen und bei 3,5 Prozent liegen, heißt es. Offiziell wird die Kostensteigerung vor allem mit höheren Ausgaben für Aufenthalte im Krankenhaus und mit der "medizinischen Inflation", den Mehrkosten für medizinischen Fortschritt, begründet.
Mit der DKV ziehen auch andere private Krankenversicherer mit. Allerdings deutlich moderater. Bei der Debeka müssen die Kunden ab dem kommenden Jahr durchschnittlich 3,6 Prozent mehr zahlen. Die Allianz hebt die Beiträge im Schnitt um vier Prozent an, die Signal Iduna um ein Prozent.
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