Jürgen Stark
EZB-Chefvolkswirt erwartet 2012 Ende der Krise
Der scheidende deutsche EZB-Chefvolkswirt ist optimistischer als die Kanzlerin: Jürgen Stark rechnet damit, dass die Euro-Krise schon bald gelöst wird.
Die europäische Schuldenkrise könnte nach Einschätzung von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark bereits im kommenden Jahr vorbei sein. "Ich denke, dass die Krise spätestens in ein bis zwei Jahren unter Kontrolle sein wird, wenn nicht sogar vorüber", sagte Stark bei einer Konferenz im schweizerischen Luzern.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dagegen am Wochenende vor der Erwartung gewarnt, die Schuldenkrise werde auf einen Schlag vorbei sein. Die Schulden seien über Jahrzehnte aufgehäuft worden, daher werde es "sicherlich eine Dekade dauern, bis wir wieder besser dastehen", erklärte Merkel in ihrem Video-Podcast.
Stark sagte, er wisse nicht, ob die Politik mit immer größeren Rettungspaketen der Schlüssel zur Bewältigung der Turbulenzen sei, weil sie diejenigen Länder belaste, die derzeit noch recht solide aufgestellt seien. Der Ökonom betonte die Notwendigkeit solider Staatsfinanzen zur Lösung der Schuldenkrise. Die EZB sei weder befugt noch in der Lage diese Aufgabe zu übernehmen.
"Wollen die Mitgliedsstaaten des Euro wirtschaftliche Stabilität, Wachstum und Beschäftigung auf Dauer sichern, so müssen sie ihre Haushalte in Ordnung bringen und durch Reformen Beschäftigung fördern", sagte Stark laut Redetext. "Die EZB kann ihnen diese Verantwortung nicht abnehmen." Die Notenbank dürfe nicht über ihr Mandat hinausgehen: "Nur für die Sicherung der Preisstabilität besitzt sie demokratische Legitimation und wurde sie unabhängig von politischem Einfluss gestellt." Stark gehört zu den schärfsten Kritikern der Staatsanleihenkäufe der Notenbank, mit denen sie indirekt Schuldenländer stützt.
Alleine in der vergangenen Woche kaufte die EZB Papiere der überschuldeten Länder im Gegenwert von fast zehn Milliarden Euro. Insgesamt hat die EZB Staatsanleihen über mehr als 180 Milliarden Euro in ihrer Bilanz – hauptsächlich von Griechenland und Italien.
Stark hatte vor allem wegen der Staatsanleihenläufe im September überraschend seinen Rücktritt aus dem Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) bis spätestens zum Jahresende angekündigt. Sein Nachfolger soll der bisherige Staatssekretär im Finanzministerium, Jörg Asmussen werden.
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