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07.10.11

Website-Ranking

Die große Mängelliste der Firmen-Jobportale

Veraltete Stellenangebote, schlechte Sprache, zu viel Lobhudelei: Viele Unternehmen patzen bei ihrer Selbstdarstellung im Internet.

© dpa/DPA
Hacker-Wettbewerb für Menschlichkeit

Nur ein paar Klicks trennen die Bewerber vom Unternehmen. Doch diese paar Klicks müssen die potenziellen Mitarbeiter erst einmal tun: Im Kampf um kompetente Köpfe müssen Unternehmen Bewerber auch online auf sich aufmerksam zu machen. "Dabei kann vor allem eine gute Karrierewebsite helfen", sagt Michael Palmen, Gründer und Personalvorstand der Hamburger Firma milch & zucker , die sich auf Personalmarketing und E-Recruiting spezialisiert hat.

Die Karriereseite ist inzwischen bei vielen großen Firmen zum Dreh- und Angelpunkt im Personalmarketing geworden. "Hierüber lernt uns der Großteil der Bewerber kennen", sagt Stefanie Hirte, Bereichsleiterin Personalentwicklung und Personalmarketing beim Handelskonzern Otto. Doch nicht überall wird Wert auf eine Karriereseite und deren hohe Qualität gelegt, gerade kleinere Unternehmen präsentieren häufig veraltete Stellenangebote.

"Auch bei vielen Konzernen gibt es Raum für Verbesserung", sagt Martin Grothe, Experte für den digitalen Arbeitgeberauftritt und Geschäftsführer der Unternehmensberatung complexium , Berlin. Oft fehle Authentizität. "Glaubwürdigkeit lässt sich nicht mit austauschbaren Modelfiguren und plakativen Werbetexten erreichen." Auch die Sprache hat oft Mängel – zu diesem Ergebnis kommt eine an der Universität Kiel durchgeführte Studie.

Dabei wurden die Karriereseiten von 20 deutschen Großunternehmen bewertet. Die wesentlichen Kriterien: Verständlichkeit, Text-Bild-Bezug,Verlinkungen, Grammatik und Stil, aber auch Argumentationen, Interaktionalität und Seriösität.

Grammatikalisch korrekt war nicht einmal die Hälfte der Seiten. Einen schlechten Stil mit Bandwurmsätzen und abgedroschenen Phrasen bescheinigten die Wissenschaftler 16 von den 20 Unternehmen. "Einige der untersuchten Websites sind in sprachlicher Hinsicht nur als mangelhaft zu bezeichnen", so das vernichtende Urteil vom Leiter der Studie, Professor Markus Hundt. Solch eine Einschätzung kann weite Kreise ziehen. "Alle Aktivitäten auf der Karriereseite beeinflussen die Arbeitgebermarke", sagt Palmen. Dient die Seite doch als Aushängeschild und wird nicht nur von Bewerbern begutachtet.

Überfrachtete Seiten vergraulen die Kandidaten

Bei Otto etwa schauten zwischen Januar und August 2011 rund 220.000 Besucher zwischen Mitarbeiterstorys und Stellenangeboten um. Entsprechend ernst nahm man im Handelsunternehmen die Gestaltung des Karriereauftritts. "Der initiale Aufwand des Launches war sehr hoch", sagt Personalentwicklerin Hirte.

Erstes Gebot bei der Neugestaltung: "Unbedingt echte Mitarbeiter als Botschafter einsetzten", sagt Palmen. Dabei geht es nicht nur um das Foto von Azubi und Vertriebschef, sondern auch um authentische Texte. "Der Auszubildende sollte selbst seinen Erfahrungsbericht schreiben und nicht die PR-Abteilung", sagt Grothe.

Für die Glaubwürdigkeit zählen ehrliche Aussagen und nicht solche, die penetrant positiv klingen. Wichtig sind auch die Verknüpfungen mit sozialen Netzwerken, Blogs, Animationen, Videos – allerdings gilt auch hier: Weniger ist mehr. "Wichtiger als die gesamte Klaviatur zu bespielen, ist der Nutzen des Tools für den Bewerber", sagt Agentur-Berater Palmen. Überfrachtete Bewerberseiten vergraulten die Kandidaten nur.

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