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25.09.11

Euro-Krise

Lasst Griechenland doch endlich pleitegehen!

Wut und Verzweiflung in Griechenland: Eine Umschuldung könnte dem klammen Land helfen, sagen Ökonomen. Aber die Politiker müssen erst Vorsorge treffen.

© frankhoppmann.de
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Viel schlechter war die Stimmung beim Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht einmal im Krisenjahr 2008 , als kurz nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers die Welt den Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems fürchtete. "Über Europa hängen dunkle Wolken, und die Unsicherheit in den USA ist groß", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Sie warnte vor dem Rückfall der Weltwirtschaft in eine Rezession. Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), sagte, die aktuelle Lage sei prekärer als damals. Die Euro-Zone sei mitverantwortlich. "Wir haben eine globale Krise der Kreditwürdigkeit von Staaten, und wir sind das Epizentrum dieser Krise."

Führende Ökonomen und Bankenexperten fordern zur Rettung des Euro die Regierungen zum entschlossenen Handeln auf. Anders als viele Politiker befürworteten sie in einer Umfrage der "Morgenpost Online" einen Schuldenschnitt für Griechenland, um die Krise einzudämmen. "Ein schneller Schuldenschnitt in Griechenland würde kurzfristig für viel Unruhe sorgen, hätte aber zwei Vorteile: Es würde Unsicherheit aus den Märkten genommen, und Griechenland hätte eine Chance, sich wirtschaftlich zu erholen", sagt Clemens Fuest von der Universität Oxford.

Er war bis zum vergangenen Jahr Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Finanzministeriums. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger stimmt zu: "Ein Schuldenschnitt von 50 Prozent ist nötig, um Griechenland wieder Luft zum Atmen zu geben. Wenn es keinen Befreiungsschlag gibt, haben wir ein Problem."

Ein Schuldenschnitt wäre das Eingeständnis Athens, seine Verbindlichkeiten nicht mehr komplett zurückzahlen zu können. Der griechische Finanzminister sympathisiert offenbar mit einem solchen Schritt. Banken und Versicherungen müssten auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Griechenland wäre pleite. Nach einer Umschuldung würde der Schuldenstand entsprechend sinken.

An den Finanzmärkten gibt es seit Tagen die Sorge vor einer Zahlungsunfähigkeit des Landes. Der deutsche Aktienindex Dax gab daher in einer turbulenten Woche 6,7 Prozent nach. Vor allem Aktien von Banken kamen unter Druck. Trotzdem befürworten auch Bankenexperten eine Entschuldung. "Je länger wir die Blase nicht aufstechen, desto schmerzhafter wird sie", warnt Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor der Universität Hohenheim.

Ein Schuldenschnitt sei aber nur sinnvoll, wenn Griechenland in der Euro-Zone gehalten werde, sagt Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts. Allen Spekulationen über das Ende des Euro würde so schlagartig die Grundlage entzogen. "Dann würde aus der Währungs- wieder eine Schuldenkrise, bei der nicht nur die Steuerzahler, sondern auch private Gläubiger ihren Teil zur Normalisierung beitragen müssten."

Wegen der Angst vor einer Schieflage vieler Banken hatten die europäischen Regierungen eine Umschuldung bisher ausgeschlossen. Auch könnten andere hoch verschuldete Staaten angesteckt werden. "Ein Schuldenschnitt sollte erst dann kommen, wenn Investoren sicher sein können, dass die anderen Krisenländer nicht insolvent werden könnten", sagt Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Bofinger geht noch einen Schritt weiter.

Er fordert " eine Absicherung der übrigen Länder durch Euro-Bonds . Ein Schuldenschnitt ohne Absicherung der anderen wäre riskant. Die Marktteilnehmer sind ohnehin nervös, und es ist völlig unklar, wie sie die Situation von Italien und Frankreich bewerten, wenn es einen griechischen Schuldenschnitt gibt."

Viele Euro-Staaten waren bisher strikt gegen eine Umschuldung Griechenlands, doch nun macht die Bundesregierung hinter den Kulissen Druck. Nach Informationen der "Morgenpost Online" prüft sie, das geplante zweite Hilfspaket für Griechenland noch einmal zu ändern. Statt der bisher vorgesehenen freiwilligen Beteiligung privater Gläubiger könnte der zwangsweise Schuldenschnitt ein Bestandteil werden. Mit dem Rettungspaket könnten zudem griechische Banken nach dieser Maßnahme gestützt werden.

Unterstützung für ihren Euro-Rettungskurs bekommt Bundeskanzlerin Angela Merkel zunehmend auch vom Koalitionspartner FDP. Bei den Liberalen sinkt die Zahl der Bundestagsabgeordneten, die der Erweiterung des Euro-Rettungsschirms in der kommenden Woche nicht zustimmen wollen. Sowohl die Regierungskoalition als auch die SPD rechnen mittlerweile mit einer Kanzlermehrheit bei der so wichtigen Abstimmung.

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