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13.09.11

Gemeinschaftswährung

Ex-Bundespräsident Köhler wirbt für den Euro

Horst Köhler sollte eigentlich eine Laudatio für den ehemaligen Bundesbankchef Hans Tietmeyer halten. Statt dessen appellierte er an Europa als Solidargemeinschaft mit gemeinsamer Währung.

© AP
Horst Köhler

Es sollte eine Laudatio anlässlich des 80. Geburtstages des ehemaligen Bundesbankchefs Hans Tietmeyer werden, es wurde ein Plädoyer für das nicht einmal zehn Jahre alte Bargeld der Europäer. "Wir sollten für diesen Euro kämpfen", sagt Horst Köhler im herausgeputzten Casino der Frankfurter Universität. Der frühere Bundespräsident appelliert, endlich den Gedanken der Währungsunion als Solidargemeinschaft zu leben. Das zeige sich nicht durch eine Gipfelkonferenz nach der anderen, sondern durch gemeinsame Anstrengungen hin zu einer politischen Integration. "Ob wir das dann Wirtschaftsregierung nennen, ist nachrangig." Und dann, noch ganz in Manier eines Bundespräsidenten, kritisiert er die politische Klasse: Deutschland selbst habe dieses Europa in den vergangenen Jahren nicht aktiv gestaltet. "Wir sind an der aktuellen Situation mit Schuld."

Widerspruch muss der 68-Jährige an diesem Abend nicht fürchten. Viele Ehemalige sind auf Einladung der Privatbank Hauck & Aufhäuser zum Festabend für Tietmeyer gekommen: der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel, der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper und auch der schon bald ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark.

Köhlers Rede wird zu einem Ritt durch die europäische Währungsgeschichte. Er erinnert an den Werner-Bericht 1970 zur Entwicklung der Wirtschafts- und Währungsunion, an dem Tietmeyer mitwirkte. Schon darin sei zu lesen gewesen, dass es keine Gemeinschaftswährung ohne tragfähige Konvergenz und unabhängige Zentralbank geben könne. "So klar konnte man es schon 1970 sehen", sagt Köhler. Für seine Verhältnisse schreit er fast.

In den 80er-Jahren, Köhler arbeitete zu dieser Zeit mit Tietmeyer im Bundesfinanzministerium von Gerhard Stoltenberg, kam dann die Zeit der Währungsturbulenzen. Einige europäische Währungen seien aufgewertet, andere abgewertet worden, ohne Streit sei dies selten gegangen. "Ganze Nationen fühlten sich gedemütigt", erinnert sich Köhler und nennt beispielhaft die Franzosen. Schon damals waren Politiker offenbar Getriebene der Kapitalmärkte – im wahrsten Sinne des Wortes. Köhlers Anekdote dazu: Um jede Öffentlichkeit zu vermeiden, sei Stoltenberg damals durch den Garten des Élysée-Palastes gelotst worden, wenn er mit den Franzosen über weitere Schritte verhandelte.

Geschichte wiederholt sich

Und an noch einer Stelle wiederholt sich laut Köhler die Geschichte. Dass Staaten in Währungsfragen alle Register von Drohen bis Flehen ziehen, habe es damals schon gegeben. "Und wir erleben es jetzt wieder", fügt er an. Namen nennt er keine. Auf eine offene Abrechnung hat es der einstige Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds an diesem Abend nicht abgesehen.

Ohne Hoffnung sei er aber nicht, da halte er es ganz mit dem Philosophen Karl Popper, der Optimismus als Pflicht ansah. Es gebe einen Lernprozess aller Staaten, dieser dürfe nicht unterschätzt werden, so Köhler. Die Fundamente seien gelegt, auf denen das uneingelöste Versprechen einer politischen Union aufgebaut werden könnte. "Dies jetzt voranzubringen, ist das Gebot der Stunde." Es gehe nicht um das gleiche Wohlstandsniveau in ganz Europa, aber um Anstrengungen in die gleiche Richtung.

In seiner Dankesrede bringt es Tietmeyer am Ende auf die knappe Formel: "Nicht Gesinnungsethik, sondern Verantwortungsethik ist gefordert." Frei übersetzt: Die Zeit der Bedenkenträger ist vorbei, auf das Ergebnis kommt es an, nicht auf den Weg dorthin.

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