Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
13.09.11

Nach Rückschlag

Kauf statt Fusion – VW greift bei Porsche zu Plan B

Die geplante Fusion von Volkswagen und Porsche für 2011 wurde abgesagt, jetzt wird die Alternative immer wahrsheinlicher: Der Kauf der Porsche AG durch die Wolfsburger. Auf der IAA äußerte sich VW-Chef Winterkorn auch zur süffisant causa Suzuki.

Porsche

Hinten fallen vor allem die neu designten Rückleuchten auf. Sie sind schmaler als beim aktuellen Modell.

3 Bilder

Nach dem Rückschlag für die gewünschte Fusion von Volkswagen und Porsche setzen die zwei Autobauer nun auf Plan B. Demnach könnte VW von Ende 2012 an seine Kaufrechte einlösen und die Porsche AG – also nur das operative Sportwagengeschäft des Porsche-Konzerns – komplett unter sein Dach holen, wie Porsche-Chef Matthias Müller am Dienstag auf der Automesse IAA in Frankfurt sagte. Die milliardenschweren Altlasten der Porsche-Dachholding, der Porsche SE, blieben dabei außen vor. Sie hatten den ursprünglichen Plan für eine komplette Fusion der beiden Seiten jüngst platzen lassen.

Nun sei das Einlösen der Kaufrechte für VW – und damit Plan B - der wahrscheinlichste Weg, sagte Müller. Vereinbarungen wie diese heißen in der Branche "Put-/Call". Müller sagte: "Ich gehe jetzt davon aus, dass diese Put-/Call-Option zum Tragen kommt." Auch VW-Chef Martin Winterkorn sagte, dass diese Option nun Rückenwind habe: "Gehen Sie davon aus: Es wird gut werden."

Diese Optionsverträge legen fest, innerhalb welcher Fristen die Partner ihre Anteile zu welchem Preis übertragen können. Dabei unterscheidet man zwischen dem Recht, Vermögenswerte abzugeben ("Put"-Option), und dem Recht, sie endgültig zu übernehmen ("Call"-Option). Für VW öffnet sich das Kauffenster Ende 2012. Die Wolfsburger besitzen bereits 49,9 Prozent der Porsche AG und hatten dafür seinerzeit rund 3,9 Milliarden Euro gezahlt.

Hintergrund der schwierigen Partnerschaft ist der gescheiterte Versuch von Porsche, VW zu übernehmen – dabei hatten sich die Schwaben kräftig verhoben und in ihrer Dachholding 11,4 Milliarden Euro Schulden aufgetürmt. Inzwischen herrscht Friede und die beiden Seiten wollen einen "integrierten Automobilkonzern" mit Porsche als zehnter Marke unter VW-Dach gründen. Doch juristische Streitigkeiten in den USA sowie in Deutschland und die damit verbundenen milliardenhohen Prozessrisiken ließen VW vom heiklen Plan A abrücken.

Doch auch Plan B hat einen Haken: Diese Variante wäre erst ab Mitte 2014 steuerfrei. Müller sagte dazu: "Aber es ist ja nicht so, dass wir keine Steuern zahlen wollen. So soll das bitte nicht verstanden werden. Es gibt ein Zeitfenster zwischen 2012 und 2014."

Volkswagen pocht auf Suzuki-Anteil

Winterkorn äußerte sich auch zur Aufforderung des japanischen Kleinwagenspezialisten Suzuki an VW, die seit Ende 2009 bestehende Kapitalbeteiligung nach einem Vertragsstreit zu verkaufen: Der erteilte der Manager eine klare Absage. VW will seinen knapp 20-prozentigen Anteil an Suzuki nicht aus der Hand geben. "Wenn Suzuki meint, sich von uns trennen zu müssen, dann nehme ich das mal zur Kenntnis", sagte Winterkorn.

"Wir sind einer der größten Anteilseigner bei Suzuki. Warum sollten wir das ändern?", erklärte Winterkorn. Er halte weiter an dem Investment fest. Gegen die Rahmenvereinbarung zur Zusammenarbeit beider Autobauer hätten die Japaner zwar verstoßen, doch dies müsse keinen Folgen für die gegenseitige Kapitalverflechtung haben. Falls Suzuki seinerseits seinen 1,5-Prozent-Anteil an VW abstoßen wolle, habe das "nichts mit VW zu tun".

An der Entscheidung, Suzuki im Boot behalten zu wollen, ändere auch die Lage auf dem Wachstumsmarkt Indien nichts. Dort sind die Japaner mit günstigen Kleinwagen und dem Gemeinschaftsunternehmen Maruti Suzuki besonders stark.

"Suzuki war eine Option", meinte der VW-Chef zur speziellen Marktsituation auf dem Subkontinent. "Aber wir können es dort auch allein." Eine Sondervariante des neuen Kleinwagens Up halte er für denkbar: "Ich könnte ihn mir auch in einer indischen Version vorstellen." In Deutschland kommt der Stadtflitzer Ende dieses Jahres zum Preis von 9850 Euro in den Handel.

Volkswagen steigert Absatz weltweit

Volkswagen hat weltweit von Januar bis August 3,34 Millionen Personenwagen ausgeliefert, 12,1 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2010. Besonders positiv habe sich der Absatz in Zentral- und Osteuropa mit plus 45,2 Prozent entwickelt. Winterkorn sagte dazu, besonders in Russland sollten die Fertigungskapazitäten wegen der großen Nachfrage ausgebaut werden.

Auch in Nordamerika (plus 21,6) und im asiatisch-pazifischen Raum (plus 14,3 Prozent) entwickelte sich der Volkswagen-Absatz positiv. Audi verkaufte im selben Zeitraum weltweit 17,4 Prozent mehr Autos als in den ersten acht Monaten 2010. Bei Skoda lag der Zuwachs bei 18,3 Prozent, Seat setzte nur 2,3 Prozent mehr Autos ab. In Deutschland erzielte Seat allerdings ein Plus von 25,1 Prozent.

Quelle: dpa/ddp/toto
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote