Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
08.09.11

Währungsvergleich

D-Mark würde Deutschland heute ruinieren

Viele Deutsche wünschen sich die D-Mark zurück, doch würde sie nach Angaben der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau keinen Wohlstand bringen. Dagegen bewährt sich der Euro auch in Krisenzeiten mit einem Gewinn von jährlich bis zu 30 Milliarden Euro.

© picture-alliance/ dpa/dpa
Themenpaket Währungsreform
Euro gegen D-Mark: Eine Studie schreibt dem Euro deutliche Vorteile zu

Der Euro bringt Deutschland nach Angaben der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einen Wohlstandsgewinn von jährlich bis zu 30 Milliarden Euro. In den vergangenen zwei Jahren habe die Mitgliedschaft in der Währungsunion der deutschen Volkswirtschaft 50 bis 60 Milliarden Euro beschert, sagte der Chefvolkswirt der Bank, Norbert Irsch, der "Frankfurter Rundschau". "Um diesen Betrag wäre die wirtschaftliche Leistung weniger gestiegen, wenn wir die D-Mark gehabt hätten." Die Staatsbank hatte in einer Studie die wirtschaftliche Entwicklung mit und ohne den Euro durchgerechnet. Das Ergebnis zeigt, dass die Währungsunion nicht schade, sondern Deutschland nutze, betonte Irsch. So profitiere die Exportwirtschaft davon, dass der Euro weniger aufwerte als die D-Mark. Zudem wären die Zinsen in den vergangenen beiden Jahren höher gewesen, wären sie von der Bundesbank allein mit Blick auf die deutsche Situation festgelegt worden.

Selbst unter Berücksichtigung der Kosten für die Rettungsmaßnahmen für die überschuldeten Euro-Mitgliedsstaaten sei die Währungsunion von Vorteil, sagte der KFW-Chefvolkswirt der Zeitung. "Die Euro-Rettung lohnt sich, nicht nur für Deutschland, sondern für jedes einzelne Mitgliedsland der Euro-Zone", betonte Irsch. "Auch das hätte uns Wachstum gekostet", betonte Irsch. Vorteile sieht der KfW-Ökonom auch unter Berücksichtigung der Hilfspakete. Es sei eindeutig "kostengünstiger, die konditionierten Rettungsmaßnahmen fortzusetzen sowie die Institutionen der Währungsunion zu reformieren, als die Eurozone auseinanderbrechen zu lassen"

Der Bundestag berät am heutigen Donnerstag in erster Lesung den Gesetzentwurf der Koalition für den erweiterten Euro-Rettungsschirm EFSF. Umstritten ist die Beteiligung des Parlaments bei künftigen Milliardenhilfen für marode Euro-Staaten. Am Mittwoch hatte das Bundesverfassungsgericht die Griechenlandhilfe und den Euro-Rettungsschirm gebilligt. Künftige Hilfen koppelten die Richter jedoch an die Vorgabe, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages jedem Schritt zustimmen muss.

Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) erwartet auch nach dem Bundestagsvotum über den Euro-Rettungsschirm kein Ende der finanziellen Forderungen an Deutschland. "Das wäre eine wirklich politische Sensation, wenn wir mit der Verabschiedung von EFSF und ESM Ruhe hätten", sagte Bosbach dem audio-Dienst der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er befürchte, dass schon in den kommenden Monaten immer neue Hilfsanforderungen gestellt würden – "weil die wirklich entscheidenden Rahmenbedingungen immer noch nicht geschaffen worden sind".

Es gebe keine verbindlichen Regeln für den Fall einer Staatsinsolvenz, monierte Bosbach, der selbst bei der bevorstehenden Abstimmung im Bundestag die Regierungspläne ablehnen will. "Das müssen wir ändern, sonst werden wir die Probleme nie dauerhaft lösen."

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmaier, plädierte für eine stärkere europäische Integration im Bereich der Wirtschaftspolitik. "Wir brauchen mehr und ein besseres Europa", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". "Das heißt im Umkehrschluss, dass wir auch bereit sein müssen, bestimmte Befugnisse auf die europäische Ebene zu übertragen, damit es möglich ist, dass Defizitsünder rechtzeitig zur Verantwortung gezogen werden können, bevor sie die Stabilität der Euro-Zone insgesamt gefährden." Nötig sei die Vergemeinschaftung der Politik im Bereich der Wirtschaftssteuerung und Wirtschaftsregierung. Dazu gehöre auch eine Vereinheitlichung des Unternehmenssteuerrechts in Europa.

FDP-Chef Philipp Rösler sagte der Oldenburger "Nordwest-Zeitung", die Zukunft Europas liege "in einer Stabilitätsunion mit für alle gültigen Kriterien auch in der Haushaltspolitik". Dazu gehörten die Einführung einer Schuldenbremse in jede nationale Verfassung sowie Tests zur Wettbewerbsfähigkeit. "Wer diese Tests nicht besteht, muss mit harten, automatisch wirksam werdenden Sanktionen rechnen. So sorgen wir dafür, dass alle auf den Pfad der Stabilität finden."

Der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff sprach sich in der "Welt" für die Schaffung eines "Euro-Parlaments" neben dem Europaparlament aus. Nach seinen Vorstellungen sollen sich die Abgeordneten der nationalen Parlamente der Euro-Staaten immer dann seperat von den eigentlichen Europaabgeordneten treffen, wenn es um Entscheidungen geht, die die gemeinsame Währung betreffen. "Ein EU-Parlament aus 27 Staaten und ein Euro-Parlament aus 17 Euro-Ländern – ich sehe darin kein Problem, sondern die logische Folge aus einer Wirtschaftsregierung", sagte Lambsdorff. Nach seiner Ansicht sollte das "Euro-Parlament" auch die Verwendung der europäischen Rettungshilfen in den Krisenländern kontrollieren.

Der CSU-Politiker und Euro-Skeptiker Peter Gauweiler kritisierte die Rettungspakete. Sie würden nur einigen wenigen "wildgewordenen" Investmentbanken helfen. Hochverschuldete Länder wie Griechenland könnten noch mehr neue Schulden machen, sagte er im ZDF-"heute journal".

Mit der EFSF-Reform könnten auf Deutschland Bürgschaften von bis zu 253 Milliarden Euro zukommen. Bis Ende September sollen die parlamentarischen Beratungen abgeschlossen sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) muss um ihre symbolisch wichtige Kanzlermehrheit von 19 Stimmen bangen. Anfang der Woche hatten 25 Abgeordnete von Union und FDP bei einer Euro-Abstimmung in den Fraktionen ihre Gefolgschaft verweigert.

Mit einer außergewöhnlichen Aktion protestierte am späten Mittwochabend in Berlin ein Verband junger Unternehmer gegen den Euro-Rettungsschirm. Mithilfe eines Lichtprojektors warfen die Demonstranten rund zwanzig Minuten lang den Slogan "Euro-Rettung: So nicht!" direkt an das Kanzleramt.

Quelle: dpa/AFP/cb
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote