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02.09.11

Sparprogramm

Deutsche Bank könnte Managern die Boni kürzen

Die Turbulenzen an den Märkten schüren Spekulationen über Sparpläne bei der Deutschen Bank. Unklar ist, ob sie Stellen oder Boni kosten.

© REUTERS
Trübe Aussichten vor der Firmenzentrale der Deutschen Bank: Dem Geldhaus droht ein Sparprogramm
Trübe Aussichten vor der Firmenzentrale der Deutschen Bank: Dem Geldhaus droht ein Sparprogramm

Die Deutsche Bank leidet. Die Flut schlechter Nachrichten scheint kein Ende zu nehmen: In den USA drohen mehrere Gerichtsverfahren wegen Vorfällen aus Zeiten der Immobilienkrise , andere Finanzhäuser fühlen sich über den Tisch gezogen und verlangen Schadenersatz und i n Asien stehen Händler wegen fragwürdiger Geschäfte in der Schusslinie der Behörden .

Als gäbe es ohne all diesen juristischen Ärger nicht schon genug andere Probleme. Die unsichere konjunkturelle Lage verschafft den Banken rund um den Globus Kopfzerbrechen: Investoren halten sich zurück, die Ordervolumina in den Handelssälen schrumpfen und mit ihnen die Einnahmen der Banken. Weniger Transaktionen im Investmentbanking bedeutet weniger Erträge.

Viele Finanzhäuser haben daher schon groß angelegte Sparprogramme verabschiedet. Nun kommen diese Spekulationen auch bei der Deutschen Bank auf. Dass der Aktienkurs an diesem Freitag in die Knie ging und vorübergehend sogar der größte Verlierer im Dax war, verwundert da nicht weiter. "Wenn sich die Marktlage nicht erholt, werden wir im Herbst noch einmal über Sparprogramme nachdenken. Im Moment ist allerdings nichts in der Schublade", sagt ein hochrangiger Vertreter der Bank Morgenpost Online.

Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, dass es konkrete Sparpläne in der Höhe von ein bis zwei Milliarden Euro geben soll. Das dementierte die Bank: "Es liegen keine konkreten Sparpläne vor. Im Gegenteil: Wir wollen weiter Marktanteile gewinnen", sagt ein Sprecher des Unternehmens.

Stellen- oder Bonikürzungen?

Selbst wenn es noch kein konkretes Papier gibt, auf dem steht, wo der Rotstift angesetzt wird, liegt auf der Hand, dass das größte deutsche Geldhaus über Sparmaßnahmen nachdenkt. Das ist auch nicht weiter überraschend: Es wäre geradezu fahrlässig, wenn ein Finanzhaus angesichts der derzeitigen Marktsituation Kürzungen pauschal ausschließen würde.

Insidern zufolge ist jedoch noch gänzlich offen, ob oder in welcher Größenordnung gespart werden könnte. Würde die Bank dem Muster anderer Großbanken folgen, so würde sie im Investmentbanking Jobs einsparen – jener Sparte, der der designierte Co-Chef des Hauses Anshu Jain vorsteht. Er wird im Frühling kommenden Jahres gemeinsam mit dem Deutschland-Chef der Bank, Jürgen Fitschen, die Führung der Bank übernehmen. Josef Ackermann will dann in den Aufsichtsrat wechseln.

Derzeit beschäftigt die Deutsche Bank insgesamt 102.000 Mitarbeiter. Stellenkürzungen sind jedoch nicht der einzige Weg, Personalkosten zu sparen. "Man kann auch über Boni-Kürzungen nachdenken", sagt ein hochrangiger Vertreter der Bank Morgenpost Online.

An der Vergütungsschraube zu drehen, hätte durchaus seinen Charme: Abgesehen von einzelnen Stars, besteht derzeit bei den Mitarbeitern kaum Gefahr, dass sie von anderen Häusern abgeworben werden. Denn schließlich haben viele Banken gerade selbst Tausende Mitarbeiter vor die Tür gesetzt: Ganz vorne dabei war die britische Großbank HSBC: Sie will 30.000 Jobs streichen, das entspricht etwa zehn Prozent ihrer weltweiten Belegschaft.

14.000 Jobs sollen bei der ebenfalls britischen Lloyds-Gruppe wegfallen, aber auch US-amerikanische und Schweizer Banken haben den Rotstift angesetzt. Erst kürzlich hat die Schweizer UBS angekündigt, dass sie 3500 Mitarbeiter kündigen will – 45 Prozent davon im Investmentbanking. In Deutschland hat die HypoVereinsbank (HVB), eine Tochter der italienischen UniCredit-Gruppe, einen Stellenabbau von 700 Personen bekannt gegeben.

Mindestens zwei Milliarden Euro sparen

Analysten glauben nicht, dass die Deutsche Bank in diese Reihung eingliedern wird. Anders als viele Konkurrenten hat das Institut zuletzt nicht so aggressiv Investmentbanker angeheuert, deren Stellen im Abschwung wieder auf der Kippe stehen. Zudem hat das Institut bereits Einsparungen bekannt gegeben, als andere noch massiv auf Expansionskurs waren.

Mehrere Programme gleichzeitig sollen insgesamt mindestens zwei Milliarden. Euro einsparen. Insider bestätigten gegenüber Morgenpost Online, dass man aus diesen Programmen intern mit weit größeren Einsparungen rechne. "Complexity Reduction Program" heißt jenes Vorhaben, das ineffiziente Strukturen abbauen und damit die laufenden Kosten um eine Milliarde Euro drücken soll. Eine ähnliche Summe soll die Eingliederung der Postbank bringen. Mindestens 500 Millionen Euro will Anshu Jain über das Programm "Intergra" einsparen.

Schon im ersten Halbjahr hat er das Handels- und Beratungsgeschäft stärker zusammengelegt und die Zahl der Vertriebsteams von vier auf zwei reduziert. Doch viel bedeutender als die Kostenseite ist die Ertragsseite: Bisher lief es für die Deutsche Bank hier ganz gut. Es ist ihr gelungen, sich in nahezu allen Klassen des Investmentbankings unter den besten fünf der Branche zu behaupten. Die Gesamtbank hat im ersten Halbjahr im Vergleich zu Konkurrenten passabel verdient.

Josef Ackermann setzt viel daran, dass das auch so weitergeht. Eine schleppende Konjunktur, weitere Einbrüche am Markt – oder gar ein zusätzliches Sparprogramm kämen ihm nicht zupass. Er übergibt im Mai 2012 an seine Nachfolger und will seine Karriere mit einem Jahresgewinn von zehn Milliarden Euro küren.

Ein Sparprogramm würde in der Anfangsphase zusätzliche Kosten bedeuten und die Aussicht auf Gewinne schmälern. Noch gibt er sich zuversichtlich: "Wir werden keine Rezession erleben", sagte Ackermann bei einer Podiumsdiskussion in Berlin. Kommt es anders, steht nichts weniger als sein berufliches Vermächtnis auf dem Spiel.

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