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25.08.11

Neue Studiengänge

Nachhaltigkeit wird Thema an den europäischen Unis

Forschung und Lehre widmen sich zunehmend dem Gebiet der globalen Verantwortung. Die Palette reicht von Umweltrisiko-Analysen bis zu ökologisch nachhaltigen Businessplänen.

© dpa/DPA
Nachhaltigkeit

Es war nicht unbedingt ein Ergebnis, das die Damen und Herren der Stadt Zürich erwartet hatten. Anhand des Fallbeispiels einer Züricher Bäckerei hatte die Studentin Marja Baur vorgestellt, wie sich der Bezug von Ressourcen aus der Region auf die Umweltbilanz von Unternehmen auswirkt. Kurze Wege, so die Hypothese der 25-Jährigen, würden diese Bilanz deutlich verbessern. Wie sich herausstellte, stimmte dies allerdings nur zum Teil.

"Rund 80 Prozent der Energie bei der Produktion von Mehl wird für das Heranziehen des Weizens benötigt. Weitere Sparpotenziale gibt es bei den Backöfen, aber auch der Bezug von erneuerbaren Energien ist eine wichtige Größe", sagt Marja Baur. Transportwege hingegen spielten nur eine untergeordnete Rolle, wie sie herausfand.

"Potenzial der Kreislaufwirtschaft in Zürich" hieß ihre Projektarbeit, die gleichzeitig auch ihre Masterarbeit im Fach Umweltwissenschaften war. Baur hat sie im Rahmen des Projektes "Seed Sustainability" an der ETH Zürich erstellt. Hier werden Nachhaltigkeitsfragen aus Unternehmen, der Verwaltung oder von gemeinnützigen Organisationen aufgegriffen und als Studienarbeiten aufgearbeitet. "Es war ein toller Zufall, dass jemand gesucht wurde, dieses Thema zu bearbeiten", sagt Baur. Schließlich war schon im Studium ihr Schwerpunkt Umweltsysteme.

Die schweizerische Uni liegt mit dem Thema Nachhaltigkeit im Trend. In den vergangenen Jahren waren zahlreiche Universitäten umtriebig auf diesem Feld. Eine große Zahl unterschiedlichster Studiengänge rund ums Thema ist dabei entstanden. So bietet die Leuphana Universität Lüneburg inzwischen einen MBA Sustainability Management an, in dem das Thema Nachhaltigkeit vor allem aus dem unternehmerischen Blickwinkel betrachtet wird. Im Centre for Sustainability Management der Universität arbeiten hierfür rund 30 wissenschaftliche Mitarbeiter interdisziplinär zusammen.

Ein Master in Fashion & the Environment wird am London College of Fashion angeboten. Schließlich ist Öko-Mode begehrt. Selbst große Ketten wie H&M haben dafür eigene Modekollektionen entwerfen lassen. Die Studenten lernen im Master-Studium die großen ökologischen, kulturellen und sozialen Auswirkungen der Modeindustrie kennen. Durch das Studium sollen sie dazu motiviert werden, vor allem neue Business-Modelle für nachhaltige Mode zu entwickeln.

Ein wichtiger Punkt nachhaltigen Handelns ist der Einfluss menschlichen Handelns auf Ökosysteme. Dies ist Kern des Studiengangs BioGeowissenschaften an der Universität Koblenz-Landau. Risiken analysieren und bewerten, das ist die Aufgabe der Studenten. Dabei geht es um Landschafts- und Raumplanung. Wie wirken sich landschaftlichen Veränderungen auf die Artenvielfalt einer Region aus? Was passiert mit Flüssen, wenn man in ihrer Nähe große Flächen bebaut? Die Studenten können mit dem Bachelor beginnen und danach auch einen Master absolvieren.

An der ETH Zürich hat man sich anders entschieden, und das Thema Nachhaltigkeit nicht in einem Master-Programm zusammengefasst, sondern in einer uni-internen Organisation, die versucht, das Thema in die verschiedenen Fachbereiche einfließen zu lassen. Das Projekt "Seed Sustainability" gehört genauso dazu wie verschiedene Sommerakademien zum Thema und die Ringvorlesung ETH-Energiegespräch.

Und schließlich ist auch die Universität selbst zum Thema der Nachhaltigkeit geworden: Im Rahmen des Projektes Ecoworks suchen Mitarbeiter und Studenten nach Ideen, die Umweltbilanz noch weiter zu steigern. So ist Nachhaltigkeit nicht nur ein Thema von Vorlesungen, sondern wird auch ganz konkret auf dem Campus spürbar.

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