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16.07.11

Euro-Krise

Deutsche Industrie fordert Aufbauhilfe für Athen

BDI-Chef Keitel will eine Wiederaufbauhilfe für Griechenland. Auch einen Schuldenschnitt würde die Industrie begrüßen – die Zustimmung dazu wächst.

© dapd
Karlsruhe prueft deutsche Milliardenhilfen fuer pleitebedrohte Euro-Laender

Die deutsche Industrie fordert für Griechenland einen Schuldenerlass und wirtschaftliche Wiederaufbauhilfen wie für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

In einem Brief von BDI-Präsident Hans-Peter Keitel an Führungskräfte der deutschen Industrie heißt es nach Informationen der "Bild am Sonntag": "Erstens muss die Gesamtschuldenlast des Landes auf ein tragfähiges Niveau gesenkt werden. Zweitens braucht Griechenland einen Business-Plan im Sinne eines Schumanplans." Mit dem Schumanplan wurde der deutschen Montanindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf die Beine geholfen.

Aus Sicht des BDI ist beim Schuldenschnitt die Beteiligung der privaten Gläubiger "unabdingbar". In dem zum Wochenende verschickten Keitel-Brief heißt es zur Begründung der Forderung nach großzügiger Hilfe für Griechenland: "Jeder Lösungsansatz, der darauf abzielt, starke oder schwache Länder aus dem Währungsgebiet herauszulösen, wäre fatal sowie gefährlich und weit weg von der Realität."

Selbst bei den Währungshütern ließ der Widerstand gegen eine Umschuldung nach. – Die Europäische Zentralbank ist laut dem österreichischen EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny nicht generell gegen eine Umschuldung Griechenlands. "Auch die EZB sagt nicht, dass das der falsche Weg ist. Die EZB sagt, sie sind bereit, jeden Weg der Erleichterung zu gehen, wenn er nicht negative Nebeneffekte hat", sagte Nowotny im ORF.

Alle Maßnahmen, die die Risiken für das griechische Hilfsprogramm reduzieren könnten, seien positiv. Dazu gehörten eine Verlängerung von Fristen und die Verringerung von Zinssätzen. Wichtig sei jedoch, dass diese Schritte in der Einschätzung der Ratingagenturen nicht einen Staatsbankrott nach sich zögen.

Mehrere namhafte Wirtschaftsforscher sprachen sich ebenfalls für eine Umschuldung aus. "Griechenland ist pleite und wird um einen Schuldenschnitt nicht herumkommen", sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner, dem "Handelsblatt". Die von der Politik favorisierte "sanfte" Lösung werde nicht ausreichen. Dass hierdurch private Investoren Verluste hinnehmen müssen, stehe dem nicht entgegen.

Der Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Roland Döhrn, und der Konjunkturexperte des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Jörg Hinze, äußerten sich ähnlich.

Dagegen lehnt der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, Michael Heise, einen Schuldenschnitt kategorisch ab. Ein direkter, erzwungener Schuldenschnitt wäre aus seiner Sicht "eine sehr gefährliche Veranstaltung", sagte Heise "Handelsblatt Online".

Er begründete seine Ablehnung damit, dass der monetäre Nutzen eines Schuldenschnitts in keinem Verhältnis zu den Risiken stünde, da die Investoren im Falle eines Zahlungsausfalls voraussichtlich in Scharen aus den Anleihen anderer Krisenstaaten flüchten würden, da sie dort das gleiche Szenario erwarten. Aus Sicht von Heise ist ein Anleihetausch unter Beteiligung des Rettungsfonds EFSF die vielversprechendste Option.

Quelle: dapd/Reuters/dapd/dma
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