Deutsche Uni verärgert IBM
Das Streifenlogo unter Plagiatsverdacht
Um modern zu wirken, änderte die Uni Nürnberg-Erlangen ihr Logo. Doch das neue Wappen ist dem IBM-Schriftzug verblüffend ähnlich.
Von Cosima Lutz
Die Affäre begann mit einer Website: Mitarbeiter von "VroniPlag Wiki" werfen Koch-Mehrin vor, auf mehr als jeder vierten Seite ihrer Dissertation abgeschrieben zu haben. Die Uni teilte jetzt mit, auf rund 80 Textseiten der Dissertation fänden sich mehr als 120 Stellen, die nach Bewertung des Promotionsausschusses als Plagiate zu klassifizieren seien.
Man kann die angesehene Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg - sind Sie noch da, lieber Leser? - ja verstehen: Sie leidet unter einem viel zu langen Namen. Andere nennen sich einfach HU, TU, FU oder KTG und betonen damit ihren Rang als internationale Marke.
Warum also nicht schlicht FAU, und zwar in einem "modernen" Look, wie es Heiner Stix, der Leiter der FAU-Marketingkommunikation, nennt? Man beauftragte deshalb das Münchner Büro für Gestaltung "Wangler & Abele" mit dem Entwurf eines neuen Logos. Das wurde von Juristen geprüft und Anfang April vorgestellt. Hunderte Studierende und Ehemalige sind seitdem sauer. Und vielleicht auch der Softwarehersteller IBM, aber der muss darüber erst noch nachdenken.
Denn das Ergebnis sieht dem IBM-Schriftzug, nun ja, recht ähnlich. IBM hat allerdings acht, die FAU zehn blaue Querstriche. Ein Plagiat? Unter Beteiligung einer fränkischen Universität? Schon wieder?
Entrüstete Kommentare prasseln seither auf die Uni nieder. Auf Facebook parodieren grafisch begabte Nutzer: "FAU - näher am Menschen", "FAU - I'm lovin' it" oder einfach "FAUL". Die Gegner fordern die Umkehr und beweisen dabei einen langen Atem: "Unsere Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: Dahinter stecken kluge Köpfe - keine Balken!"
Stix will die Ähnlichkeit gar nicht abstreiten, findet aber: "Streifen sind ein ganz normaler Bestandteil von Logos." Sie seien halt nur nicht jedermanns Geschmack. Außerdem habe der IBM-Schriftzug Serifen und ein anderes Blau. Und das alte Siegel mit dem Doppelporträt der beiden Universitätsgründer, das Kritiker "eingemottet" sehen, verwende man parallel durchaus weiter.
Bei IBM hieß es am Freitag, man sei durch einen Studentenvertreter auf das mögliche Plagiat aufmerksam gemacht worden und habe die Sache erst einmal an die Abteilung Markenpflege weitergeleitet. Dort prüfe man das Ganze nun. "Eine Uni ist eine Uni, also kein Wettbewerber für uns", sagt Pressesprecher Hans-Jürgen Rehm . Das seien nun einmal "die Initialien der Uni", hier eben mit Streifen, die auch andere verwendeten. Auf Facebook, fügt er noch hinzu, seien halt Traditionalisten am Werk.
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