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13.04.11

Dudenhöffer

Experte hält höhere Diesel-Steuer für sinnvoll

Die EU will die Steuer auf Diesel erhöhen, doch aus Berlin droht ein Veto. Experte Ferdinand Dudenhöffer hält die Pläne dagegen für fair.

© picture alliance //picture alliance
Ferdinand Dudenhöffer leitet das Automobilforschungszentrum CAR an der Universität Duisburg-Essen
Ferdinand Dudenhöffer leitet das Automobilforschungszentrum CAR an der Universität Duisburg-Essen

Eine Reform der Sprit-Steuersätze in Europa ist nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer dringend notwendig. Es sei nicht mehr angemessen, "dass wir künstlich den Diesel auf Kosten des Steuerzahlers subventionieren", sagte der Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen. Den Vorschlag der EU-Kommission, die Steuer künftig nicht mehr nur nach dem Verbrauch, sondern auch nach dem Energiegehalt und dem CO2-Ausstoß zu bestimmen, hält Dudenhöffer für sinnvoll und fairer als die jetzige Regelung.

Der Experte verwies auf die historische Entwicklung der derzeitigen Besteuerung: "Früher wollte man den Transport verbessern, die Kosten niedrig halten." Damals sei Diesel in aller Regel im Transportbereich bei Nutzfahrzeugen zum Einsatz gekommen. "Heute sind fast 50 Prozent der Pkw als Diesel unterwegs", betonte Dudenhöffer. Er riet der Branche, "mit kühlem Kopf an dieses Thema heranzugehen". Denn angesichts der vorgesehenen langen Übergangsfristen könnten die Autobauer bei einer Neuordnung der Besteuerung durchaus gewinnen.

"Sie brauchen nicht mehr die große Vielfalt. Sie können stärker in Hybride investieren", betonte der Dudenhöffer und prophezeite, dass diese Fahrzeuge mit Mischantrieb dann auch stärker verkauft werden dürften. Brüssel will die Diesel-Steuer ungeachtet der Proteste aus Deutschland umstellen. "Es ist eine gerechte und transparente Energiebesteuerung erforderlich, damit wir unsere Energie- und Klimaschutzziele erreichen", erklärte EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta.

Demnach soll der europäische Mindeststeuersatz für Kraftstoffe künftig auf der Basis des Energiegehaltes und des Kohlendioxidausstoßes festgelegt werden. Beide Werte sind bei Diesel höher als bei Benzin. Der Energiegehalt ist sozusagen die Kraft, die in einem Liter Sprit steckt. Derzeit beträgt der europäische Mindestsatz für Diesel 33 Cent pro Liter und für Benzin 35,9 Cent pro Liter. Nach den Plänen würde der Satz für Diesel bis 2018 stufenweise auf 41,2 Cent erhöht, für Benzin bliebe er gleich.

Die deutschen Steuersätze betragen schon heute 47 Cent für Diesel und 65,4 Cent für Benzin, sie müssten also nicht geändert werden. 2023 griffe aber eine zweite Stufe der Reform: Dann müsste Diesel überall in der EU – unabhängig von der absoluten Höhe der Steuer – auf jeden Fall höher als Benzin besteuert werden.

In Steuersachen muss die EU einstimmig entscheiden, das heißt, ein Veto aus Berlin könnte die Pläne kippen. In den vergangenen Tagen hatten sich unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über ihren Sprecher sowie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gegen die Pläne ausgesprochen.

Die EU-Pläne sind Teil der Revision der sogenannten Energiesteuerrichtlinie von 2003. Dabei sollen auch andere Stoffe wie Kerosin oder Heizöl auf das neue System umgestellt werden. Allerdings sind die erwarteten Auswirkungen nach Kommissionsangaben hier gering, weil die Pläne eine ganze Reihe von Ausnahmen vorsehen.

Quelle: AFP/dpa/cat
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