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24.03.11

Luftfahrt

Air Berlin sucht verzweifelt nach Aufwind

Im vergangenen Jahr hat Air Berlin nur Verluste geschrieben. Ein Kostensenkungsprogramm und höhere Zuschläge sollen die Lage verbessern.

© REUTERS
Joachim Hunold, CEO Air Berlin

Sie sprechen oft von "externe Faktoren" bei Air Berlin. Unternehmensgründer und Vorstandschef Joachim Hunold redet davon bei der Bilanzvorlage, ebenso sein Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer. Externe Faktoren haben dafür gesorgt, dass Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft auch 2010 Verlust gemacht. Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull war so ein externer Faktor, der Fluglotsenstreik in Spanien, die Streikandrohung der eigenen Piloten. Auf 97,2 Millionen Euro summiert sich der Verlust für 2010. Dieses Jahr soll es natürlich besser werden. Und: "2012 wollen wir in die Gewinnzone", sagt Hunold.

In dieser Zone war Air Berlin lange nicht mehr. Und 2011 wird Air Berlin dort auch nicht landen. Dafür sorgen – natürlich – externe Faktoren: die Umwälzungen in nordafrikanischen Urlaubsländern wie Ägypten und Tunesien, sprunghafte Preisentwicklungen für Treibstoff und unabsehbare Folgen der japanischen Erdbebenkatastrophe und die Wirkung der Flugticktsteuer in Deutschland. Im Februar wurden wegen der Lage in Ägypten und Tunesien einige hundert Flüge gestrichen. "Wir haben einen schwachen Start ins erste Quartal 2011 gehabt", räumt Hunold ein.

Air Berlin macht das, was Unternehmen in solchen Situationen tun. Sie legen ein Kostensenkungsprogramm auf. "Accelerate" (deutsch: Beschleunigung) heißt es, 100 Millionen Euro soll es bringen. Die Kerosinzuschläge wurden bereits erhöht und, wie Hunold sagt: "Wir werden uns mit unseren Fuel-Zuschlägen dem Markt anpassen." Bedeutet: Da könnte noch mal zugelangt werden.

Nun gibt es viele, die das Unternehmen für zu schwach halten und es deshalb so hart von "externe Faktoren" getroffen wird. Deutschlands Flugprimus Lufthansa hat im Vulkanausbruch- und Fluglotsenstreikjahr 2010 einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro gemacht. Zieht man Sondereffekte ab und schaut, der Vergleichbarkeit wegen, auf das Ergebnis vor Steuer und Zinsen (Ebit), steht ein Gewinn von 876 Millionen Euro. Die Lufthansa profitierte unter dem Strich vom globalen Konjunkturaufschwung. Air Berlin hingegen machte 2010 einen operativen Verlust von 9,3 Millionen Euro. Diese Kenngröße soll dieses Jahr kein negatives Vorzeichen haben.

Dabei haben sie mehr Fluggäste transportiert als je zuvor, insgesamt 33,6 Mrd. Euro. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr auf 3,72 Mrd. Euro. Air Berlin, ursprünglich ein reiner Ferienflieger, ist über die Jahre zum ernst zu nehmenden Konkurrenten der Lufthansa geworden. 169 Jets tragen das rote Logo, vor vier Jahren wurde Konkurrent LTU übernommen. Es gibt Zielflughäfen in 39 Ländern. Ein beachtlicher Konzern – der anscheinend jedoch Probleme hat, nachhaltig Geld zu verdienen.

Ein Hoffnungsschimmer heißt Oneworld. Diesem Luftfahrtbündnis wird Air Berlin 2012 offiziell beitreten. Dann kooperiert man mit Branchenriesen wie British Airways, American Airlines, der australischen Fluglinie Qantas oder Cathay Pacific. Der neue Hauptstadtflughafen in Berlin-Schönefeld, der 2012 eröffnet wird, soll zu einem ernst zu nehmenden Drehkreuz mit Verbindungen auf alle Kontinente werden. Und das alles mit Hunold als Vorstandschef. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, dass er 2012 den Posten räumen soll. Er habe einen Vertrag, der bis zu seinem 65. Lebensjahr gelte. Demnach würde er noch bis zum September 2015 Air Berlin führen.

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