Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
16.03.11

Vereinfachung

EU-Kommission will Steuer-Chaos in Europa beenden

Die EU will die Besteuerung von Unternehmen einheitlich regeln. Doch in Irland hat die Kommission einen entschlossenen Gegner gefunden.

dpa

... für Wildschweine dagegen der normale Satz.

9 Bilder

Brüssel will in Zeiten der Krise Europas Binnenmarkt anschieben und deshalb die Besteuerung von Unternehmen vereinfachen. Die EU-Kommission präsentierte einen Vorschlag, der sowohl Firmen aus der Europäischen Union als auch aus Drittstaaten ein gemeinsames System zur Berechnung der Steuerbemessungsgrundlage verspricht.

Ziel ist es, dass Unternehmen sich nicht mehr mit 27 verschiedenen Steuersystemen und 27 unterschiedlichen Regelwerken herumschlagen müssen. Stattdessen reichen sie eine einzige, konsolidierte Steuererklärung im Land ihres Hauptsitzes ein. "So können Unternehmen in der EU leichter und kostengünstiger Geschäfte abwickeln", betonte der für Steuern zuständige EU-Kommissar, der Litauer Algirdas Semeta.

Die "Gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage" (GKKB) hat nach Berechnungen der EU-Kommission zudem gewaltiges Einsparpotenzial. Demnach könnten die Unternehmen pro Jahr bis zu 700 Millionen Euro einsparen, die sie sonst für möglicherweise hoch komplexe und in verschiedenen EU-Staaten fällige Steuererklärungen ausgeben müssten. Mit weiteren 1,3 Milliarden Euro schlüge die durch die Anwendung der GKKB mögliche Konsolidierung positiv zu Buche. EU-Kommissar Semeta betonte allerdings mehrfach, dass die einheitliche Bemessungsgrundlage nicht mit einer Harmonisierung der Steuersätze in der Union zu verwechseln sei.

"Das ist nicht einmal ein erster Schritt hin zu einem einheitlichen Satz der Körperschaftsteuer", so Semeta. "Die Steuersätze bleiben in der nationalen Souveränität." Das Thema ist heikel, pochen die 27 Mitglieder doch sehr darauf, dass Brüssel ihre Steuerhoheit nicht antastet. Semeta beruft sich mit seinem Vorstoß daher auf den "Geist des Binnenmarkts". Denn der kommt nach Meinung der Europäischen Kommission erst recht nicht voran, wenn Unternehmen potenzielle Investitionen in anderen EU-Ländern als zu aufwendig und unsicher betrachten.

Tatsächlich ist die Liste der Beschwerden von Unternehmen lang, die von Brüssel Erleichterung bei EU-weiten Geschäften fordern. Da die EU-Kommission in den Mitliedsländern trotzdem schon jetzt Widerstand erntet, schlägt sie für die GKKB einen dualen Weg vor. Die Unternehmen können selbst entscheiden, ob sie ihre Umsätze auf der neuen Grundlage besteuern lassen oder aber bei den nationalen Systemen bleiben. Entscheidet sich eine Firma für die GKKB, muss sie diese fünf Jahre lang anwenden.

Unternehmen dürfen Gewinne und Verluste verrechnen

Attraktiv will Brüssel die GKKB zudem dadurch machen, dass die Unternehmen mit diesem System Gewinne und Verluste verrechnen können. Nach den bisherigen Regeln kann zum Beispiel ein deutsches Unternehmen, das in Ungarn schwarze Zahlen, in Rumänien aber rote schreibt, diese nicht miteinander verrechnen. Durch die freie Wahl der Besteuerungsgrundlage hofft man in Brüssel zum einen, dass dauerhaft eine wachsende Zahl von Firmen auf die GKKB umsteigen.

Zum anderen sollen dadurch auch die Gegner – allen voran die Niedrigsteuerländer – für den Vorschlag gewonnen werden. Denn im EU-Rat muss Semeta Einstimmigkeit der 27 Mitglieder bekommen. Eine riesige Hürde. Trotzdem hofft die Kommission, dass der Vorschlag 2012 in Gesetzesform gegossen und zwei bis drei Jahre später umgesetzt werden kann. Rund 100.000 Unternehmen in Europa könnten nach Brüssels Ideen von der GKKB Gebrauch machen. Und die Ungleichgewichte in der EU irgendwann der Vergangenheit angehören. Doch dass es dazu nicht kommen wird, könnte vor allem an Irland liegen.

Die dortige niedrige Körperschaftsteuer gilt als Grundstein für den einst steilen wirtschaftlichen Aufstieg der grünen Insel – und damit als heilige Kuh. Ende vergangener Woche noch wehrte sich Premier Enda Kenny auf dem EU-Gipfel vehement gegen jedes Zugeständnis, seinen Steuersatz anzuheben. Selbst ein lauter verbaler Schlagabtausch mit Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy und im Kreise der anderen 25 konnte den Iren nicht beirren. Und auch nicht die Tatsache, dass der jetzt von Irland mit beschlossene "Pakt für den Euro", der zu mehr Wettbewerbsfähigkeit verhelfen soll, auch eine Koordinierung der Steuerpolitik vorsieht.

Deutschland steht Semetas Vorstoß konstruktiv gegenüber. Allerdings hält man das Ziel, die gemeinsame Bemessungsgrundlage mit dem Element Konsolidierung zu verbinden, möglicherweise für zu ehrgeizig. Auch im EU-Parlament gibt es Zustimmung für die GKKB. "Eine faire Bemessungsgrundlage in Europa ist schon lange fällig", sagte Markus Ferber, Chef der CSU-Fraktion, der "Welt". "Die GKKB kann in der EU zu einem Wettbewerb der Steuersätze führen, ähnlich dem Wettbewerb unter den Kommunen in den Bundesländern."

Brüssel schlägt für die Verteilung der Steuereinnahmen zwischen dem Herkunftsland des Unternehmens und dem Land, in dem es seine Geschäfte tätigt, eine dreigliedrige Formel vor. Sie gründet sich auf die Indikatoren Vermögenswerte, Lohnsumme und Umsatz. Auf dieser Grundlage berechnet jedes Mitgliedsland dann die anfallende Körperschaftsteuer.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote