Reise-Studie
Holländer wollen Spaß, Franzosen träumen von Sex
Reisekonzerne durchleuchten ihre Kunden, denn maßgeschneiderte Konzepte sollen mehr Umsatz bringen. Deutsche buchen so viel wie nie, und Fernreisen boomen.
Von Ernst August Ginten
Holländer wollen im Urlaub nur Spaß. Viele Franzosen träumen von Sex am Strand. Die Briten schlagen sich in den Ferien ordentlich den Magen voll. Und alle ärgern sich, wenn der Nachbar am Strand oder Pool seinen Müll liegen lässt. Um an diese Erkenntnisse zu gelangen, hat Kuoni , der größte Schweizer Reiseveranstalter, erstmals 12.000 Touristen aus zwölf Ländern für seinen "Global Holiday Report" befragen lassen. Die Ergebnisse, die auf der ITB vorgesetellt wurden, wollen die Schweizer jetzt nutzen, um "neue Reisekonzepte" zu entwickeln.
Die Analyse zeigt: Es gibt immer noch markante Unterschiede im Verhalten der Urlauber aus Skandinavien, Großbritannien, Italien oder der Schweiz. Fast alle eint zwar, dass sie im Urlaub vom Alltag abschalten und sich ausruhen wollen (74 Prozent). Aber während die 20- bis 30-jährigen Franzosen im Urlaub eher adrenalinfördernde Sportarten ausprobieren und Party bis spät in die Nacht machen wollen, erfreuen sich die Älteren bei sehr gutem Essen und kulturellen Veranstaltungen. Fast die Hälfte aller Befragten gibt im Urlaub mehr Geld aus als Zuhause. Fast ein Viertel trinkt mehr Alkohol oder kleidet sich legerer. Allein die Italiener legen im Alltag genauso großen Wert auf ihr Outfit wie im Urlaub.
Auch TUI -Chef Volker Böttcher und seine Manager haben sich in den vergangenen Monaten sehr viele Gedanken darüber gemacht, was ihre Kunden wirklich wollen: Die Experten sind zu der Erkenntnis gelangt, dass sich die einen bei der Urlaubsbuchung vor allem am Preis orientieren, die anderen aber "das passende Produkt zum persönlichen Lebensstil" buchen. Und die letztere Gruppe zahlt dann auch gerne etwas mehr, um genau das im Urlaub zu erleben, was sie sich erträumt haben.
Laut Böttcher soll sich deshalb ein Teil der TUI-Reiseexperten künftig ausschließlich auf die "Konzeption und Vermarktung innovativer, exklusiver und margenstarker Hotelprodukte" konzentrieren, die sich an moderne und eher "lifestyle-orientierte Kunden richten." Mit den neuen Hotelkonzepten Sensimar, Puravida und TUI Best Family gebe es bereits erste Produkte. "Und die "Blaupausen für vier weitere Produktinnovationen liegen bereits in der Schublade", erklärt Böttcher.
TUI rechnet mit einem Rekordjahr
Einen Teil des Geldes für die notwendigen Investitionen will Böttcher schon in diesem Jahr verdienen. Die TUI rechnet mit einem Rekordjahr. Trotz der deutlichen Rückgänge in Ägypten und Tunesien entwickelt sich das Sommergeschäft der TUI Deutschland momentan sehr gut. Bei Buchungen für den Sommer verzeichne TUI prozentual kräftige zweistellige Zuwächse, sagte der TUI-Deutschland-Chef. Ende Januar hatte die Muttergesellschaft TUI Travel plc für den deutschen Markt ein Umsatzplus von 18 Prozent verkündet. Seitdem habe das Geschäft weiter an Fahrt gewonnen. Zudem verzeichne das Unternehmen zehn Prozent mehr Frühbucher als noch vor einem Jahr. Unterm Strich machen sich auch die Ausfälle für die Ziele in Nordafrika kaum bemerkbar: "Die meisten Gäste buchen um, vielfach sogar auf teurere Reiseziele", sagte Böttcher. Es werde "momentan so früh gebucht wie lange nicht mehr." Vor allem Familien haben in den vergangenen Wochen ihren Sommerurlaub fest gebucht. Während der Wirtschaftskrise war der Familienanteil noch spürbar zurückgegangen.
Besonders beliebt ist bei den Deutschen in diesem Jahr wieder Spanien. Das gilt vor allem für Mallorca. Hier verzeichnet TUI Deutschland derzeit ein Buchungsplus von mehr als 50 Prozent. Auch wenn diese Zuwächse mit hoher Wahrscheinlichkeit noch bis zum Saisonende abschmelzen werden, ist diese Entwicklung laut Böttcher bemerkenswert. Sie sei keineswegs nur die Folge der Schwäche anderer Reiseziele, sondern "auch auf deutliche Produktverbesserungen zurückzuführen." Bei den Zielen in der Türkei liegt TUI derzeit im Sommer mit einem Plus von 24 Prozent über den Buchungen des Vorjahres.
Fernreiseboom hält an
Aufgrund der unverändert starken Nachfrage hat TUI auch die Hotel- und Flugkapazitäten ausgebaut, insbesondere für die stark wachsenden Reiseziele Mallorca, die Kanarischen Inseln, Antalya und Griechenland. Weitere Flugkapazitäten, die ursprünglich für Ägypten und Tunesien vorgesehen waren, würden ebenfalls auf diese Ziele umgeschichtet. Insgesamt werde das Flugangebot um 2,7 Prozent auf 71.000 Plätze aufgestockt.
Auch der Fernreiseboom der letzten Jahre setzt sich erstaunlicherweise trotz der merklichen Preissteigerungen durch die Kerosinzuschläge und die Luftverkehrsabgabe weiter fort. Die Buchungen für Reisen in ferne Länder liegen bei der TUI im Schnitt um mehr als 15 Prozent über dem Vorjahr. Besonders stark gefragt sind die Malediven (plus 35 Prozent), Kenia (plus 85 Prozent) und die USA (plus 18 Prozent).
Allerdings rechnet Böttcher damit, dass das starke Wachstum im weiteren Jahresverlauf nachlassen wird. "Ab Juli laufen wir wieder gegen eine steil ansteigende Buchungskurve aus dem Vorjahr an." Zusätzlich gäbe es noch ein ganz anderes – sehr seltenes – Problem: "Irgendwann werden wir in Teilbereichen ausverkauft sein."
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