Kraftstoffe
Diesel könnte bald teurer sein als Superbenzin
Wegen der hohen Benzinpreise steigen viele Autofahrer auf Diesel um. Der Mineralölwirtschaft rechnet deshalb mit stark steigenden Dieselpreisen.
Der Preisunterschied zwischen Superbenzin und Diesel von derzeit 12 bis 14 Cent könnte künftig deutlich schrumpfen, wie die "Bild"-Zeitung (Onlineausgabe) unter Berufung auf Berechnungen des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) berichtete. Der weltweite Konjunkturaufschwung sorge dafür, dass immer mehr Güter per Lastwagen auf der Straße transportiert werden. Gleichzeitig schafften sich immer mehr Autofahrer wegen der hohen Benzinpreise einen Diesel-Pkw an.
Das erhöhe die Nachfrage nach Diesel und lasse die Preise steigen. MWV-Chef Klaus Picard sagte dem Blatt: "Diesel kann sogar teurer werden als Super." Am Vortag hatte Picard gewarnt, die Kaufzurückhaltung der Verbraucher beim neuen "Biokraftstoff" E-10 stelle die Mineralölwirtschaft vor erhebliche Probleme. Weil es wegen der Skepsis der Autofahrer derzeit ein großes Überangebot an E-10 gibt, müsse möglicherweise bereits die erste Raffinerie ihre Produktion herunterfahren, warnte er. Seit Anfang Februar wird an den deutschen Tankstellen schrittweise der Kraftstoff E-10 mit zehnprozentiger Beimischung von Bioethanol angeboten.
Daneben gibt es an den bereits umgestellten Tankstellen in der Regel nicht mehr das traditionelle Superbenzin, sondern nur noch das teurere Super Plus. Auf dieses sind besonders die rund zehn Prozent der Autofahrer angewiesen, deren Fahrzeuge nicht für E-10 geeignet sind. Tatsächlich werde Super-Plus aber zur Zeit von rund 70 Prozent der Autofahrer getankt. Dies führe auf der einen Seite zu Lieferengpässen bei Super Plus; auf der anderen Seite seien die Tanks voll mit E-10-Kraftstoff, der nicht abgesetzt werden kann.
Der Bauernverband verteidigte dagegen den Bioethanol-Sprit und warf Umweltverbänden, Mineralölkonzernen und dem ADAC Panikmache vor. "Was die Umweltverbände verbreiten, ist völlig inakzeptabel", sagte Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Tatsächlich könnten im Vergleich zu fossilen Energieträgern durch den Einsatz von Bioethanol 50 bis 60 Prozent der Klimagase eingespart werden. In anderen Ländern fahre man mit einem weitaus höheren Anteil an Bioethanol im Benzin, sagte der Bauernpräsident. Dort seien alle zufrieden.
"Nur bei uns gibt es Panikmache sowohl seitens der Mineralölfirmen als auch des ADAC und der Umweltverbände. Das ist alles unfair und falsch", sagte Sonnleitner. Jetzt böten die Mineralölkonzerne das Extra-Benzin Super Plus auch noch zu einem überhöhten Preis an. Eine Flächenkonkurrenz der Bioethanolpflanzen zur Nahrungsmittelproduktion befürchtet Sonnleitner nicht.
"Allein in Deutschland wird ein Drittel der Nahrungsmittel weggeworfen. Schauen Sie einmal auf Schulhöfen nach, wie viele Lebensmittel vergeudet werden", sagte er. Bioethanol sei nicht nur klimaschonend, sondern biete Bauern auch ein zusätzliches Einkommen. "Allein in der Bioethanol-Wirtschaft sind 10.000 Arbeitsplätze neu aufgebaut worden, insgesamt für nachwachsende Rohstoffe 40.000 Jobs", sagte Sonnleitner.
Hier können Sie überprüfen, ob ihr Auto den neuen Kraftstoff verträgt.
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