Niederlage für EADS
Deutschland hat Zweifel an Fairness des Wettkampfs
Boeings Triumph über EADS hinterlässt bei der Bundesregierung einen bitteren Beigeschmack. Sie bezweifelt, dass das Verfahren fair ablief.
Ein F-16-Kampfflugzeug wird im Flug betankt. Von oben nähert sich der Tankstutzen eines KC-30 von Northrop Grumman. Es wird in Kooperation mit EADS gebaut.
Die Bundesregierung hat nach der US-Entscheidung, einen Milliarden-Tankflugzeugauftrag an Boeing und damit nicht an EADS zu vergeben, Zweifel an der Fairness des Verfahrens geäußert. "Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, weil nicht ganz klar ist, ob es tatsächlich bei der dritten Ausschreibung ein faires Verfahren gegeben hat", sagte der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Staatssekretär Peter Hintze, der Nachrichtenagentur Reuters.
Natürlich sei es Sache der US-Regierung, an wen sie einen so großen Rüstungsauftrag vergibt. "Auf der anderen Seite war ein faires Wettbewerbsverfahren angekündigt", sagte Hintze. "Und ich hoffe, dass die gründliche Analyse ergibt, dass es tatsächlich ein faires Verfahren gewesen ist." Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS habe ein ausgezeichnetes Flugzeug für diesen Auftrag angeboten, sagte er weiter. Das werde dadurch belegt, dass es ja im zweiten Bieterverfahren, dessen Ergebnis später revidiert wurde, eine Entscheidung für EADS gegeben hatte.
Nach jahrelangem Bieterwettstreit hatte das Pentagon schlussendlich entschieden, den lukrativen an Boeing zu vergeben. Das Volumen des Auftrags beläuft sich auf rund 35 Milliarden Dollar (26 Milliarden Euro). Vorgesehen ist zunächst der Bau von 179 Flugzeugen. Allerdings könnten weitere attraktive Bestellungen folgen: Die Tankflugzeuge sind nur die erste Tranche einer ganzen Flotte, für die insgesamt bis zu 100 Milliarden Dollar fließen könnten. Die US-Luftwaffe wartet seit fast zehn Jahren auf die neuen Tankflugzeuge, da das Ausschreibungsverfahren wegen zahlreicher Pannen und juristischer Streitigkeiten mehrfach unterbrochen werden musste.
Zuletzt hatte das Pentagon versehentlich die beiden Konkurrenten Boeing und EADS über das Angebot des jeweils anderen informiert. Schuld sei ein "Schreibfehler" gewesen, hieß es in dazu in einer offiziellen Stellungnahme. Bereits vor drei Jahren waren die EADS und dessen damaliger US-Partner Northrop Grumman zunächst siegreich aus dem Bieterwettstreit hervorgegangen. Nach Protesten aus dem US-Kongress wurde der Auftrag damals aber neu ausgeschrieben.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zeigte sich enttäuscht über die Niederlage des EADS-Konzerns. "Natürlich wäre ein Zuschlag für EADS für uns eine gute Nachricht gewesen", erklärte der Minister. Die Bundesregierung sei der Auffassung, dass EADS ein sehr gutes Angebot abgegeben habe.
Brüderle ergänzte, er gehe davon aus, "dass die Entscheidung von EADS North America und seinen amerikanischen Partnern nun genau analysiert wird und dabei auch über mögliche weitere Schritte und Konsequenzen nachgedacht wird". Gegen die Entscheidung des Pentagons, den Auftrag an den Konkurrenten Boeing zu vergeben, sind Rechtsmittel möglich.
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