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30.01.11

Finanzplatz

Deutsche Bank holt 300 Risikomanager nach Berlin

Die Deutsche Bank baut ihr Engagement in Berlin deutlich aus: Nach Informationen von Morgenpost Online soll ein Expertenteam von zunächst 300 Risikomanagern künftig von Charlottenburg aus für den gesamten Deutsche-Bank-Konzern weltweit arbeiten.

© dpa/DPA
USA belangen Deutsche Bank für Steuersparmodelle
Die Deutsche Bank siedelt ein Expertenteam von zunächst 300 Risikomanagern in Berlin an

Es ist eine überraschend gute Nachricht für die chronisch schwache Finanzbranche in der Hauptstadt: Die Deutsche Bank siedelt nach Informationen von Morgenpost Online ein Expertenteam von zunächst 300 Risikomanagern in Berlin an. Rund 50 Stellen seien schon besetzt, heißt es in Konzern- und Belegschaftskreisen. Die Mathematiker, Wirtschaftswissenschaftler und Spezialisten anderer Disziplinen werden in Charlottenburg sitzen und für den gesamten Deutsche-Bank-Konzern weltweit arbeiten. In einigen Jahren könnte das neue "Zentrum für Risikomanagement", wie es im Konzern heißt, offenbar sogar auf bis zu 700 Mitarbeiter anwachsen. Ein Sprecher der Bank bestätigte auf Anfrage die Informationen.

Für die Hauptstadt ist das neue Team ein Coup, schließlich hätten diese Risikomanager praktisch überall auf der Welt angesiedelt werden können. Der zuständige Konzernvorstand Hugo Bänziger hat sich jedoch offensichtlich bewusst gegen große Finanzzentren wie Frankfurt, London oder New York entschieden, ebenso gegen Schwellenländer wie Indien, wo andere Investmentbanker gerne ordentlich qualifiziertes Personal zu günstigen Preisen suchen.

In Berlin wiederum sind Arbeitsplätze für hoch spezialisierte Finanzexperten bislang eher rar. Zwar haben die meisten großen deutschen und europäischen Banken ihre Dependancen in der Stadt. Doch dabei geht es meist einerseits um das lokale Geschäft in der Hauptstadtregion und andererseits um politische Kontakte. Auch die Deutsche Bank hat bereits rund 3700 Mitarbeiter vor Ort. Ein erheblicher Anteil entfällt jedoch allein auf die 2006 übernommene Berliner Bank, der Rest kümmert sich größtenteils um Privat- und Firmenkunden in der Region. Mitarbeiter, die für den gesamten Deutsche-Bank-Konzern von Bedeutung sind, sitzen normalerweise zumeist in Frankfurt oder London, zum Teil auch in New York.

Nun aber will Bänziger dem Vernehmen nach nicht nur neue Spezialisten in Berlin einstellen. Manche Fachleute, die heute schon im Konzern arbeiten, sollen sogar von der Themse oder dem Hudson River an die Spree umsiedeln. Gerade für Hochschulabsolventen und jüngere Banker sei Berlin inzwischen ein Magnet, der weit über Deutschland hinaus wirke, heißt es in Finanzkreisen. Die hohe Dichte von Künstlern und Kulturschaffenden mache die Stadt attraktiv. Ganz gelegen könnte der Deutschen Bank auch kommen, dass der Kampf um die besten Finanzexperten nicht annähernd so scharf ist wie in den großen Bankenmetropolen – das dämpft auch das Gehaltsniveau. Für den Lebensstandard der Mitarbeiter muss das kein Nachteil sein, schließlich liegen die Lebenshaltungskosten in Berlin weit unter dem Niveau von London oder New York.

Das Risikomanagement gehört zu den Bereichen, die innerhalb der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen haben – hatte die Finanzkrise der Branche doch auf schmerzhafte Weise aufgezeigt, wie schnell die Existenz eines Kreditinstituts auf dem Spiel steht, wenn es die mit Krediten oder Wertpapieren verbundenen Risiken nicht im Griff hat. Die Deutsche Bank hatte die Krise trotz zwischenzeitlicher Milliardenverluste vergleichsweise glimpflich und ohne Staatshilfen überstanden. Bänzigers Risikoexperten hätten erheblichen Anteil daran gehabt, dass die Bank rechtzeitig gegensteuern konnte, als sich der Zusammenbruch des US-Hypothekenmarkts ankündigte, heißt es in der Branche seit Längerem.

Das neue Team könnte nun ein Aushängeschild für die Bankbranche in der Hauptstadt werden. Denn Berlin hat zwar durchaus eine Tradition als Finanzplatz – so wurde auch die Deutsche Bank 1870 hier gegründet. Aber nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die geteilte Stadt immer mehr an Bedeutung für die Branche, was sich nach der Wiedervereinigung kaum änderte. Zumal die einst stolze Bankgesellschaft Berlin erst in Skandalen und dann in der faktischen Pleite versank und vom Senat mit Milliarden gestützt werden musste. Der Kern des Konzerns existiert zwar als Landesbank Berlin (LBB) bis heute. Die meisten der rund 6000 Mitarbeiter gehören jedoch faktisch zur angeschlossenen Sparkasse, nur in wenigen Geschäftsfeldern hat die Bank überregionale Bedeutung.

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