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15.11.10

Karriereplanung

Die wichtigsten Tipps für den Weg nach ganz oben

Karriere macht man nicht allein mit Fachwissen. Wichtiger sind politisches Geschick, Durchsetzungsvermögen und ein ganz besonderes Gespür.

pa

Psychologen sprechen vom "Napoleon-Effekt" und meinen damit Machthunger, Ehrgeiz und eine Neigung zu Mobbing, die sie häufig bei kleinen Männern beobachten. So, wie bei Napoleon Bonaparte. Der Kaiser der Franzosen maß nur 1,69 Meter.

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Wie macht man Karriere in einer größeren Organisation, etwa in einem Unternehmen oder einer Behörde? Die fachliche Kompetenz beeinflusst nur zum Teil den beruflichen Aufstieg. Der Schlüssel zum Erfolg liegt vielmehr in der Beherrschung der heimlichen Spielregeln der Karriere. Diese haben mit Politik im Büro zu tun, mit Macht und Einfluss, Abhängigkeiten und Interessen. Zwischenmenschliche Beziehungen und Machtkämpfe spielen eine entscheidende Rolle. Und fast alles läuft im Verborgenen ab, in einer unsichtbaren Welt. Sie existiert als zweite Dimension neben der sichtbaren Welt der Tatsachen, Entscheidungen und Ereignisse. Wer Karriere machen und seine Ziele erreichen will, muss also lernen, in politischen Kategorien zu denken, Sensibilität für die Machtverhältnisse und die politische Situation in seiner Organisation zu entwickeln und schließlich seine politischen Erkenntnisse in Taten umzusetzen.

Wider den Kräften der Beharrung

Menschen verfolgen mit ihrer Arbeit sachliche und persönliche Ziele. Die sachlichen haben sie sich selbst gesteckt oder sie wurden von Vorgesetzten vorgegeben. Die persönlichen ergeben sich aus ihren Interessen, zum Beispiel befördert zu werden. Um aufzusteigen muss man auf jeder hierarchischen Ebene erfolgreich arbeiten, das heißt seine sachlichen Ziele erreichen. Wer das schafft, gilt im Unternehmen als "Macher". Fachkompetenz spielt hier eine eher untergeordnete Rolle. Nicht wer die besten Analysen macht, wird erfolgreich, sondern wer etwas durchsetzt gegen die mächtigen Kräfte der Beharrung.

Wer aber Dinge durchsetzen will, ist darauf angewiesen, dass ihn andere Menschen unterstützen. Die Mitwirkung bedeutet konkret: Man muss einerseits seinen Chef dazu bewegen, den eigenen Vorschlägen zuzustimmen. Andererseits muss man Gleichgestellte dazu bringen, Entscheidungen umzusetzen.

Wer will, dass andere in seinem Sinne tätig werden, braucht zur Durchsetzung seines Willens Macht. Für den großen Soziologen Max Weber ist Macht "jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht." Für den Einsatz von Macht im betrieblichen Alltag gibt es unterschiedliche Methoden, etwa ein Verhalten zu belohnen, zu bestrafen oder dem anderen zu schmeicheln, um ihn zu etwas zu bewegen.

Machtausübung ist also nicht mit Zwang gleichzusetzen, sondern kann auch durch "sanftere" Methoden erfolgen.

Machtkampf oder Kompromiss

Dabei führt die Abhängigkeit von anderen immer wieder zur gleichen Ausgangslage: um ein persönliches oder sachliches Ziel zu erreichen, braucht man die Unterstützung eines anderen. Dieser verfolgt aber andere Ziele und will nicht folgen. Es kommt zum Konflikt, der nur auf zwei Arten beigelegt werden kann: Die Parteien finden einen Kompromiss oder ein Machtkampf entsteht, an dessen Ende sich der Mächtigere durchsetzt. Aber auch im Kompromiss wird dieser eher in der Lage sein, seine Interessen zur Geltung zu bringen.

Auch sachliche Konflikte sind Machtkämpfe. Da man Macht braucht, um die eigenen Ziele durchzusetzen, kann man jede Auseinandersetzung in einer Organisation als Machtkampf ansehen. Dies gilt auch, wenn es vordergründig um Sachthemen geht.

Neben der Position in der Hierarchie gibt es auch weniger leicht erkennbare Machtgrundlagen: Eine gute Beziehungen zu Vorgesetzten und Gleichgestellten oder sichtbare Erfolge und der daraus resultierende gute Ruf. Wer neu in ein Unternehmen eintritt, verfügt anfangs nur über die mit seinem Rang und seinem Fachwissen verbundene Macht. Er muss seinen Machtumfang erst schrittweise aufbauen.

Analysiert man die Grundlagen der Macht, so zeigt sich, dass die Machtgewinnung fast immer überfachliche Kompetenzen voraussetzt. Gemeint sind, vereinfacht gesagt, Fähigkeiten, zielgerichtet und gut mit anderen Menschen umzugehen. Menschenkenntnis, soziale Kompetenz, emotionale Intelligenz und Überzeugungskraft gehören dazu. Der Machtzuwachs durch die fachliche Qualifikation ist hingegen meist vergleichsweise gering.

Gute Beziehungen und Erfolge

Bei der Macht, die aus guten Beziehungen entsteht, ist der Zusammenhang mit überfachlichen Kompetenzen klar. Aber auch für sichtbare Erfolge sind – neben Fachkenntnissen – gute Beziehungen eine wichtige Voraussetzung. Die hierarchische Macht ist schließlich das Ergebnis von Beförderungen. Diese setzen entweder Erfolge voraus oder gute Beziehungen zu Vorgesetzten oder – im Regelfall – beides. Von zwei fachlich gleich qualifizierten Personen hat deswegen diejenige, die zusätzlich über überfachliche Kompetenzen verfügt, erheblich bessere Chancen, sich eine starke Machtbasis aufzubauen und aufzusteigen.

Jürgen Lürssen ist Professor für Marketing in Lüneburg und arbeitet als Autor ("So macht man Karriere" und "KnackenSie die Karrierenuss). Marc Oliver Opresnik ist Professor für Betriebswirtschaft an der FH Lübeck und Berater.Gemeinsam haben sie das Buch "Die heimlichen Spielregeln der Karriere – wie Sie die ungeschriebenen Gesetze am Arbeitsplatz für Ihren Erfolg nutzen" veröffentlicht.

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