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04.11.10

Jobsuche

Die Besten der Besten dank anonymer Bewerbungen

Eine Bewerbung ohne Namen und Foto erscheint auf den ersten Blick absurd. Sie bietet aber Jobsuchenden und auch Unternehmen große Vorteile.

© pa/chromorange
Anyonyme Bewerbung

Kein Namen, kein Gesicht, kein Alter. Anonyme Lebensläufe verhindern Diskriminierung und verschaffen etwa auch älteren oder ausländischen Bewerbern die Chance auf ein Vorstellungsgespräch, wie ein Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gezeigt hat. Sie haben aber auch entscheidende Vorteile für Unternehmen, sagt Markus Vodosek, Professor für Strategisches Management und Führung an der German Graduate School of Management and Law in Heilbronn.

Geeignete Bewerber werden übersehen

Arbeitgeber, Manager und Personalchefs fielen nämlich häufig einem sozialpsychologischen Phänomen zum Opfer, welches dazu führe, dass geeignete Bewerber übersehen werden. Zahlreiche Studien hätten gezeigt: Wir schätzen Personen, die sich aufgrund oberflächlicher Merkmale von uns unterscheiden, als minderwertiger ein und bevorzugen Menschen, deren Hautfarbe, Geschlecht, Alter, nationale, ethnische und kulturelle Abstammung der eigenen gleichen.

Logische Schlussfolgerung: Je mehr Hinweise auf solche Merkmale aus einer Bewerbung eliminiert werden, desto weniger können sie auf die Entscheidungsfindung in einem Einstellungsverfahren Einfluss nehmen. "Die Entscheidung", so Vodoesek "sollte sich nur darauf konzentrierten, in welchem Grad ein Bewerber über das Wissen, die Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügt, die eine bestimmte Stelle erfordert". Dies sei in erster Linie eine wirtschaftliche und eben keine moralische Entscheidung, wie das die Befürworter der anonymen Lebensläufe überwiegend darstellten. "Diskriminierung schadet nicht nur den Diskriminierten, sondern auch den Diskriminierenden."

Erfolgreiche Pilotversuche

So hätten bereits Procter & Gamble und L'Oreal, die internationalen Firmen, die sich an den Pilotversuchen der Bundesregierung beteiligen, die Vorteile der anonymen Bewerbung erkannt und würden aus unserer multikulturellen Gesellschaft die Bewerber rekrutieren, die für den Job am besten geeignet sind.

Auch volkswirtschaftlich macht der anonyme Lebenslauf Sinn: Die OECD hat festgestellt, dass ein abgeschlossenes Studium in Deutschland rund 50.000 Euro kostet, eine Summe, die überwiegend vom Steuerzahler getragen wird. "Im Bildungsbereich haben wir es geschafft, den Anteil der Frauen und Personen mit Migrationshintergrund erheblich zu erhöhen", erläutert Vodosek "Wenn wir diese Investition dann aber nicht nutzen, weil wir Bewerber, die anders sind als wir, schon zu Beginn eines Einstellungsverfahrens ausschließen, ist das Geld, volkswirtschaftlich gesehen, zum Fenster hinausgeworfen."

Tipps für das Bewerbungsgespräch
Wappnen Sie sich gegen schwierige Fragen im Bewerbungsgespräch, indem Sie sich überlegen, welche möglichen Schwachpunkte und Lücken Ihre Biographie haben könnte und legen Sie sich dafür entsprechende Antworten parat.
Beliebt bei Arbeitgebern sind Fragen nach den Stärken und Schwächen Ihrer Persönlichkeit. Seien Sie dabei aber auch ehrlich zu sich selbst. Halten Sie gedanklich jeweils ein Beispiel für einen beruflichen Erfolg und für den kreativen Umgang mit Misserfolgen bereit. All diese Antworten müssen schlüssig begründet sein.
Gehen Sie nicht übertrieben nervös ins Gespräch. Die erste Hürde haben Sie bereits geschafft, an Ihrer Person besteht Interesse. Sonst wären Sie gar nicht erst eingeladen worden.
Vermeiden Sie während der Bewerbungssituation jegliches schnippisches oder besserwisserisches Verhalten. Auch Ironie und witzige Antworten haben nichts in Bewerbungsgesprächen verloren.
Nehmen Sie jede Frage ernst. Tabu sind einsilbige und kurze Antworten. Jede Frage sollte mit mehreren erklärenden Sätzen beantwortet werden.
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