Jobsuche
Die Besten der Besten dank anonymer Bewerbungen
Eine Bewerbung ohne Namen und Foto erscheint auf den ersten Blick absurd. Sie bietet aber Jobsuchenden und auch Unternehmen große Vorteile.
Von Marie-Thérèse Nercessian
Kein Namen, kein Gesicht, kein Alter. Anonyme Lebensläufe verhindern Diskriminierung und verschaffen etwa auch älteren oder ausländischen Bewerbern die Chance auf ein Vorstellungsgespräch, wie ein Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gezeigt hat. Sie haben aber auch entscheidende Vorteile für Unternehmen, sagt Markus Vodosek, Professor für Strategisches Management und Führung an der German Graduate School of Management and Law in Heilbronn.
Geeignete Bewerber werden übersehen
Arbeitgeber, Manager und Personalchefs fielen nämlich häufig einem sozialpsychologischen Phänomen zum Opfer, welches dazu führe, dass geeignete Bewerber übersehen werden. Zahlreiche Studien hätten gezeigt: Wir schätzen Personen, die sich aufgrund oberflächlicher Merkmale von uns unterscheiden, als minderwertiger ein und bevorzugen Menschen, deren Hautfarbe, Geschlecht, Alter, nationale, ethnische und kulturelle Abstammung der eigenen gleichen.
Logische Schlussfolgerung: Je mehr Hinweise auf solche Merkmale aus einer Bewerbung eliminiert werden, desto weniger können sie auf die Entscheidungsfindung in einem Einstellungsverfahren Einfluss nehmen. "Die Entscheidung", so Vodoesek "sollte sich nur darauf konzentrierten, in welchem Grad ein Bewerber über das Wissen, die Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügt, die eine bestimmte Stelle erfordert". Dies sei in erster Linie eine wirtschaftliche und eben keine moralische Entscheidung, wie das die Befürworter der anonymen Lebensläufe überwiegend darstellten. "Diskriminierung schadet nicht nur den Diskriminierten, sondern auch den Diskriminierenden."
Erfolgreiche Pilotversuche
So hätten bereits Procter & Gamble und L'Oreal, die internationalen Firmen, die sich an den Pilotversuchen der Bundesregierung beteiligen, die Vorteile der anonymen Bewerbung erkannt und würden aus unserer multikulturellen Gesellschaft die Bewerber rekrutieren, die für den Job am besten geeignet sind.
Auch volkswirtschaftlich macht der anonyme Lebenslauf Sinn: Die OECD hat festgestellt, dass ein abgeschlossenes Studium in Deutschland rund 50.000 Euro kostet, eine Summe, die überwiegend vom Steuerzahler getragen wird. "Im Bildungsbereich haben wir es geschafft, den Anteil der Frauen und Personen mit Migrationshintergrund erheblich zu erhöhen", erläutert Vodosek "Wenn wir diese Investition dann aber nicht nutzen, weil wir Bewerber, die anders sind als wir, schon zu Beginn eines Einstellungsverfahrens ausschließen, ist das Geld, volkswirtschaftlich gesehen, zum Fenster hinausgeworfen."
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