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25.09.10

Innovative Ideen

Konzerne kaufen sich bei Berliner Start-ups ein

Ritter Sport und Tengelmann sind auf Einkaufstour in Berlin: Der Schokoladen-Gigant steigt bei dem Start-up Chocri aus Lichtenberg ein, Tengelmann investiert in Zalando und Brands4Friends.

© picture-alliance/ dpa
Schokolade auf Bestellung
Ein Mitarbeiter des Berliner Start-up Chocri belegt eine noch flüssige Tafel Schokolade mit Chilischoten

Speck, Mangowürfel, Hanfblätter – und das mit Schokolade: Mehr als zehn Milliarden Möglichkeiten aus 100 Zutaten bietet das Berliner Unternehmen Chocri, bei dem sich der Kunde seine Lieblingsschokolade über das Internet zusammenstellen und nach Hause liefern lassen kann. Hinter der Idee stecken zwei Berliner, die Chocri vor zwei Jahren auf einem Gründerwettbewerb vorstellten und inzwischen Online-Shops in Deutschland, den USA und Großbritannien betreiben. Jetzt ist ein längst etabliertes Traditionsunternehmen auf das Start-Up aufmerksam geworden: Ritter Sport kaufte sich kürzlich zu einem Drittel ins Unternehmen ein. Ähnlich ging es anderen erfolgreichen Berliner Internethändlern.

Ritter Sport kauft damit in einer Zeit zu, in der innovative Ideen vergleichsweise billig zu haben sind. Der Wettbewerb um die Gründer ist nicht sonderlich groß, weil die klassischen Firmenjäger Größeres vor haben: Finanzinvestoren, die für gewöhnlich das Übernahmegeschäft treiben, schlucken lieber größere Unternehmen als in Fünf- oder Zehn-Mann-Betriebe mit einer ungewöhnlichen Idee zu investieren, wie Christopher Kummer, Präsident des Institutes für Mergers & Aquisitions an der Webster Universität in Wien, sagt.

Deshalb haben etablierte Unternehmen, die sich neue Ideen einkaufen wollen, leichtes Spiel. Die Supermarktkette Tengelmann nutzte Ende August die günstigen Bedingungen und kaufte sich bei Online-Händlern wie dem Schuhkaufhaus Zalando oder Brands4Friends ein, beides Berliner Unternehmen und beide stark wachsend. Rund 100 Millionen Euro gab Tengelmann aus, vergleichsweise wenig für die erfolgreichen Internetläden.

Wachsendes Übernahmeinteresse

Auch ausländische Firmen interessieren sich für den günstigen Ideenimport: Der US-Handyhersteller Motorola kaufte das 2007 gegründete Münchener Unternehmen Aloqa, das ein Serviceprogramm für internetfähige Mobiltelefone anbietet. Es zeigt Restaurant- und andere Daten zum jeweiligen Standort des Telefonbesitzers und ermöglicht zum Beispiel, einen Tisch im Restaurant zu reservieren.

Kummer rechnet damit, dass dieses Jahr 150 deutsche Firmen und Firmen mit deutscher Beteiligung im Bereich der Konsumgüter übernommen werden. Eine Studie seines Instituts rechnet mit insgesamt knapp 1150 Übernahmen, leicht mehr als 2009.

Mit dem Geld von Ritter-Sport will der Schokoladenhersteller Chocri nun wachsen: "Wir können unsere Produktionskapazitäten ausweiten, mehr Marketing betreiben und weitere Mitarbeiter einstellen", sagt Franz Duge, einer der beiden Gründer des Unternehmens. Die personalisierte Schokolade wird im Berliner Stadtteil Lichtenberg hergestellt, die Produktionsfläche soll mindestens verdoppelt werden. Das gilt auch die für die Zahl der Mitarbeiter: Zu den derzeit rund 30 sollen noch 20 bis 30 hinzukommen.

Ritter Sport wurde beim Gründerpreis der "Wirtschaftswoche" auf das Unternehmen aufmerksam, Geschäftsführer Alfred Ritter war begeistert. Mit dem Kauf erschließt die Traditionsmarke aus Waldenbuch in der Nähe von Stuttgart eine neue Form des Schokoladenvertriebs. Das ist möglicherweise einfacher, als einen eigenen Online-Laden zu eröffnen.

Bei Ritter Sport ist es eher eine Ergänzung, denn der Ansatz, nach dem Chocri funktioniert, kommt seit kurzem auch im Flagship-Store an der Französischen Straße in Berlin zum Einsatz. Dort können sich die Kunden Schokolade nach ihren Wünschen herstellen lassen. Die Ritter-Sport-Internetseite bietet daneben eine Funktion, mit der der Kunde Fotos auf seine Ritter-Sport-Packung drucken lassen kann. Individuell zusammengestellte Ritter-Sport-Tafeln soll es über Chocri nicht geben. "Chocri bleibt Chocri, und Ritter Sport bleibt Ritter Sport", hieß es.

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