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21.09.10

Berufseinstieg

Praxiswissen ist Trumpf im Kampf um den ersten Job

Ein akademischer Abschluss ist noch keine Jobgarantie. Wer sich auf seine erste Stelle bewirbt, muss sich gut verkaufen können.

© pa/beyond
Berufserfahrung ist entscheidend bei der Jobsuche

Zwischen Hörsaal und Büro liegen oft Welten. Beim Berufseinstieg heißt es für Akademiker daher umschalten: Denn allein mit ihrem Abschluss und Fachwissen können Bewerber nur selten punkten, wenn es um die erste Stelle nach dem Studium geht. Sie müssen vielmehr zeigen, dass sie in der Praxis etwas taugen. Dabei geht es darum, sich gut zu verkaufen. Denn die Krise hat es auch für gut ausgebildete Bewerber schwieriger gemacht, einen Job zu finden. Um Arbeitgeber von sich zu überzeugen, reichen gute Noten und theoretische Kenntnisse in der Regel nicht. Praxiswissen sei Trumpf, sagt Lothar Dröge von der Arbeitsagentur Aachen.

Wichtig seien Praktika und Berufserfahrung. Geisteswissenschaftler und Quereinsteiger haben es in der Regel schwerer, den beruflichen Nutzen ihres Studiums herauszustellen. Vielen sei aber gar nicht bewusst, was sie im Studium alles für die Berufswelt gelernt haben, hat Dröge beobachtet. Germanistik etwa habe viel mit Kommunikation zu tun – das sei auch im Job wichtig. Und wer in der Fachschaft Verantwortung übernommen hat, kann damit soziale Kompetenzen belegen.

Solche "Soft Skills" sind heute überall gefragt – denn niemand will einen "Fachidioten". Auch ein Informatiker muss zeigen, dass er technische Lösungen einem Normalsterblichen erklären kann. Wenn er als Tutor tätig war, kann das ein entscheidender Pluspunkt sein. "Bewerber sollten sich in den Arbeitgeber hineinversetzen und überlegen, was aus seiner Sicht attraktiv ist und was eher stören könnte", sagt die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München. In der schriftlichen Bewerbung gehe es dann darum, die eigenen Vorzüge zu betonen. Vollständigkeit muss dagegen nicht sein. Absolventen sollten sich Leitner zufolge immer fragen: Ist dies eine Information, die mir zu einem Vorstellungsgespräch verhilft? Dann gehöre sie in die Bewerbung. Dass sie das Fach gewechselt haben und der Abschluss erst im zweiten Versuch geklappt hat, bleibe dagegen besser unerwähnt, wenn Bewerber fürchten, deshalb aussortiert zu werden.

Gute Antworten gefragt

Generell gehöre auch der Titel der Abschlussarbeit in den Lebenslauf, ergänzt Dröge. Das sei aber nur dann sinnvoll, wenn er beruflich etwas zu sagen hat. "Wenn ich über die Geschichte der römischen Säulen geschrieben habe und mich in der PR bewerbe, bringt das natürlich nichts." Absolventen müssen sich auf Nachfragen im Vorstellungsgespräch gefasst machen, wenn in der Bewerbung etwas erklärungsbedürftig bleibt. Auf die Frage "Warum hat Ihr Studium so lange gedauert?" legten sie sich also besser eine gute Antwort zurecht, rät Dröge.

Auch Spezialfächer sind oft erklärungsbedürftig. Neuartige Wirtschaftsfächer wie International Economics oder Global Management sagen nicht jedem etwas. In zehn Jahren seien solche Anglizismen womöglich selbstverständlich, so Dröge. "Aber noch sind wir in einer Übergangsphase."

Jobversicherung Studium

Ein Hochschulabschluss ist immer noch die Eintrittskarte für viele Stellen – er verschafft Absolventen aber nicht automatisch einen guten Job. So finden längst nicht alle Absolventen beim Berufsstart eine angemessene Stelle, wie das Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover ermittelt hat: Jeder siebte FH-Abgänger (14 Prozent) und jeder achte Uni-Absolvent (13 Prozent) ist demnach ein Jahr nach dem Abschluss inadäquat beschäftigt. Dabei bleibt es zum Glück aber nicht: Zehn Jahre nach dem Abschluss liegen die Werte bereits deutlich niedriger. Vor allem in den klassischen Professionen wie Jura, Medizin oder den Ingenieurswissenschaften gelte weiter der Satz: 'Ein Studium ist die beste Jobversicherung."

www.dpaq.de/bewerbungstrainer

Tipps für das Bewerbungsgespräch
Wappnen Sie sich gegen schwierige Fragen im Bewerbungsgespräch, indem Sie sich überlegen, welche möglichen Schwachpunkte und Lücken Ihre Biographie haben könnte und legen Sie sich dafür entsprechende Antworten parat.
Beliebt bei Arbeitgebern sind Fragen nach den Stärken und Schwächen Ihrer Persönlichkeit. Seien Sie dabei aber auch ehrlich zu sich selbst. Halten Sie gedanklich jeweils ein Beispiel für einen beruflichen Erfolg und für den kreativen Umgang mit Misserfolgen bereit. All diese Antworten müssen schlüssig begründet sein.
Gehen Sie nicht übertrieben nervös ins Gespräch. Die erste Hürde haben Sie bereits geschafft, an Ihrer Person besteht Interesse. Sonst wären Sie gar nicht erst eingeladen worden.
Vermeiden Sie während der Bewerbungssituation jegliches schnippisches oder besserwisserisches Verhalten. Auch Ironie und witzige Antworten haben nichts in Bewerbungsgesprächen verloren.
Nehmen Sie jede Frage ernst. Tabu sind einsilbige und kurze Antworten. Jede Frage sollte mit mehreren erklärenden Sätzen beantwortet werden.
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