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14.09.10

Arzneiverordnungsreport

Pharmafirmen sahnen in Deutschland kräftig ab

In Deutschland sind viele Medikamente teils 100 Prozent teurer als im Ausland. Die Kosten für die Krankenkassen steigen ungebremst.

© dpa
Teure Medikamte: Die Kosten für Arzneimittel in Deutschland sind deutlich angestiegen
Teure Medikamte: Die Kosten für Arzneimittel in Deutschland sind deutlich angestiegen

Trotz der Spargesetze sind die Ausgaben für Arzneimittel weiter angestiegen. Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr 4,8 Prozent mehr Geld für Medikamente ausgegeben – insgesamt 32,4 Milliarden Euro. Dies geht aus einem Arzneiverordnungsreport hervor, der in Berlin vorgestellt wurde. Der Trend setzt sich demnach auch in diesem Jahr fort – mit einem Ausgabenplus von 4,6 Prozent im ersten Halbjahr 2010.

Als Preistreiber gelten nach wie vor die patentgeschützten innovativen Arzneimittel, wie die Herausgeber des Reports, der Pharmakologe Ulrich Schwabe und der Chef der AOK Schlewig-Holstein, Dieter Paffrath, erklärten. Dazu gehören unter anderem Asthmamittel, Immuntherapeutika oder Tumortherapeutika, die für 80 Prozent des Kostenanstiegs bei sogenannten Fertigarzneimitteln verantwortlich seien.

Nach Angaben der Herausgeber könnten 9,4 Milliarden Euro im Jahr gespart werden. In Deutschland sind laut dem Report patentgeschützte Arzneimittel und Nachahmer-Medikamente (Generika) 50 bis 100 Prozent teurer als in anderen europäischen Ländern. Laut Paffrath könnten allein knapp 4,1 Milliarden Euro eingespart werden, wenn konsequent preiswerte Generika verordnet und auf teure patentgeschützte Analogpräparate und Arzneimittel mit umstrittener Wirksamkeit verzichtet würde.Deutschland ist neben Dänemark und Malta in Europa das einzige Land, in dem pharmazeutische Unternehmen die Preise für patentgeschützte Arzneimittel selbst festlegen können.

Dem will die schwarz-gelbe Koalition mit der geplanten Gesundheitsreform einen Riegel vorschieben. Künftig sollen die Kassen nach einer schnellen Nutzenbewertung die Preise für innovative Medikamente mit den Herstellern aushandeln. Preissubventionen für die Pharmaindustrie seien "weder ökonomisch noch gesundheitspolitisch vertretbar", so Schwabe. Seit 1993, so steht es im Report, seien die Umsätze der Patent-Arzneimittel von 1,6 auf 13,2 Milliarden Euro angestiegen. Vor drei Jahren seien zwar erstmals Höchstbeträge für diese teuren Mittel eingeführt worden. Doch geändert habe sich nichts.

Neben dem Arzneimittelbereich gibt es dem Report zufolge auch in den anderen großen Leistungsbereichen der Kassen Ausgabenzuwächse. So stiegen die Krankenhauskosten im vergangenen Jahr um 6,8 Prozent auf 56,4 Milliarden Euro und die Ausgaben für ärztliche Behandlungen um sieben Prozent auf 30,6 Milliarden Euro. Damit hat sich der Anteil der Arzneimittel an den Leistungsausgaben der GKV zwar geringfügig auf um 0,2 Prozentpunkte auf 19 Prozent verringert. Dennoch liegen die Arzneimittelkosten weiterhin höher als die ärztlichen Behandlungskosten. Insgesamt gaben die Kassen 170,8 Milliarden Euro für Leistungen aus, zehn Milliarden Euro mehr als 2008.

Quelle: AFP/dpa/jeb
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