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10.09.10

AOK-Arztnavigator

Patienten sollen künftig ihre Ärzte bewerten

Die AOK lässt die Leistung der Ärzte durch ihre Patienten bewerten und stellt das Ergebnis ins Netz. Ärzte fürchten digitalen Pranger.

© dpa
AOK lässt die Leistung der Ärzte durch ihre Patienten bewerten

Patienten in Deutschland sollen bei der Arztsuche vom nächsten Jahr an bundesweit auf Versicherten-Bewertungen im Internet zurückgreifen können. Dazu lässt die AOK die niedergelassenen Ärzte durch ihre Versicherten beurteilen. Kommen pro Haus- oder Facharzt zehn Bewertungen zusammen, werden die Ergebnisse im AOK-Arztnavigator veröffentlicht, teilte der Vizevorsitzende des AOK-Bundesverbands Jürgen Graalmann bei einer AOK- Veranstaltung in Neuruppin mit.

Die Ergebnisse sind für alle im Internet frei zugänglich. "Die Patienten werden keine Möglichkeit haben, Schmähkritik abzugeben", versicherte Graalmann. Vielmehr können sie sich durch einen Bogen mit 33 Fragen klicken – nach Wartezeiten, Praxis-Organisation und eine ausreichende Information der Patienten durch ihre Ärzte. "Mit dem Arztnavigator wollen wir unseren Versicherten eine qualitativ hochwertige Orienteierungshilfe bei der Suche nach dem passenden Arzt zur Verfügung stellen", unterstrich der AOK-Vize. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Patienten bei der Arztsuche eine solche Hilfestellung durch methodisch fundierte Informationen wünschen.

Bereits seit Juni können die AOK-Versicherten in Berlin, Hamburg und Thüringen die Internet-Bewertung vornehmen. Geplant sei, dies Anfang 2011 bundesweit auszuweiten. Alle rund 24 Millionen AOK-Versicherten können dann angeben, ob ihr Arzt Diagnosen, Ursachen und Behandlungsmethoden verständlich erklärt. Auch die Organisation, Atmosphäre und Diskretion in der Praxis sind Gegenstand des Fragebogens. Abschließend werden die AOK-Versicherten gefragt, ob sie den Arzt ihrem besten Freund weiterempfehlen würden.

Bereits vor einem Jahr war der Navigator angekündigt worden und hatte in der Ärzteschaft heftigen Protest ausgelöst. Ärzte-Organisationen befürchteten einen "digitalen Pranger" und ein missbrauchsanfälliges System. Über gute Medizin könne man nicht abstimmen wie bei Deutschland sucht den Superstar, kritisierten damals Ärzte-Vertreter.

Graalmann räumte nun ein, im vergangenen Jahr habe es in der Ärzteschaft eine "große Skepsis" gegeben. Doch die Befürchtungen der Ärzte, von der AOK an einen digitalen Pranger gestellt zu werden, seien zu keiner Zeit begründet gewesen. Nun seien die Ärzte ebenso eingebunden wie Datenschützer, sagte der AOK-Vizechef. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) unterstütze das Portal sogar. Die Ärzte könnten die Befragung der Patienten für ihr "internes Qualitätsmanagement" nutzen, sagte Graalmann weiter. Dies sei seit Jahresbeginn für jede Praxis vorgeschrieben. Freitextfelder seien nicht mehr vorgesehen. Auch eine Gesamtnote soll nicht vergeben werden. Zudem könnten die Ärzte die Bewertung kommentieren oder gar ganz sperren lassen.

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