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31.08.10

Umzug

Mercedes-Vertrieb bleibt in Berlin

Der Daimler-Wegzug aus Berlin ist vom Tisch. 1200 Mitarbeiter des Vertriebs bleiben in der Stadt, wahrscheinlich aber nicht am Potsdamer Platz. Die Suche nach einem neuen Quartier läuft.

© Getty Images Europe
Der Daimler-Wegzug aus Berlin ist vom Tisch. 1200 Mitarbeiter des Vertriebs bleiben in der Stadt, wahrscheinlich aber nicht am Potsdamer Platz. Die Suche nach einem neuen Quartier läuft.

Den rund 1200 Mitarbeitern des Mercedes-Vertriebs am Potsdamer Platz bleibt ein Umzug nach Stuttgart erspart. "Wir haben einen Vorvertrag mit dem Unternehmen unterschrieben. Damit steht fest: Wir bleiben in der Region Berlin-Brandenburg", sagt Betriebsratschef Reinhard Feider. In den nächsten Wochen soll eine Betriebsvereinbarung erarbeitet und unterzeichnet werden. Völlig offen ist aber, ob die Mitarbeiter des Autokonzerns am Potsdamer Platz bleiben. "Was den Standort betrifft, prüfen wir alle Optionen", sagt Sprecherin Konstanze Fiola.

Daimler will sparen und sieht in der Hauptstadt viel Potenzial. Zum einen sind dem Konzern die Mieten am Potsdamer Platz zu hoch, zum anderen die Personalkosten. Für die Berliner Mitarbeiter gilt der Tarifvertrag des Landes Baden-Württemberg mit 35-Stunden-Woche. Im Ostteil der Stadt oder in Brandenburg gilt hingegen der Metall-Tarifvertrag für Berlin und die Ost-Länder und damit die 38-Stunden-Woche. Um ein Entgegenkommen der Belegschaft zu erwirken, hatte die Konzernzentrale mit einem Umzug des Vertriebs nach Stuttgart gedroht.

Drohkulisse abgebaut

Diese Drohkulisse wurde nun abgebaut. Ein Umzug steht nicht mehr zur Debatte. Gesucht wird noch ein Standort für die Zeit nach 2012. Bis Ende jenes Jahres läuft der Mietvertrag am Potsdamer Platz. Derzeit sichten die Manager Angebote von Maklern. Offiziell ist auch der Potsdamer Platz noch im Rennen, doch die Chancen sind gering. "Die Büroräume sind nicht optimal, und die gesamte Belegschaft ist über drei Häuser verteilt", sagte Feider. Ebenso unwahrscheinlich ist ein Umzug ins Berliner Umland. Man wolle durchaus repräsentabel in der Hauptstadt sein. Bestenfalls Schönefeld am neuen Hauptstadtflughafen oder der Europarc in Dreilinden käme infrage. Diese beiden Standorte werden jedenfalls geprüft.

Von der Höhe der künftigen Miete hängt es auch ab, wie viel Verzicht die Mitarbeiter leisten müssen. Vereinfacht lautet die Rechnung folgendermaßen: Findet sich ein günstiges Mietobjekt im Westteil, dann erzielt der Vertrieb seine Einsparungen über die Immobilie, und die Mitarbeiter werden weiterhin nach dem Tarifvertrag Baden-Württemberg entlohnt. Wird es dagegen ein teureres Objekt im Osten, muss die Belegschaft Opfer bringen. "Ich hoffe natürlich, dass wir im Westen bleiben", sagte Feider.

Bei der Standortwahl spielt aber noch eine andere Frage eine Rolle. Möglicherweise ziehen die Vertriebsleute mit den Kollegen der Finanztochter Daimler Financial Services (DFS) in ein Gebäude. Deren 400 Mitarbeiter sitzen derzeit auch noch am Potsdamer Platz. Aber die Finanzsparte des Autokonzerns wird kräftig umgebaut. 50 Millionen Euro will das Unternehmen dadurch einsparen. DFS wird mit der Mercedes-Bank zusammengelegt werden. Dafür müssen 300 Mitarbeiter aus der Hauptstadt nach Stuttgart ziehen. Im Gegenzug richtet die Mercedes-Benz-Bank in Berlin ein neues Servicezentrum mit 550 Mitarbeitern ein. Diese sollen beispielsweise Kreditanträge von Mercedes-Käufern prüfen.

Unter dem Strich ist das ein Zugewinn von 150 Arbeitsplätzen in Berlin. Doch die neue Gesellschaft soll nach Vorstellung des Konzerns ohne Tarifbindung agieren. Das bedeutet für die Mitarbeiter weniger Geld bei längeren Arbeitszeiten. Der Widerstand dagegen ist enorm. In Berlin protestieren die Beschäftigten seit Monaten jeden Mittwoch auf dem Potsdamer Platz. Der Betriebsrat drohte sogar mit einer Klage gegen die Pläne.

Gutachten für Finanztochter

Mittlerweile haben sich die Wogen etwas geglättet. Die Arbeitnehmer haben nun ihrerseits das gewerkschaftsnahe Forschungsinstitut IMU beauftragt. Die Forscher sollen ein Alternativkonzept zu den Plänen des Unternehmens erstellen. Am 17.September soll es dem Vorstand vorgelegt werden. Es gibt die Zusage des Unternehmens, dass die Vorschläge mit einfließen sollen.

Trotzdem bleibt ein Graben zwischen den Vorstellungen des Managements und der Belegschaftsvertreter. Diese wollen unter allen Umständen die Tarifbindung erhalten und lehnen einen Umzug der DFS-Zentrale nach Stuttgart ab.

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