Eurozone
Moderate Inflation – Kein Zinsdruck für EZB
Die EZB kann sich entspannt zurücklehnen. Angesichts eines mäßigen Preisanstiegs im Euroraum muss die Zentralbank die Zinsen nicht ändern.
Beispiel Äpfel: In Europa droht die schlechteste Ernte seit zehn Jahren.
Die Preise in der Eurozone sind im August langsamer gestiegen als im Vormonat. Fachleute gehen deshalb weiter davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Inflation vorerst nicht an der Zinsschraube drehen muss. Die Verbraucherpreise zogen wie von Experten erwartet durchschnittlich um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Im Juli betrug die Inflationsrate 1,7 Prozent. Damit herrscht nach Definition der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter Preisstabilität.
"Der schwache Preisauftrieb gibt der EZB Spielraum, die Zinsen bis auf weiteres unverändert zu lassen", sagte Christoph Weil von der Commerzbank. Der Schlüsselzins liegt auf dem Rekordtief von einem Prozent. Preisstabilität sieht die EZB mittelfristig bei Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. In Deutschland liegt die Inflationsrate für den europäischen Vergleich mit 0,9 Prozent noch deutlicher unter dieser Schwelle.
"Auf Sicht der kommenden ein bis zwei Jahre wird Inflation kein Thema sein", prognostiziert Commerzbanker Weil. Die Löhne würden 2010 und wohl auch noch 2011 europaweit nur moderat steigen. "Die hohe Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen Sorgen um die Arbeitsplätze werden die Arbeitnehmer dazu bewegen, weiterhin Lohnzurückhaltung zu üben." Auch Martin van Vliet von Global Economics geht davon aus, dass der Preisdruck für die 16 Euroländer mittelfristig gedämpft bleibt.
Deshalb gebe es wenig Anlass für die EZB, ihre geldpolitischen Zügel anzuziehen. "Wir erwarten, dass EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bei seiner Pressekonferenz am Donnerstag leise Töne anschlägt." Die Frankfurter Währungshüter entscheiden dann erneut über ihre Geldpolitik. Zinserhöhungen stehen nach Einschätzung der Finanzmärkte aber noch lange nicht auf der Agenda. Experten gehen vielmehr davon aus, dass die Notenbanker ihre umfassende Liquiditätsversorgung für das Finanzsystem verlängern.
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