06.08.10

Grossbritannien

Finanzminister Osborne steckt in einer Zwickmühle

Foto: AFP
Osborne

London – Die Kreditpolitik der Banken, vor allem der angelsächsischen, wird weithin als der eigentliche Grund angesehen, warum die Finanzkrise über die Welt gekommen ist.

Der Kunde ging mittags zu seinem Bankberater und kam nachmittags als stolzer Hausbesitzer zurück.

So ging es mit Kreditwünschen allgemein: Die Risikoabschätzung war oberflächlich, Geld wurde bereitgestellt, ohne die Kreditwürdigkeit des Kunden richtig zu prüfen.

Als diese leichtsinnige Usance einbrach, gerieten etliche Banken mit zu vielen schwarzen Schafen in ihren Büchern in Existenznot.

Der britische Staat musste Milliarden-Beträge, mehr als in Deutschland, vorstrecken, um die betreffenden Banken vor dem Aus zu retten. Lloyds Bank gehört zu 67 Prozent dem Steuerzahler, Royal Bank of Scotland zu 85 Prozent.

Und was hören wir jetzt? Die britischen Banken melden für das erste Halbjahr 2010 satte Profite, sie sind auf dem besten Erholungsweg, der Fiskus kann sich freuen: Geld beginnt, in die Staats- sprich Steuerkasse zurück zu fließen.

Die Banken haben eben umgelernt und leihen Geld nur noch nach genauer Prüfung – ob an Unternehmen oder an Einzelne. Hätten sie das doch immer getan!

Nun aber moniert die Regierung, moniert die Geschäftswelt: Ihr verleiht zu wenig, ihr würgt den Aufschwung ab, ihr müsst vor allem mittelständischen Unternehmen mehr Kredite zur Verfügung stellen, die Wirtschaft verdurstet.

Man kann aber den Kuchen nicht essen und ihn behalten. Entweder die Banken bleiben bei verantwortlichen Praktiken, verbessern ihre Kapitaldecke und verleihen nur bei sorgfältiger Risikoabwägung – oder sie kehren zu ihrer alten, leichtsinnigen Art zurück.

Der Staat kann nicht einerseits größere Kreditsorgfalt verlangen und dann den Banken, die sich daran haltern, vorwerfen, sie behinderten das Wachstum. Aber natürlich gilt auch: Die Wirtschaft braucht, soll sie wachsen, Kredit.

Wissen Sie einen Ausweg aus der Zwickmühle? Dann rufen Sie bitte Schatzkanzler Osborne an. Der würde sich sehr freuen.

Thomas Kielinger

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