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03.08.10

Hochgeschwindigkeit

China macht dem ICE Konkurrenz

Peking hat eigene Hochgeschwindigkeitszüge entwickelt und will sie exportieren. Sie sind schneller als der ICE.

© picture alliance/Photoshot
Hochgeschwindigkeitszug zwischen Shanghai und Nanjing

Chinas Eisenbahnministerium eilt allen Konkurrenten davon. Die größte Behörde der Welt, für die mit angeschlossenen Ingenieur- und Baufirmen drei Millionen Menschen arbeiten, experimentiert mit Tempo 380 Kilometer pro Stunde. So schnell sollen künftig chinesische Hochgeschwindigkeitszüge, die auf Plattformen von deutscher, französischer und japanischer Technologie weiterentwickelt wurden, auf einer 1302 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Peking und Shanghai hin- und hersausen.

Am 19. Juli wurde für die neue Trasse nach zwei Jahren Vorarbeit das erste Gleis verlegt. Eine halbe Million Arbeiter sorgen dafür, dass Ende des Jahres der Schienenweg fertig verlegt ist. Ab 2012 sollen dann die Bahnen im Fünf-Minutentakt bis zu 220.000 Passagiere pro Tag befördern und die Fahrtzeit trotz Zwischenstopps an 21 Bahnhöfen auf nur noch fünf Stunden verkürzen. Bahn-Chefingenieur He Huawu nannte auf einer Pressekonferenz des Ministeriums die künftigen Bahnreisen mit einer Betriebsgeschwindigkeit von 350 Kilometern pro Stunde "Flüge über den Boden."

Mit der 220,9 Milliarden Yuan (rund 28 Milliarden Euro) teuren Strecke stellt Peking seinen eigenen Rekord ein, über die schnellsten und längsten Hochgeschwindigkeitsbahnen der Welt zu verfügen. Im vergangenen Dezember hatte es erst die über 1000 Kilometer lange Trasse Wuhan nach Kanton in Betrieb nehmen lassen, die mit Tempo 350 die Fahrtzeit auf drei Stunden verkürzt.

Die neue, noch schnellere Strecke Peking-Shanghai wird auch ein fachkundiges Publikum beeindrucken: 1500 Bahnexperten treffen sich vom 7. bis 9. Dezember zur "Weltkonferenz Hochgeschwindigkeitsbahnen" in der Hauptstadt. Das von der Internationalen Eisenbahnunion (UIC) initiierte Treffen findet zum ersten Mal außerhalb Europas statt, sagte Bahn-Planungschef Zheng Jian: "Von jetzt an führt Spätstarter China alle an."

Peking will seine Hochgeschwindigkeitszüge auch weltweit vermarkten. "Die Technologie der Hochgeschwindigkeitsbahnen ist gemeinsamer Reichtum der menschlichen Zivilisation", heißt es in einer Erklärung des Bahnministeriums. Es gibt die Gründung von neun bilateralen chinesisch-ausländischen Projektgruppen bekannt (China-USA, China-Russland, China-Brasilien bis China-Indien). Nach Ministeriumsauskunft bauten chinesische Unternehmen schon an einer 470 Kilometer Strecke in Venezuela, verhandelten "aussichtsreich" mit Saudi-Arabien, "machten große Fortschritte" bei Projekten für USA, Russland und Brasilien.

Chefingenieur He Huawu wies Vorwürfe zurück, dass Chinas Züge Kopien von ICE, TGV oder Shinkansen seien. Die aus dem Ausland ursprünglich erworbenen Bahnsysteme hätten China als Plattformen gedient. Von ihnen aus seien neue Technologien "innovativ" zu eigenständigen Systemlösungen weiterentwickelt worden.

Die "Weltbank" spricht in einem Bericht vom "größten Bahninvestitionsprogramm, das von einem einzelnen Land unternommen wurde." Sie warnt angesichts der Kosten, dass sich nur wenige Hochgeschwindigkeitsstrecken rechnen. Zwei Jahre, nachdem China 2008 seine erste Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen Peking und Tianjin in Betrieb nahm, verfügt es heute über elf Hochgeschwindigkeitsstrecken mit 6920 Kilometern Länge. Sechs Millionen Menschen wurden dabei beschäftigt. Bis 2012 will Peking weitere 800 Milliarden Yuan ausgeben, um das Bahnnetz von 90.000 Kilometer auf über 110.000 Kilometer auszudehnen und sein Hochgeschwindigkeitsnetz auf über 13.000 Kilometer zu erweitern. Eisenbahnplaner Zheng Jian: "Wir kommen in die Erntezeit."

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