"Geotagging"
Neue Internet-Dienste orten Ihren Standort
Mittwoch, 11. August 2010 11:40 - Von Thomas SchörnerImmer wissen, wo sich die Freunde aufhalten: Über neue Onlinedienste kann man Inhalte mit Ortsangaben verknüpfen. Das birgt Risiken.
"Heute Abend geht's ins Kino" oder "Freue mich schon auf die leckere Mykonos-Platte beim Griechen" - in sozialen Netzwerken zwitschern mitteilungsfreudige Nutzer um die Wette. Der neueste Hype: ortsbasierte Onlinedienste, sogenannte Location Based Services, bei denen Inhalte mit einer Ortsangabe verknüpft werden.
"Geotagging gilt als das Trend-Feature im Social Web", erklärt Jan Krömer, Redakteur beim "Social Media Magazin" in Köln. "Dementsprechend entstehen fast täglich neue Dienste." Damit erhalten Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder StudiVZ durch Neulinge wie Foursquare , Gowalla oder Friendticker mit ihren Geo-Tagging-Funktionen Konkurrenz. "Besonders beliebt ist der Service Foursquare: eine Mischung aus Social Community, Stadtbesichtigung und Freundefinder", sagt Christine Faßnacht vom IT-Verband Bitkom. Bereits mehr als eine Million Nutzer haben sich seit der Gründung im März 2009 angemeldet. Zum Vergleich: Twitter benötigte zwei Jahre, für die gleiche Mitgliederzahl.
In Deutschland entstehen mit Qiro und Friendticker ähnlich konzipierte Angebote. Bei Diensten wie Foursquare können die Nutzer Orte empfehlen oder Treffen verabreden. Oder ganz banal: Man kann einfach gucken, wo die eigenen Freunde gerade sind.
Bei Foursquare oder Gowalla muss der Nutzer mit einem Smartphone aktiv seinen Standort publik machen. Mit Hilfe einer Handy-App oder über eine mobile Website wird der Aufenthaltsort an die Community übermittelt und ist dann auf einer Karte sichtbar.
Das Besondere liegt laut Krömer in den Features: "Zusätzlich können Anwender Meinungen oder zusätzliche Informationen hinterlassen, wie zum Beispiel zu einer Kneipe oder einem Museum."
Wem das ständige Einchecken zu umständlich ist, kann auf weitere Angebote ausweichen. "Andere Netzwerke aktualisieren den Standort der User automatisch, indem sie auf GPS-Daten des mobilen Endgeräts zurückgreifen", erläutert Experte Krömer. Google Latitude verwendet zum Beispiel dieses Verfahren.
Gespannt wartet die Konkurrenz auf das von Marktführer Facebook angekündigte Lokalisierungsfeature. Bislang hält sich der mit fast einer halbe Milliarde Mitgliedern weltweit größte Community-Anbieter hierzu bedeckt. Klar ist: "Wenn nur ein kleiner Teil von ihnen die Geotagging-Funktionen nutzt, könnte dies ein großer Schritt zum endgültigen Durchbruch dieser Technologien bedeuten", so Krömer. Die Konkurrenz stünde dann unter Zugzwang.
Nutzer dürfen mit ihren Geodaten jedoch nicht leichtfertig umgehen. "Sicherlich sollte mindestens darauf geachtet werden, dass einem Nutzer immer bewusst ist, wann er seinen Standort bekannt gibt und dies nicht vollautomatisch ohne sein Wissen geschieht", rät Krömer. "Gerade die manuelle Funktion der Check-Ins bietet so eine Kontrolle."
Erschienen am 29.07.2010
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