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Empfehlungsportal Yelp startet in Berlin
In den USA ist Yelp groß - jetzt startet das Portal von Berlin und München aus in Deutschland, gegen eine starke Konkurrenz. Yelp-Manager Geoff Donaker erklärt, wie das funktionieren soll.
Von Kritsanarat Khunkham
Morgenpost Online: Herr Donaker, in Deutschland gibt es bereits ein Unternehmen, das tut, was Yelp nun auch tun will: Qype ist hierzulande sehr erfolgreich. Was unterscheidet Yelp von Qype?
Geoff Donaker: Qype ist ein guter Service. Aber auch in den USA hat es viele andere lokale Suchanbieter gegeben, und auch die waren gut. Doch viele machen den Fehler, dass sie in möglichst vielen Orten präsent sind. Wir wollen aber Qualität statt Quantität. Wir wollen in einzelnen Städten der Spezialist sein. Darum gab es Yelp zunächst nur in San Francisco. Nach und nach ging es dann nach Chicago, Boston und New York. In Deutschland legen wir den Fokus zunächst auf Berlin und München. Zum Start werden mehrer Tausend deutsche Artikel online sein.
Morgenpost Online: Die wichtigste Währung eines Empfehlungsportals ist das Vertrauen der User. Wie halten Sie es aufrecht?
Geoff Donaker: In unserer Community können sich die Menschen anfreunden. Das hat den Vorteil: Dem Tipp eines Freundes vertraut man viel mehr. Bei vielen Empfehlungsseiten ist mir aufgefallen, dass die meisten Artikel einen Stern haben oder fünf, also wird meist entweder gehasst oder geliebt, manchmal auch ohne echte Begründung. Yelp ist in seiner Struktur eher ein Blog: Die User schreiben über ihren Tag und geben einen Kommentar zu dem ab, was sie erlebt und gesehen haben. Auf diese Weise erfahre ich viel über den User und kann so seine Bewertung nachvollziehen, und ich kann für mich entscheiden, wie ernst ich seine Kritikpunkte nehme.
Morgenpost Online: Und wie sorgen Sie dafür, dass Yelp nicht mit Schmähungen oder Selbstlob überflutet wird?
Geoff Donaker: Dadurch, dass unsere User unter ihrem wirklichen Namen schreiben, kommt auch ein anderer, ernsthafterer Ton zustande, als man es sonst im anonymen Internet gewohnt ist. Dann haben wir noch eine technische Lösung gegen verdächte Rezensionen: den Review Filter. Der löscht automatisch Artikel, bei dem die Vermutung nahe liegt, dass der Autor die Bewertung nur zum Selbstzweck geschrieben hat - oder um gezielt jemandem zu schaden.
Morgenpost Online: Wie hat Yelp den Deutschland-Start vorbereitet?
Geoff Donaker: Zunächst einmal haben wir vor einem Jahr damit begonnen, unsere Seite zu übersetzen. Dann haben wir vor sechs Monaten in München und Berlin eine Reihe von Teilzeit-Autoren angestellt. Die sind vor allem damit beschäftigt, Öffnungszeiten und Adressen von Geschäften und Firmen zu verifizieren, Fotos zu machen und damit, persönliche Bewertungen zu schreiben. Dass wir diese professionellen Schreiber haben, zeigt, dass uns die Qualität der Artikel wirklich wichtig ist. Ab sofort kann jeder mitmachen.
Morgenpost Online: Mit dem Start in Deutschland ist hier auch die Yelp-App für iPhone und Android verfügbar. Sie haben gesagt, Yelp auf dem Handy sei Ihnen viel wichtiger ist als Yelp auf dem Computer. Warum?
Geoff Donaker: Wenn ich in einer fremden Stadt bin und ein nettes Café suche, nehme ich mein Handy und finde mit der App alle Cafés um mich herum. In der neuen Version haben wir Augmented Reality hinzugefügt. Diese Technologie ermöglicht es, dass ich meine Handykamera auf die Gebäude vor mir richte und live auf dem Bildschirm die entsprechenden Yelp-Bewertungen sehe. Der mobile Bereich ist der am stärksten wachsende Teil unseres Traffics. Monatlich sind das mehr als 2,5 Millionen Seitenaufrufe.
Morgenpost Online: Zuletzt hatte Yelp in den USA insgesamt mehr als 33 Millionen Visits. Als Sie vor fünf Jahren bei Yelp anheuerten, haben Sie da mit diesem Erfolg gerechnet?
Geoff Donaker: Was die Jungs damals erfunden haben, fand ich absolut vielversprechend. Denn ich hatte das Gefühl, dass es genau das ist, was die Leute im Internet brauchen. Ich war der zehnte Mitarbeiter im Team, jetzt sind es 450, und Yelp war damals noch so klein, dass wir das Büro mit zwei anderen Start-ups teilen mussten. Wir wollten ein wenig die Welt zum Guten ändern, indem wir helfen, die guten Läden in der Region zu entdecken. Das ist gut für mich, und das ist gut für die Unternehmer, oder besser: für ihre Geldbörse. Yelp war für mich also etwas, von dem alle profitieren konnten.
Morgenpost Online: Ihre wichtigste Einnahmequelle ist Werbung. Nun ist es aber so, dass eben auch viele jener Firmen, die bei Ihnen Anzeigen schalten, auch bei Ihnen bewertet werden. Wie bewegen Sie sich auf diesem schmalen Grat zwischen Glaubwürdigkeit und Profit?
Geoff Donaker: In Deutschland werden wir für mindestens ein Jahr keine Werbeanzeigen haben. Wenn wir in ein neues Land gehen, wollen wir erst einmal eine Seite bieten, die unsere User lieben. Erst später kommt die Werbung dazu. Bei uns schalten in der Regel sowieso eher die Firmen Werbung, die sowieso schon viele gute Bewertungen bei uns haben. Denn der Klick auf die Anzeige bringt den User auf die Unternehmenseite bei Yelp – dort sieht man sofort alle User-Bewertungen. Ein unbeliebtes Unternehmen wird Werbung nicht nutzen können, um beliebt zu werden. Die Unternehmensseiten können Firmen kostenlos bei uns erstellen, um sich dort zu präsentieren. Aber viel wichtiger ist noch die Möglichkeit, dass sie dort auch mit denjenigen kommunizieren können, die sie bewertet haben.
Morgenpost Online: In den vergangenen Jahren haben sie Investmentgelder in Höhe von 56 Millionen Dollar erhalten. Was haben Sie damit gemacht?
Geoff Donaker: Hauptsächlich steckten wir es ins Personal. Wir haben derzeit drei Investitionsschwerpunkte: Der Betrieb der Homepage, Programmierer, die ständig an der Seite arbeiten, und unsere Expansion in die einzelnen Städte und Länder. In jeder Stadt haben einen sogenannten Quality Manager, der selbst auswählt, wer an der Seite mitmacht.
Morgenpost Online: Letztes Jahr gab es Verhandlungen mit Google über eine Übernahme. Warum ist die nicht zustande gekommen?
Geoff Donaker: Das Wachstum von Yelp hat natürlich viele Interessenten angelockt. Es kamen Investoren, die nach und nach die bereits erwähnte Summe zusammenbrachten. Die Investoren glauben an den langfristigen Erfolg von Yelp, die Verträge laufen über sechs Jahr und länger. Es gab also keinen Grund dafür, schnell einem großen Deal mit Google zustimmen zu müssen. So können wir weiter so arbeiten, wie wir es für richtig halten.
Die Konkurrenten
Qype ( www.qype.de ):
- Marktführer in Deutschland, England und Frankreich.
- Mitte 2005 vom Deutschen Stephan Uhrenbacher gegründet, erreicht Qype derzeit über zehn Millionen User, jede Minute entstehen drei neue Beiträge.
- Der Name Qype setzt sich aus den Begriffen "Quality" und "Hype" zusammen.
Yelp ( www.yelp.de ):
- Gegründet im Juli 2004 in San Francisco, internationale Standorte in Kanada, Großbritannien, Irland und Frankreich.
- Marktführer in den USA mit 33 Millionen Seitenaufrufen pro Monat.
- Bislang elf Millionen Rezensionen.
- Der Name soll eine Kurzform von "Yellow Pages" ("Gelbe Seiten") sein.
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