19.07.10

Fehlzeiten

Krankenstand in Deutschland steigt sprunghaft an

Die krankheitsbedingten Fehlzeiten steigen auf den höchsten Halbjahreswert seit fünf Jahren. Vor allem an Montagen fehlen die Arbeitnehmer.

Foto: picture-alliance/ gms/Jens_Schierenbeck
Krankheit rechtzeitig dem Chef melden - Genesung nicht behindern
Krankmeldung. Meistens muss sie spätestens am dritten Fehltag vorliegen

Der Krankenstand in den deutschen Betrieben ist im ersten Halbjahr dieses Jahres auf den höchsten Stand seit fünf Jahren gestiegen. 3,58 Prozent der Arbeitnehmer waren in den ersten sechs Monaten krankgeschrieben, wie aus den neuesten Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) hervorgeht, die Morgenpost Online vorliegen. Das sind zehn Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Fehlquote entspricht vier Arbeitstagen.

Arbeitsmarktexperten machen neben saisonalen Einflüssen vor allem die leicht verbesserte konjunkturelle Situation der vergangenen Monate für die Entwicklung verantwortlich. Dagegen gehen die Krankenstände in Krisenzeiten im Allgemeinen zurück, weil die Arbeitnehmer fürchten, durch Kr ankschreibungen den Job zu gefährden. Die BMG-Statistik erfasst die Fehlquoten aller gesetzlich versicherten Arbeitnehmer.

Frauen fehlten im ersten Halbjahr deutlich häufiger als Männer: So waren 3,77 Prozent abwesend, bei ihren männlichen Kollegen hingegen nur 3,41 Prozent. Die meisten Krankmeldungen erfolgen am Wochenanfang, vor allem montags.

Die häufigsten Ursachen für krankheitsbedingte Fehlzeiten sind laut Krankenkassen Muskel- und Skeletterkrankungen, Verletzungen, Atemwegsprobleme und psychische Krankheiten. Die Zahl der psychischen Krankheiten hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Fachärzte erklären dies auch mit den gestiegenen Anforderungen im privaten und beruflichen Leben.

Ausdrücklich warnen Gesundheitsexperten Arbeitnehmer davor, aus Angst vor negativen Auswirkungen auf ihre Karriere krank zur Arbeit zu gehen. Dies schade nicht nur der Gesundheit des Arbeitnehmers, sondern auch der Produktivität des Unternehmens. Es bestehe Ansteckungsgefahr für andere Mitarbeiter. Außerdem droht eine Verschleppung der eigenen Krankheit, was letztlich zu längeren Fehlzeiten und einer zusätzlichen finanziellen Belastung des gesamten Gesundheitssystems führe.

Insgesamt sind die Krankenstände in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Neben der relativ hohen Arbeitslosigkeit sind dafür vor allem Änderungen in der Beschäftigtenstruktur verantwortlich: Der Anteil der Arbeiter in Industrie und Bau mit schwerer körperlicher Arbeit und hohen Krankenständen ging zurück, während die Beschäftigung im Dienstleistungssektor angestiegen ist.

Auch die höhere Teilzeitquote wirkt sich positiv auf die Beschäftigung aus. Außerdem haben die Betriebe ihre Gesundheitsprävention deutlich verbessert. Die Unternehmen bieten vermehrt auch Rückkehrergespräche an für Arbeitnehmer, die längere Zeit krank waren. Dies wirkt sich ebenfalls positiv auf den Krankenstand aus.

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