Streit um Miethöhe
Fortschritte im Streit um Karstadt-Mieten
Berggruen und Highstreet kommen sich näher. Auch Arbeitsministerin von der Leyen schaltet sich in die Verhandlungen mit ein.
Von Hagen Seidel
Im Streit um die Mieten für die Warenhauskette Karstadt kommen sich beide Seiten näher. In der Nacht zum Donnerstag tagten Vertreter des Vermieterkonsortiums Highstreet und des neuen Eigentümers Nicolas Berggruen zum zweiten Mal stundenlang in London. Ein Ergebnis gab es jedoch noch nicht. Über die Frage, wie weit beide Seiten noch auseinander sind, gibt es unterschiedliche Darstellungen. In einer Quelle heißt es: "Wir sind fast durch". Im Umkreis anderer Teilnehmer ist lediglich von "konstruktiven Gesprächen", die Rede, die "zeitnah" fortgesetzt werden sollten.
Offenbar machen vor allem die kleineren Fonds-Zeichner Druck, um eine schnelle Einigung zu erreichen. Immerhin sind beide Parteien inzwischen so weit gekommen, dass sie Papiere austauschten, die jetzt von den Juristen der jeweils anderen Seite geprüft werden sollen. Welcher Art diese Papiere sind, wurde nicht mitgeteilt. Im Gegensatz zum Treffen zuvor war Nicolas Berggruen persönlich an den Verhandlungen beteiligt. Auch Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und sein enger Mitarbeiter Hans-Gerd Jauch waren anwesend.
Beobachter werten die Dauer der Gespräche und die – relative – Verschwiegenheit der Teilnehmer als positives Zeichen dafür, dass sich beide Seiten auf einander zubewegen und sich bald einigen könnten. Inzwischen hat sich auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eingeschaltet. In Unternehmenskreisen ist zu hören, dass sie mit Vertretern beider Seiten gesprochen und an diese appelliert habe, die 25.000 Karstadt-Jobs nicht zu gefährden. Am heutigen Freitag will sie sich zusammen mit der Betriebsratsvorsitzenden der Berliner Karstadt-Filialen, Monika Roloff, und der stellvertretenden Vorsitzenden der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, Margret Mönig-Raane, "über den Stand der Verhandlungen um die Zukunft der Warenhauskette" informieren.
Die Zeit drängt: Am 16. Juli will das Essener Amtsgericht den Insolvenzplan absegnen. Und dafür ist es notwendig, dass der Anfang Juni geschlossene Kaufvertrag in Kraft tritt. Das ist aber nur der Fall, wenn es eine Einigung über die Mieten gibt. Andernfalls droht schlimmstenfalls die Zerschlagung der Kette mit 120 Häusern und 25.000 Mitarbeitern. Dreimal schon hat Highstreet – zu dem Konsortium gehören neben vielen kleinen Mitgliedern auch Töchter der Banken Goldman Sachs, Deutsche Bank, sowie von Pirelli und dem italienischen Handelskonzern Borletti – den Verzicht auf Mieterhöhungen und echte Mietsenkungen angeboten, laut Highstreet im Wert von fast 400 Mio. Euro für die kommenden fünf Jahre.
Berggruen jedoch hält die Mietforderungen weiterhin für überzogen. Highstreet jedoch ist nicht nur Hauseigentümer – das Konsortium hatte zudem ein eigenes Kaufangebot für Karstadt abgegeben. Die Offerte fiel jedoch im Gläubigerausschuss durch. Seither werden immer wieder Zweifel gegenüber dem Konzept Berggruens gestreut. So äußerte Maurizio Borletti aus dem Highstreet-Konsortium vor zwei Wochen in einem Brief an Ministerin von der Leyen, er habe "begründete Zweifel" an Berggruens Konzept. Der Investor und sein Partner Max Azria hätten "keine praktische Erfahrung" in der Branche, schreibt Borletti, der Warenhäuser in Italien und Frankreich betreibt.
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