Warenhauskette
Karstadt-Käufer Berggruen pokert um die Mieten
Investor sind die Mietminderungen von Highstreet zu gering. Sigmar Gabriel fordert Zugeständnisse von Goldman Sachs. Gerüchte über Ausgliederungen.
Das Tauziehen um die Übernahme der insolventen Warenhauskette Karstadt nimmt kein Ende. Der potenzielle Investor Nicolas Berggruen hatte am Wochenende ein weiteres Angebot zur Mietminderung des Vermieterkonsortiums Highstreet, zu dem unter anderem die US-Bank Goldman Sachs gehört, als nicht ausreichend abgelehnt. Ein Highstreet-Sprecher zeigte sich daraufhin enttäuscht: "Wir haben jetzt insgesamt Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro über die nächsten Jahre angeboten." Damit sei die Schmerzgrenze überschritten.
SPD-Chef Sigmar Gabriel übte dagegen scharfe Kritik an Goldman Sachs. "Sollte die Rettung von 25.000 Arbeitsplätzen an überzogenen Mieten der Banken scheitern und über 100 Innenstädte ins Elend getrieben werden, dann bin ich dafür, eine Debatte in Deutschland zu beginnen, Goldman Sachs die Lizenz zu entziehen", sagte Gabriel.
Für Aufregung sorgten zudem Meldungen, wonach Berggruen offenbar die Ausgliederung von sieben Karstadt-Sport- und zwei Premium-Häusern in eine neue Gesellschaft plant. Das gehe aus dem Konzept hervor, das er in der vergangenen Woche Highstreet vorgestellt habe, berichtete der "Spiegel". Ein Sprecher Berggruens bezeichnete die Meldung als "kalten Kaffee." In der Bergruen-Präsentation vom 2. Juni, die unter anderem auch dem Gesamtbetriebsrat, Ver.di und dem Gläubigerausschuss seit langem bekannt ist, ist die Rede von der "Ausbildung von einzelnen rechtlichen Einheiten" unter anderem für die Premium-Sparte mit dem KaDeWe in Berlin und dem Alsterhaus in Hamburg.
Auch Geschäftseinheiten wie Reisen oder Gastronomie sowie einzelne Sparten wie den Sport oder die – in Kooperation mit Rewe betriebenen Lebensmittelabteilungen und sogar einzelne Eigenmarken wie "Alex" sollen rechtlich ausgegliedert werden. "Statt eines Dickschiffes soll es offenbar viele Schnellboote geben", sagte ein Handelsexperte. Diese "rechtliche Einheiten" sollen mit eigenem Management offenbar schnelleres und flexibleres Handeln in den einzelnen Segmenten ermöglichen und sind Teil der Dezentralisierungspläne Berggruens für den Konzern.
Zudem sollen die neuen Einheiten die Voraussetzung für Kooperationen mit anderen Anbietern aus dem jeweiligen Format oder der Teil-Branche schaffen. Karstadt soll aber überall die Mehrheit behalten. Diese strukturellen Umbauten seien keine Vorbereitung für den Verkauf oder die Schließung irgendwelcher Sparten, hieß es beim Investor. Dass weder Schließungen von Häusern noch die Streichung von Stellen geplant seien, hatte Berggruen zuletzt am Freitag in einem Brief an die Mitarbeiter wiederholt. Darin äußerte sich der Investor auch optimistisch, dass eine Einigung im Mietstreit möglich sei.
Unterdessen wachsen laut "Spiegel" bei den Gläubigern Zweifel, dass in der entscheidenden Gläubigersitzung alles rechtens war. Demnach mutmaßt der unterlegene Bieter Highstreet, dass Berggruen durch seine Bekanntschaft mit dem bisherigen Karstadt-Chefsanierer Thomas Fox einen Wissensvorsprung gehabt haben könnte. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg wies die Kritik zurück. "Alle drei Bieter hatten die gleichen, fairen Voraussetzungen, sich zu präsentieren."
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