10.06.10

Unternehmen

Klavierbauer Bechstein peilt Millionen-Gewinn an

Das Berliner Musikinstrumente-Unternehmen rechnet nach einem erfolgreichen Jahr auch für 2010 mit einem guten Geschäft. Vor allem in Osteuropa und China begeistern sich Kunden für die deutschen Flügel und Klaviere.

Von Jens Kohrs
Foto: AFP
Bechstein-Chef Karl Schulze erklärt die Konzernzahlen
Bechstein-Chef Karl Schulze erklärt die Konzernzahlen

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Berlin – Solide statt sexy – so beschreibt Karl Schulze, Chef des Berliner Klavier- und Flügelbauers Bechstein, die kleine Erfolgsgeschichte seines Unternehmens 2009. Obwohl der Gesamtmarkt in Krisenzeiten weiter schrumpfte, steigerte der Konzern seinen Umsatz leicht um knapp drei Prozent auf rund 29,3 Millionen Euro und erzielte einen Gewinn von 326000 Euro. Im Jahr 2008 hatte Bechstein noch einen Konzernverlust von 711000 Euro ausgewiesen. Die wichtigste Konzerntochter, die börsennotierte C.Bechstein Pianofortefabrik AG, verbuchte einen Jahresgewinn von 502000 Euro.

Die Entscheidung für eine rein europäische Fertigung sei goldrichtig gewesen, sagte Schulze. Teile werden weltweit eingekauft, besonders für die günstigeren Produkte kommen sie hauptsächlich aus Asien. Die mittlerweile fünf Modellreihen mit den zwei wichtigsten Marken C.Bechstein und W.Hoffmann entstehen aber ausschließlich in Werken im sächsischen Seifhennersdorf und in Tschechien.

"Die Konsumenten sind bescheidener geworden, Digitalpianos und gebrauchte Instrumente sind eine harte Konkurrenz für uns. Aber wir haben eine Antwort aus Europa gefunden", sagte Bechstein-Chef Schulze. So sei das tschechische Werk in Hradec Králové bis Jahresende ausgelastet. Dort entstehen die Instrumente der günstigeren Konzernmarke W.Hoffmann, die zu Einsteigerpreisen ab 4500 Euro zu haben sind. Ein in Deutschland gefertigter Flügel der Premiummarke C.Bechstein kann bis zu 120000 Euro kosten.

Insgesamt verkaufte das Unternehmen, das 340 Mitarbeiter beschäftigt (davon rund 160 in Tschechien), im vergangenen Jahr 4063 Instrumente. Dabei verkaufte das Unternehmen zwei Drittel der Produktion in Deutschland, wo der Konzern einen Marktanteil von 17 Prozent hat. Doch auch der Export ziehe jetzt wieder an, sagte Schulze. Zwar schwächele das Geschäft in Amerika noch immer, doch vor allem Osteuropa, besonders Russland, sei ein wichtiger Wachstumsmarkt. Zudem erwartet Schulze 2010 auch in China, wo eine Repräsentanz in Shanghai eröffnet wurde, "ein deutliches Wachstum". Das werde "kleine Schwächen im Inland" wieder ausgleichen.

Doch auch in Deutschland sei der Markt noch lange nicht gesättigt, sagte der Bechstein-Chef. "Wir haben rund vier Millionen Klavierspieler, aber bislang nur zwei Millionen Instrumente." Das Inlandsgeschäft läuft hauptsächlich über die mittlerweile sieben eigenen Bechstein-Centren, von denen allein das Geschäft im "Stilwerk" in Charlottenburg jährlich zwei Millionen Euro umsetzt. Auch in Deutschland setzt Schulze auf die Marke W.Hoffmann: "So können Kunden günstig einsteigen und sich später noch verbessern."

Im laufenden Jahr erwartet er ein deutliches Wachstum. Bereits in den ersten fünf Monaten sei der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 20 Prozent gestiegen. Auf dieser Grundlage würden ein Jahresumsatz von 31 Millionen Euro und ein Gewinn von 1,5 Millionen Euro angestrebt, sagte Schulze. Eine Dividende will er den Aktionären nicht anbieten, sondern lieber die Eigenkapitalbasis stärken: "Wir denken und handeln eher konservativ, und unser Bekenntnis zu Standorten und Herstellungsmethoden kommt positiv an."

Mittlerweile, schreibt Schulze in einem Brief an die Aktionäre, sei Bechstein auch "wieder nahe 100 Prozent in deutscher Hand". Nach der Kapitalerhöhung im vierten Quartal 2009 halte das koreanische Unternehmen Samick keine Anteile mehr. Seine Familie und die Arnold Kuthe Beteiligungs-GmbH als neuer privater und befreundeter Investor hätten die Anteile übernommen, sagte Schulze. Diese beiden Hauptaktionäre halten jetzt gemeinsam 65 Prozent aller Aktien. Die Kuthe-Gruppe ist ein Bau- und Immobilienunternehmen, dem in Berlin unter anderem die Immobilie des Wintergarten-Varietés gehört.

Bechstein-Chef Karl Schulze erklärt die Konzernzahlen AFP/David Gannon

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