Medien-Imperium
Murdoch Junior wütet gegen Chefredakteur
Wutentbrannt ist James Murdoch in die Redaktion des "Independent" gestürmt. Der "Times"-Verleger und Sohn von Medienmogul Rupert Murdoch hielt brüllend auf Chefredakteur Simon Kelner zu. Der versuchte zu beschwichtigen und fand zumindest heraus, was den Wutanfall ausgelöst hatte.
Von Tina Kaiser
Es soll wie in einem Mafiafilm zugegangen sein, berichteten Augenzeugen später. Wutentbrannt stürmte der "Times"-Verleger James Murdoch den Londoner Newsroom des Konkurrenzblattes "Independent". Geradewegs steuerte der Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch auf "Independent"-Chefredakteur Simon Kelner zu und brüllte ihm durch das Großraumbüro entgegen: "What are you fucking playing at?" Zu Deutsch könnte man das etwa mit: "Was spielst du für ein verf… Spiel", übersetzen.
Der irritierte Kelner zog den schnaubenden Murdoch daraufhin in sein Büro. 20 Minuten verblieben die beiden darin. Dann trat der erboste Verleger wieder vor die Tür und grollte noch einmal. Kelner habe die ungeschriebene Regel der britischen Medienszene gebrochen, dass sich Wettbewerber nicht gegenseitig angreifen und versuchen, die Reputation des anderen zu beschmutzen.
Nach diesen Worten verließ er das Büro, immerhin mit einem kostenlosen Exemplar des "Independent" unter dem Arm. Der Grund für Murdochs Aufregung ist offenbar ein Werbeposter des "Independent". Das hochdefizitäre Blatt war vor kurzem von dem russischen Oligarchen Alexander Lebedew gekauft worden. Der spendierte der Zeitung nicht nur einen Relaunch, sondern auch eine neue Marketingkampagne. Einer der Slogans lautet: "Rupert Murdoch wird diese Wahl nicht entscheiden. Sie entscheiden."
Zu Murdochs Konzern News Corp. gehören mehrere britische Zeitungen, darunter die seriöse "Times", aber auch die Revolverblätter "Sun" und "News of the World". Alle diese Blätter hatten in den vergangenen Wochen mehr oder weniger offensichtlich Wahlkampf für die Konservative Partei gemacht. Die "Sun" hatte sogar im September 2009 eine eindeutige Wahlempfehlung für die Tories ausgegeben. In James Murdochs Augen offenbar nicht verwerflich.
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