Unternehmerinnen

Wirtschaftspreis – Diese drei Frauen machen's unter sich aus

Foto: Jakob Hoff

Drei Frauen sind für den Berliner Unternehmerinnenpreis nominiert. Seit Jahren arbeiten sie erfolgreich in Männerdomänen. „Anfeindungen begegne ich mit Humor“, so Petra Hoyer, eine der Nominierten.

"Wollen Sie sich nicht eine andere Branche suchen? Der Baustoffhandel ist für Frauen doch nicht so geeignet", lautete die Reaktion von Petra Hoyers Steuerberater auf ihre Idee, sich selbstständig zu machen. Das war vor 24 Jahren. Seitdem leitet die Unternehmerin den Hoba Baustoffhandel, den größten frauengeführten Baustoffhandel in Ostdeutschland mit Sitz in Berlin. Nun steht die Geschäftsfrau mit zwei weiteren Bewerberinnen im Finale um den Preis "Berliner Unternehmerin 2014/2015".

Dieser wird am 5. Juli im Rahmen des Berliner Unternehmerinnentages im Ludwig-Erhard-Haus in Charlottenburg von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer zum sechsten Mal verliehen. "Berlin ist Gründungshauptstadt", so die Senatorin, und Frauen seien daran immer stärker beteiligt. 2013 wurde berlinweit ein Drittel aller Gründungen von Frauen vorgenommen, 11.000 an der Zahl.

Um dies zu würdigen und zu bestärken, ist die Auszeichnung dieses Jahr erstmals dotiert. Insgesamt 6.000 Euro Preisgeld, gestaffelt nach Platzierung, erwartet die drei Nominierten. "Der Preis soll ein Dankeschön sein an Damen, die einen Beitrag zur Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Berlin leisten", sagt Yzer. "Gleichzeitig soll er aber auch anderen Frauen Mut für den Schritt in die Selbstständigkeit machen."

Von Zigarren zu Baustoffen

Diesen Mut bewies Petra Hoyer 1990, trotz der Bedenken ihres damaligen Steuerberaters – mittlerweile hat sie ihn gewechselt. Auch vorher hatte die Ostberlinerin schon Erfahrung mit dem Handel. Mit selbstgenähter Kleidung finanzierte sie sich ihren ersten Trabbi und belieferte später westdeutsche Fünfsternehotels mit Havanna-Zigarren. "Wo die herkamen, verrate ich lieber nicht", sagt sie und grinst. "Auf jeden Fall war es eine internationale Handelstätigkeit."

Ihr Baustoffhandel im Prenzlauer Berg ist zwar seriöser, sticht aber aus der sonst eher traditionellen Branche heraus – durch Innovation. Eine Säule von Hoyers Geschäftskonzept etwa heißt "Green Berlin", womit eine verstärkte Dachbegrünung in der Stadt vorangetrieben wird. "Wir haben keine Angst vor neuen Produkten", so Hoyer, deren Firma auch stark auf die intelligente Haussteuerung setzt. "Bei Baustofffirmen heißt es sonst meist: viel Mörtel, viel Stein."

Bei Fachveranstaltungen ist sie oft die einzige Frau. "Da heißt es dann zur Begrüßung: Liebe Frau Hoyer, meine Herren …", erzählt sie und lacht. Lachen sei auch dringend nötig in ihrer Branche, denn Ressentiments von männlichen Kollegen spürt sie, wenn auch schwächer als früher, noch immer. Ihr Rezept: "Anfeindungen begegnet man am besten mit Kompetenz und viel Humor."

Wie man sich in Männerdomänen behauptet

In einer Männerdomäne muss sich auch Carola Zarth behaupten. 1930 gründete ihr Großvater in Charlottenburg die Werkstatt Auto-Elektrik Holtz, 1993 übernahm sie die Firma von ihrem Vater. Heute kooperiert das Unternehmen mit Bosch und handelt neben der Werkstatttätigkeit mit Kfz-Ersatzteilen. "Unser großes Pfund ist der persönliche Kontakt zu den Kunden", so die Überzeugung von Carola Zarth. In größeren Autowerkstätten gehe es sehr viel anonymer zu.

"Wenn meine Kunden zufrieden sind und mich weiterempfehlen, ist das besser als jede Werbung." Schon mit 14 Jahren war ihr klar, dass sie das Familienunternehmen übernehmen wird. "Aber nicht etwa, weil ich musste", stellt sie klar. Als Jugendliche absolvierte sie ein Praktikum im väterlichen Betrieb, danach wusste sie, dass sie nie schrauben will. "Aber der Umgang mit Mitarbeitern und Kunden hat mich fasziniert. Das alles zu leiten, war mein Traum." Ob ihre Tochter, die gerade Abitur macht, später in ihre Fußstapfen treten werde? Erwarten tue sie das nicht. "Meine Tochter hat ihren eigenen Traum."

1991 gründete Carola Zarth die "Unternehmerfrauen im Handwerk in Berlin" und stieß damit auf viele Ressentiments. "Es dauerte lange, im Handwerk als Frau Anerkennung zu finden", erinnert sie sich. Nun ist sie vor wenigen Wochen in den Vorstand der Berliner Handwerkskammer gewählt worden – als erste Frau in der Geschichte der Kammer.

In der Start-up-Szene zu Hause

Mit geschlechtsspezifischer Missbilligung hat Constanze Buchheim weniger zu kämpfen. In der Berliner Start-up-Szene, für die sie mit ihrer Firma i-potentials Personalvermittlung in der Digitalwirtschaft betreibt, sind Unterschiede zwischen Mann und Frau zumindest auf professioneller Ebene kaum noch zu spüren.

Eine echte Nische hat Constanze Buchheim gefunden, denn herkömmliche Personalvermittlungen konzentrieren sich häufig auf die Führungsebene. Die gibt es so in Start-ups aber gar nicht mehr. "Wir sind 2009 selbst aus der Start-up-Szene heraus entstanden und wissen, welche Ansprüche die jungen Gründer der Generation Y haben", so die Unternehmerin. Als sie selbst damals gründete und zur Akquirierung von Fachkräften auf Personalvermittlungen zurückgreifen wollte, wussten diese häufig gar nicht, was sie wollte.

Auch Constanze Buchheim ist eine entschlossene Unternehmerin. Im Juli 2009 kam ihr Sohn zur Welt, vier Wochen später saß sie beim Notar und unterschrieb den Gesellschaftsvertrag, mit Babyschale. "Als ich den Entschluss fasste, mich selbstständig zu machen, wusste ich von der Schwangerschaft noch nichts", so Buchheim. "Dann zögerte ich zunächst. Aber die Leidenschaft für die Gründung war stärker." So nahm ihr Mann Elternzeit und sie wurde zur Familienernährerin.

Gewinnerin steht am 5. Juli fest

Ebenso wie ihren zwei Mitnominierten ist Constanze Buchheim eine soziale Personalpolitik äußerst wichtig. Doch das sei nicht nur der weiblichen Führung ihrer Firmen geschuldet, da sind sich alle drei einig. "Ohne mitarbeiterfreundliche Arbeitsbedingungen kann man heutzutage gar kein Unternehmen führen", ist sich Constanze Buchheim sicher.

Nun bleibt abzuwarten, welche der drei Frauen am 5. Juli zur erstplatzierten Berliner Unternehmerin gekürt wird. Doch nicht nur die Preisverleihung findet an dem Sonnabend statt. Der branchenübergreifende Unternehmerinnentag, der seit 2000 alle zwei Jahre stattfindet, soll auch vernetzen und zum Schritt in die Selbstständigkeit ermutigen.

Dazu gibt es ganztägig Seminare und Einzelcoaching-Angebote, Foren und eine Informationsbörse. Frauen, die mit dem Gedanken spielen, ihre eigene Chefin zu werden, rät Constanze Buchheim zu Selbstbewusstsein. "Ich kann nur empfehlen, die Verantwortung für die eigene Person zu übernehmen und sich nicht von den Meinungen anderer abhängig zu machen." Auch Petra Hoyer findet es maßgeblich, an die eigene Idee zu glauben. "Man braucht viel Leidenschaft für das, was man tut. Vor allem soll es ja Spaß machen."

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