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17.03.10

Verschuldung

Griechenland bettelt bei Bürgern um Spenden

Die griechische Regierung bittet ihre Bürger um Spenden, um das Staatsdefizit zu senken. Dazu hat das Finanzministerium bei der Zentralbank ein Konto eingerichtet. Die Griechen sind nicht die einzigen, die Staatsspenden ermöglichen. Nur der deutsche Fiskus lehnt Geldspenden seiner Bürger ab – noch.

© picture alliance/Rainer Hackenbe/Hackenberg
Thessaloniki
Filiale der griechischen Zentralbank in Thessaloniki

Natürlich fällt uns sofort der gute, alte Vergil ein: Timeo Danaos et dona ferentes - Ich fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen. Doch der Finanzminister in Athen scheint nicht zur Gruppe der Altphilologen zu gehören. Oder, naja, vielleicht liegt es auch einfach daran, dass er selbst Grieche ist.

Jedenfalls ruft Giorgos Papakonstantinou, Herr über das hellenische Schuldenloch, seine Landsleute neuerdings zu Spenden auf, um auf diese Weise das ausufernde Staatsdefizit zu verringern. Dazu ließ er bei der Zentralbank ein Spendenkonto einrichten, genannt "Solidaritätskonto für die Rückzahlung der öffentlichen Schulden" (IBAN: GR 04 010 0024 0000000026132462). Seit einigen Tagen können die Bürger hierüber ihrem geliebten Staat Geld spenden, um ihn vor dem endgültigen Bankrott zu bewahren. Einfach so. Ohne jemanden dafür bestechen zu müssen. Und ohne einen Vorteil daraus zu ziehen.

Das Geld kann per Überweisung oder aber auch in bar bei einer der Zweigstellen der griechischen Zentralbank eingezahlt werden. Und für den Fall, dass es mit der offiziellen europäischen Solidarität doch nicht wie gewünscht klappt, wurde der Aufruf auch gleich noch in Englisch ins Internet gestellt - vielleicht will der ein oder andere Graecophile ja dann doch privat einspringen.

Was so innovativ klingt, ist es indes gar nicht. Denn auch in Großbritannien und den USA gibt es bereits die Möglichkeit den Fiskus per freiwilliger Spende zu entlasten. In Amerika heißt das Konto "Gifts to Reduce the Public Debt" (Geschenke zur Verringerung der öffentlichen Schulden) und die Mäzene der öffentlichen Hand können den Betrag hier über die Internetseite www.pay.gov gleich von ihrer Kreditkarte abbuchen lassen.

Deutschland hinkt der Entwicklung dagegen wieder mal hinterher. Wer hierzulande seinem Staat etwas Gutes tun möchte, hat es schwer. Als ein Rentner im Herbst 2008 seine Rentenerhöhung in Höhe von 8,65 Euro dem Staat spenden wollte, wurde das vom Finanzministerium abgelehnt. Es schickte den Verrechnungsscheck zurück. Begründung: Die Verwaltungskosten dafür seien zu hoch. Vielleicht hatte der deutsche Staat damals aber einfach auch noch zu viel Geld, denn immerhin war der Standard-Brief, mit dem dies mitgeteilt wurde, mit 1,45 Euro frankiert.

Im Finanzministerium in Berlin weiß man auch nicht so recht, was ein Bürger tun müsste, wenn er freiwillig mal einen Betrag überweisen möchte. "Das kommt eher selten vor", bescheidet man dort lachend und verweist an die Finanzagentur in Bad Homburg, die ja für die Beschaffung von Geld für den Bundeshaushalt zuständig ist. Dort kann man allerdings auch nicht so recht weiterhelfen und rät zur Vereinfachung doch stattdessen einfach Bundeswertpapiere zu kaufen.

Das ist zwar gut gemeint, doch diese Schuldtitel werden ja - das ist zumindest bislang Konsens - irgendwann zurückgezahlt. Und Zinsen gibt es obendrein noch. Der edle Spender will aber sein Geld schlicht und ergreifend loswerden, ein für allemal und ohne Rendite. Kann das so schwer sein?

Offenbar ja. Daher bleibt ihm wohl nichts anderes übrig, als zu anderen Mitteln zu greifen, beispielsweise sein Auto ins Parkverbot direkt vor einer Polizeiwache zu stellen, mit einer Tuba im Rathausfoyer über Stunden Ständchen zum Besten zu geben oder den Hund vor den Augen der Stadtreinigung sein Geschäft erledigen zu lassen. Denn die Bußgelder dafür lehnen die Herren über den Staatsschatz bislang noch nicht ab.

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