Restrukturierungsplan
Pleitebank Lehman Brothers wird wiederbelebt
Die US-Investmentbank Lehman Brothers bekommt eine neue Chance: Laut eines Restrukturierungsplans soll aus der Pleitebank ein Vermögensverwalter namens Lamco werden. Allerdings muss der Insolvenzrichter noch zustimmen. Der Fall ist kompliziert – noch wollen jede Menge Gläubiger ihr Geld zurück.
Von Hans Evert
Es gibt wenig Gutes, was man dem Bankhaus Lehman Brothers nachsagen könnte. Buchführung? Wurde als Maskenball inszeniert, um die wahre Lage zu verschleiern. Der Chef? Ein Hasardeur mit Hang zum Größenwahn und eine Jammergestalt in der schwersten Stunde. Der Markenname? Völlig ruiniert nach dem Tag der Pleite, am 15. September 2008. Aber der Wille zum Überleben, der ist wirklich beispiellos gut ausgeprägt. Denn die Firma, die die teuerste Insolvenz der Menschheitsgeschichte hingelegt hat, bekommt jetzt ihre zweite Chance.
In Kürze soll ein Vermögensverwalter namens Lamco offiziell in das Handelsregister der Stadt New York eingetragen werden. Lamco ist ein Lehman-Zombie, der sich einen neuen Namen gibt. Dem Insolvenzverwalter von Lehman Brothers, Bryan Marsal, scheint eine Wunderheilung geglückt. Statt das unselige Bankhaus endgültig zu liquidieren, legt er beim Insolvenzgericht in New York einen Restrukturierungsplan vor. Herzstück dieses Plans ist die Gründung einer neuen Gesellschaft, die Geschäfte mit Geschäftsimmobilien und Hypotheken betreiben soll.
Das hört sich im ersten Augenblick ziemlich irre an. Denn mit Immobilienwertpapieren hat sich Lehman Brothers in den Abgrund spekuliert. Unglaubliche 875 Milliarden Dollar (636 Milliarden Euro) fordern die einstigen Gläubiger. Große Bankhäuser und Versicherer wollen genauso ihren Anteil wie Kleinanleger in Deutschland, denen Lehman-Zertifikate als sichere Geldanlage verkauft wurden. Damit all diese Gläubiger ein wenig Geld zurückbekommen, wird nun Lamco aus der Taufe gehoben.
Denn Lehman Brothers, von der Last eines gigantischen Schuldenbergs in die Knie gezwungen, hat immer noch Vermögenswerte. Immobilien, Hypotheken, Wertpapiere. Der Wert dieser Besitztümer soll nun gemehrt werden. Mehrere Hundert Lehman-Angestellte sollen sich darum kümmern. Einigen Gläubigern wird wohl ein wenig mulmig. Im Umgang mit Wertpapieren hatten Lehman-Mitarbeiter in den letzten Jahren kein gutes Händchen.
Richtig tot war Lehman Brothers nach dem 15 September 2008 ohnehin nicht. Insolvenzverwalter Marsal kümmerte sich um den Komapatienten der Wall Street. Seit anderthalb Jahren kämpfen er und seine Leute sich durch das Lehman-Gestrüpp aus 3500 Tochterfirmen. Marsal verkaufte einige Teile, darunter den Firmensitz und die Sparte mit den Profizockern samt ihrer Kontakte, das Investmentbanking. Die britische Bank Barclays schlug zu. Auch der japanische Konkurrent Nomura bediente sich an der Lehman-Resterampe und erwarb das Asiengeschäft.
Dem Plan des Insolvenzverwalters muss der Richter noch zustimmen. Und aufgearbeitet ist die Geschichte des Untergangs noch lange nicht. Vergangene Woche legte ein Sonderermittler einen Bericht mit 2200 Seiten vor. Darin wird dargestellt, wie es zur Pleite kann. Kurz gesagt, haben ziemlich viele Menschen in Banken und Behörden weggesehen.
Völlig unbelastet wird also die neue Lehman Brothers, getarnt mit dem Namen Lamco, nicht an den Start gehen. Aber die 500 Mitarbeiter wollen das Beste daraus machen. Sie haben nämlich neben der Verwaltung von Lehman-Vermögensrückständen ein weiteres Geschäftsfeld identifiziert. Lamco-Mitarbeiter sollen Finanzunternehmen in der Krise, Hedgefonds etwa, beraten. So wird aus der spektakulärsten Pleite der Bankenhistorie sogar ein neues Geschäftsmodell.
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