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Angriff auf ICE

China exportiert seine Highspeed-Eisenbahnen

Die Chinesen wollen auf den fahrenden Zug aufspringen: Nachdem Barack Obama Hochgeschwindigkeitsbahnen für die USA angekündigt hat, startet die Volksrepublik eine Exportoffensive. Erste Highspeed-Projekte sind geplant. Allerdings gibt es auch scharfe Kritik an der chinesischen Bahn-Technologie.

Foto: Johnny Erling

China will den internationalen Eisenbahn-Markt aufmischen. Pekings Eisenbahnministerium beginnt nun nach eigenen Angaben damit, seine auf einem halben Dutzend innerchinesischen Langstrecken erfolgreich erprobte Hochgeschwindigkeitsbahnen weltweit zu vermarkten. Konkret plant die Volksrepublik bereits Hochgeschwindigkeits-Bahnprojekte in Venezuela und in der Türkei. "Wir organisieren nun Unternehmen, die sich an Bahnausschreibungen in den USA beteiligen", sagte Vizeminister Wang Qishan.

Und dabei soll es nicht bleiben: "Staaten wie Russland, Indien, Saudi-Arabien oder Polen haben klar den Wunsch geäußert, mit uns zu kooperieren", sagte er. Damit würde die Volksrepublik in Konkurrenz zu den bisher führenden Exportnationen für Eisenbahnen, Deutschland, Frankreich und Japan, gehen. Hintergrund der Exportoffensive Chinas ist die Ankündigung von US-Präsident Barack Obama, für Hochgeschwindigkeitsbahnen in Kalifornien, Florida und Illinois acht Mrd. US-Dollar bereitzustellen. Auch der deutsche Siemens-Konzern macht sich Hoffnungen.

Bahn-Chefingenieur He Huawu hält Chinas Bahn reif für den Export: "Wir haben ein selbst entwickeltes, eigenständiges System an Hochgeschwindigkeitsbahnen." Chinas Technologien seien inzwischen komplexer und weiter entwickelt als die von Deutschland, Japan oder Frankreich. Die neue Generation der chinesischen Züge sei schneller, breiter gebaut und habe verbesserte Fahr- und Leitsysteme. "Wir haben 946 Patente angemeldet und bisher keinen Rechtsstreit mit anderen Staaten oder Unternehmen über geistiges Eigentum erlebt", sagte der Chefingenieur. Allerdings wird die Kritik lauter, die angebliche neue chinesische Bahn-Technologie sei eine Kopie des deutschen ICE- und des französischen TGV-Systems.

Von 2004 an gingen japanische Konzerne wie Kawasaki, aber auch Siemens, Bombardier oder Alstom Dutzende Kooperationen zum Technologietransfer mit chinesischen Lokomotiv-Werken ein. Diese orderten Hunderte Zugsysteme und Komponenten, um chinesische Versionen von Hochgeschwindigkeitszügen zu bauen. Unklar ist, ob China damit auch die Genehmigung erworben hat, die ursprüngliche Technologie aus dem Westen weiterzuentwickeln und international zu vermarkten.

Chinas Eisenbahnbau ist zum größten Konjunktur- und Beschäftigungsprogramm in der globalen Krise geworden. Beim Bau der im Dezember eröffneten 1000 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsbahn von Wuhan nach Kanton wurden etwa 150.000 Menschen beschäftigt. Allein aus dem Staatshaushalt sind für 2010 umgerechnet rund 90 Milliarden Euro für den Bahnausbau vorgesehen. "Wir betreiben im Inland 6552 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecken für Geschwindigkeiten ab 200 Kilometer und sind so Nummer eins in der Welt", sagte Vizeminister Wang. Ein Viertel der Strecken fährt die Bahn bereits mit Betriebstempo 350 Kilometer. 42 weitere Hochgeschwindigkeitstrassen mit mehr als 10.000 Kilometer sind im Bau. Bis 2012 will China ein über 13.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitstrassen erweitertes Netz betreiben. Die längste Strecke führt über 1318 Kilometer von Peking nach Shanghai. Sie soll 2011, ein Jahr früher als geplant, fertig sein und die bisher zehnstündige Fahrt auf unter vier Stunden verkürzen.

Noch vor wenigen Jahren hatte sich das deutsche Herstellerkonsortium des Transrapids, ThyssenKrupp und Siemens, Hoffnungen auf die Strecke Peking-Shanghai gemacht. Ende 2002 hatten der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Ex-Premier Zhu Rongqi den Transrapid als Flughafenanbindung in Shanghai eingeweiht und als deutsch-chinesisches Jahrhundertprojekt gefeiert.

Bis 2020, wenn 60 Prozent aller Chinesen in Städten wohnen, will China sein Hochgeschwindigkeitsnetz auf mehr als 16.000 Kilometer Strecke ausdehnen, die dann wie ein Gitter mit vier Nord-Süd- und vier Ost-West-Korridoren 90 Prozent aller Städte verbindet. Für den Transrapid ist da kein Platz mehr. Chef-Planer Zheng Jian sagte auf eine Frage der Morgenpost Online, dass es neben der 31 Kilometer langen Shanghaier Trasse für den Transrapid nur noch eine Verlängerungsstrecke gibt, die "in Chinas Mittel- und Langfristplanung aufgenommen ist". Die Projektplanung für die 200-Kilometer-Strecke von Shanghai nach Hangzhou sei genehmigt worden. Das Projekt würde derzeit aber noch "vertieft erforscht".



Erschienen am 16.03.2010

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