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Handelsüberschuss

Kritik aus Frankreich empört deutsche Exporteure

Ist die deutsche Exportwirtschaft zu erfolgreich? Frankreich und andere EU-Staaten fordern von der Bundesregierung, den Handelsüberschuss abzubauen – und Reformen zurückzudrehen. Deutsche Branchenvertreter reagieren empört. Man könne nicht warten, bis andere Länder endlich ihre Hausaufgaben erledigten.

Hamburger Hafen: Der deutsche Export-Erfolg ruft die EU-Nachbarn auf den Plan
Foto: dpa
Hamburger Hafen: Der deutsche Export-Erfolg ruft die EU-Nachbarn auf den Plan

Die deutschen Exporteure haben mit Unverständnis auf die EU-Kritik an ihrem Geschäftsmodell reagiert. „Wir sind deshalb erfolgreich, weil wir uns dem internationalen Wettbewerb gestellt und unsere Hausaufgaben gemacht haben“, sagte der Sprecher des Außenhandelsverbandes BGA, Andre Schwarz. „Wir können nicht das Tempo herausnehmen, damit andere Länder noch mehr Zeit bekommen, ihre Hausaufgaben nicht zu erledigen.“

Insbesondere Frankreich wirft Deutschland vor, mit seiner Exportmacht den anderen Euro-Ländern zu schaden und Druck auf die Arbeitskosten auszuüben. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde sagte der "Financial Times", der derzeitige deutsche Handelsüberschuss könnte für die Nachbarstaaten in der Euro-Zone nicht tragbar sein. Die Bundesrepublik gehört zu den Staaten mit dem weltweit größten Handelsüberschuss; das heißt, die deutsche Wirtschaft exportiert deutlich mehr Waren als sie importiert.

„Deutschland hat in den vergangenen rund zehn Jahren außerordentlich gute Arbeit geleistet, die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert und die Lohnkosten unter Druck gesetzt“, betonte sie zwar. Sie sei sich aber nicht sicher, ob dies „langfristig ein nachhaltiges Modell“ für die gesamte Euro-Gruppe sei. „Wir brauchen ganz deutlich eine stärkere Annäherung.“ Frankreich fordert nun, dass Deutschland sein Reformtempo zurücknimmt.

Der BGA weißt diesen Vorwurf zurück. „Unser Erfolgsrezept ist nicht der Preis“, sagte der Sprecher. „Unsere wichtigsten Verkaufargumente sind Qualität und Innovation.“ Allein über den Preis könne die deutsche Industrie mit Niedriglohnländern wie China nicht konkurrieren.

Deutschland führte 2009 Waren im Wert von 803 Milliarden Euro aus, zehn Prozent davon gingen nach Frankreich. Im Gegenzug importierte Deutschland Waren für 667 Milliarden Euro.

Auch den Vorwurf, anderen Euro-Ländern zu schaden, lässt der BGA nicht gelten. „Man nimmt nicht automatisch dem Nachbarn etwas weg, wenn man Erfolg hat“, sagte Schwarz. „Unsere Hauptkonkurrenten sitzen nicht mehr in der EU, sondern in den USA und Japan sowie in aufstrebenden Schwellenländern wie China und Indien.“

Die EU profitiere sehr wohl vom Erfolg ihrer größten Volkswirtschaft. Deutschland sei schließlich der größte Beitragszahler der Europäischen Union.

Reuters/lw

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