Hotelbuchung
Hier wird der Zimmerpreis zur Verhandlungssache
Der Zimmerpreis ist Verhandlungssache. Auf dem Reiseportal Vadingo.com nennt der Gast den Preis, den er zahlen will.
Von Bettina Seipp
"Propeller Island City Lodge", Berlin (www.propeller-island.de): In der 45-Zimmer-Herberge hat der Berliner Künstler Lars Stroschen jeden Raum auf unterschiedliche Weise erotisch gestaltet. Der "Gallerie Raum" etwa enthält ein rundes Bett, das per Fußpedal um die eigene Achse bewegt werden kann.
Sie mögen vielleicht noch immer gern weiße Tennissocken im Urlaub tragen, aber eines haben Deutsche im Ausland längst begriffen: Um Preise muss gefeilscht werden. Und weil sie auch beim Feilschen gern die Besten sein wollen, die erst aufgeben, wenn der Händler entnervt "Festpreis, Festpreis" ruft, hat es lange niemand gewagt, die Idee auf die Hotelbranche zu übertragen – so wie in den USA, wo es das Internetportal www.priceline.com gibt. Umso größer ist deshalb das Interesse an dem neuen Portal Vadingo.com , das jetzt auf der Reisemesse ITB in Berlin vorgestellt wurde.
Die Idee dazu hatte Frank Mansfeld, ein deutscher Hotelier, der auf Mallorca zwei Häuser betreibt, das "Son Sampoli" und die "Villa Sampoli". Dass seine Hotels nicht immer voll ausgelastet sind und er deshalb nach einer Lösung suchte, dies zu ändern, gibt er gern als Motivation seiner Entwicklungsarbeit an Vadingo.com zu. Er betont aber zugleich, dass von der neuen Buchungsplattform beide Seiten profitieren würden: Hotelier und Gast. Denn letzterem würden Zimmer angeboten, deren Preis in jedem Fall unter denen anderer Buchungsportale läge.
Und das funktioniert so: Man gibt auf Vadingo.com seine Wünsche bezüglich eines Hotels ein (Destination, Zeitraum, Sternekategorie, Anzahl der Reisenden) und versieht die Anfrage mit einem Preis, den man dafür zu zahlen bereit wäre.
Das Portal sucht daraufhin 30 Häuser aus, die den örtlichen Vorgaben genügen, aber zwischen 125 bis 200 Prozent über den vom Gast angegebenen Preis liegen können. Daraufhin trifft der Reisende eine Vorauswahl. Vadingo.com tritt nun erneut in Aktion und vermittelt die Anfrage mit dem Wunschpreis des potenziellen Gastes an zehn Häuser, die mit Gegenvorschlägen reagieren können.
Mansfeld: "Hotels, die nicht ausgelastet sind, werden dem Gast entgegenkommen oder ein interessantes Arrangement schnüren." Und da die Angebote der Hotels 24 Stunden Gültigkeit hätten, könnte sich der Gast in aller Ruhe aus den Rückläufen das für ihn beste aussuchen.
Die Gefahr, dass die Hotels in eine Dumping-Falle laufen, sieht er nicht, weil die eigentliche Preisverhandlung nicht öffentlich auf Vadingo.com, sondern per E-Mail zwischen Gast und Hotel erfolge: "Man muss sich das wie bei einem Billigflieger vorstellen, der seine Preise auch entsprechend der Auslastung gestaltet."
Auch der mögliche Einwand, dass sich auf den Preisvorschlag eines Vadingo.com-Users Hotels melden könnten, die ihre Zimmer ohnehin unter Wert anböten, greife nicht, weil die an dem Portal teilnehmenden Hotels jeweils ihre sogenannte Best Available Rate angeben müssten, also den Preis, mit dem sie auch bei hotels.com, hrs.de, expedia.de usw. gelistet seien. Mansfeld: "Anders gesagt, wenn bei Vadingo.com eine Buchung zustande kommt, ist diese für den Gast in jedem Fall günstiger als überall sonstwo."
Das Portal, das ab 31.März online ist, wird mit 305 Drei- und Viersterne-Hotels auf Mallorca starten (zum Vergleich: die TUI bietet 340 Häuser auf den Balearen an). Bereits Ende des Jahres sollen dann auch Hotels in Österreich und der Schweiz als Vadingo-Partner gewonnen werden. Vom Erfolg seines Portals fest überzeugt, plant Mansfeld für 2011 die Expansion in weitere Länder Europas.
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