Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
06.03.10

Gesundheitssystem

Experten sehen Massensterben bei Krankenkassen

Kostendruck, harter Wettbewerb, unpopuläre Zusatzbeiträge: Viele gesetzliche Krankenkassen wirtschaften am Limit. Eine neue Studie, die der "Welt am Sonntag" vorliegt, geht deswegen davon aus, dass von 169 Kassen nur 50 übrig bleiben. Vor allem die betrieblichen Versicherer werden verschwinden.

© dpa
kassen43_DW_Wirtschaft_Muenchen.jpg

Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen wird in den nächsten fünf Jahren kräftig sinken. Das prognostiziert die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Ernst & Young in einer Studie, die der "Welt am Sonntag" exklusiv vorliegt. "Der ohnehin laufende Konzentrationsprozess wird sich noch mal beschleunigen", sagt Studienautor Andreas Freiling. Bis 2012 werden seiner Prognose zufolge nur 100 der aktuell 169 Kassen übrig bleiben. Bis 2015 soll die Zahl, die zu Beginn der 90er-Jahre noch über 1000 lag, sogar auf nur noch 50 sinken. Besonders gefährdet seien dabei die meist kleinen Betriebskrankenkassen. Ihre Anzahl soll von heute 130 auf lediglich zehn zurückgehen.

Als Grund für den Konsolidierungsdruck nennt Freiling die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Zum einen ist es im Gegensatz zu früher möglich, dass Krankenkassen pleitegehen. Dafür sorgt das Gesetz zur Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Zum anderen können die verbliebenen Anbieter einen erhöhten Finanzierungsbedarf seit der Einführung des Gesundheitsfonds und des einheitlichen Beitragssatzes von 14,9 Prozent nicht mehr über Beitragssteigerungen ausgleichen. Finanziell schwache Kassen müssen steigende Kosten nun über unpopuläre Zusatzbeiträge ausgleichen. Das aber wird Experten zufolge dazu führen, dass viele Mitglieder der Kassen zu Konkurrenten abwandern und sich dadurch die Problemlage noch weiter verschärft.

Fast jede zweite der 40 von Ernst & Young befragten Krankenkassen macht sich daher schon Gedanken über eine Fusion. Für weitere 33 Prozent ist ein Zusammenschluss zumindest eine Option. Zumal die große Mehrheit der Anbieter bisherige Fusionen als durchweg erfolgreich einstuft. Dadurch habe man Kosten in der Verwaltung und der IT eingespart, die Finanzbasis verbreitert und Arbeitsprozesse optimiert. Zudem schaffe ein größerer Verbund eine bessere Verhandlungsposition, zum Beispiel gegenüber Ärzten und Krankenhäusern.

Die bislang letzten Fusionen gab es zum Jahreswechsel vor wenigen Wochen. Bei den insgesamt elf Zusammenschlüssen sind 14 Anbieter vom Markt verschwunden. Zu den größten Fusionen gehörte die Verschmelzungen der DAK mit der Hamburg-Münchener Ersatzkasse und der Barmer Ersatzkasse mit der Gmünder Ersatzkasse (GEK). Die neue Barmer-GEK ist nun mit 8,6 Millionen Versicherten und einem Marktanteil von fast 13 Prozent sogar die größte Krankenkasse in Deutschland. Sie hat die Techniker Krankenkasse überholt, die im Jahr zuvor noch die IKK-Direkt übernommen hatte.

Ein weiterer Riese könnte schließlich zur Jahresmitte durch die angedachte Fusion der AOK Rheinland/Hamburg mit der AOK Westfalen-Lippe entstehen. Von der Politik ist diese Fusionswelle durchaus gewollt. Die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sprach von 30 bis 50 gesetzlichen Krankenkassen als sinnvollem Ziel.

Allerdings steigt jeder neuen Fusion auch das Risiko, dass eine Krankenkasse scheitert. "Mit der sinkenden Zahl der Marktteilnehmer und der zunehmenden Größe der Fusionspartner steigt die Komplexität", begründet Ernst-&-Young-Partner Freiling. Zumal es mittlerweile auch eine steigende Zahl von Kooperationen zwischen unterschiedlichen Arten von Kassen gibt. "Dadurch müssen mehrere Abrechnungssysteme, IT-Prozesse und vor allem unterschiedliche Unternehmenskulturen zusammengeführt werden", erklärt Freiling.

Bis eine Fusion vollständig und erfolgreich umgesetzt ist, dauert es seiner nach Einschätzung mindestens zwei Jahre. Außerdem ließen sich in stark konzentrierten Märkten Synergien nicht mehr so einfach und schnell heben. "In den kommenden Jahren wird daher die Zahl der missglückten Fusionen stark steigen", prognostiziert der Gesundheitsexperte.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote