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05.03.10

Preiskrieg

Hersteller fürchten um die Qualität der Lebensmittel

Preissenkungen bei Säften, Windeln und Apfelmus: Der Kostendruck durch die Discounter setzt der Lebensmittelbranche kräftig zu. Experten erwarten deswegen Insolvenzen und Übernahmen. Für Verbraucher noch dramatischer: Die Qualität der Lebensmittel könnte unter dem Preiskrieg leiden.

Ralf-Michael Wagner, Frank Flamme/Südwest Verlag

Müller! Müller-Milchreis ist laut der Fachjournalistin Martina Schneider, die das Buch "Welche Marke steckt dahinter?" geschrieben hat, allerdings 35 Prozent teurer. Mit folgenden Billig-Produkten können Verbraucher ebenfalls sparen:

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Die ständigen Preissenkungsrunden der Discounter gefährden die deutsche Lebensmittelindustrie. "Die Entwicklung kann so nicht weitergehen", sagt Sabine Eichner-Lisboa, Geschäftsführerin bei der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Die Margen der Hersteller seien mittlerweile so stark strapaziert, dass etliche Betriebe nicht mehr lange durchhalten können. Eichner-Lisboa prognostiziert daher für die kommenden Monate eine Welle von Übernahmen und Insolvenzen.

Schon zum dritten Mal in diesem Jahr haben einige Discounter zu Monatsbeginn die Preise gesenkt. Bei Aldi und Penny zum Beispiel sind Saft, Windeln und Apfelmus um bis zu 13 Prozent billiger geworden und Norma hat die Preise von Mineralwasser, Erfrischungsgetränken und CD-Rohlingen gesenkt. Konkurrenten wie Netto und Lidl sind daraufhin sofort nachgezogen. Und auch die großen Supermärkte haben reagiert und die Preise ihrer Handelsmarken nach unten angepasst.

Damit setzt sich die Entwicklung der vergangenen Monate nahtlos fort. Schon seit über einem Jahr liefern sich insbesondere die Discounter einen heftigen Preiskampf. 2009 hatten die Billiganbieter insgesamt zwölf Mal die Preise verschiedener Artikel gesenkt. Die lange erfolgsverwöhnten Unternehmen reagieren damit auf stagnierende und teils sinkende Marktanteile. Laut den Marktforschern der GfK-Gruppe konnte das Billigsortiment im vergangenen Jahr erstmals seit fast 50 Jahren keine Zuwächse mehr verzeichnen.

Und 2010 scheint sich diese Talfahrt nahtlos fortzusetzen. Zumal die Bundesbürger im Januar den GfK-Statistiken zufolge fast fünf Prozent weniger für Lebensmittel ausgegeben haben als noch im Vorjahresmonat.

Getroffen hat das vor allem die Discounter. Trotz der regelmäßigen Preisrunden sackte ihr Umsatz um fast sechs Prozent ab und damit deutlich stärker als die Erlöse von Vollsortimentern wie Edeka und Rewe. Für Sabine Echner-Lisboa ist das ein Zeichen dafür, "dass die Verbraucher nicht mehr nur billig haben wollen". Der Handel könne auch mit Service, Beratung und Ambiente punkten. Tatsächlich scheint die Geiz-ist-geil-Welle vergangener Tage endgültig vorbei. "Mittlerweile orientieren sich viele Käufer wieder an der Qualität statt am Preis", erklärt Wolfgang Twardawa, der Handelsexperte der GfK. Seiner Einschätzung nach achtet nur noch ein Viertel der deutschen Haushalte beim Lebensmittelkauf ausschließlich auf das Preisschild.

Trotzdem versuchen sich Aldi, Lidl und Co. vor allem darüber zu profilieren. Branchenexperten erklären sich das Festhalten an dieser Taktik mit zunehmender Ratlosigkeit in der Führungsetage. Denn das Wachstum in die Fläche scheint ausgereizt. "Mittlerweile kann jeder Haushalt in Deutschland binnen zehn Minuten mit dem Auto einen Discounter erreichen", sagen Konsumforscher.

BVE-Geschäftsführerin Eichner-Lisboa befürchtet nun, dass sich die Qualität von Lebensmitteln verschlechtern könnte. "Für viele Hersteller bleiben als letzte Sparmöglichkeit nur noch Veränderungen an den Rezepturen", beschreibt die Verbandsfrau. So könnte zum Beispiel bei einigen Zutaten B- statt A-Ware verwendet werden. "Andere Alternativen bleiben kaum noch", erklärt Eichner-Lisboa – abgesehen von Betriebsaufgaben. "Wer nichts mehr verdienen kann, muss aufhören." Derzeit gibt es in der deutschen Lebensmittelindustrie rund 5800 Produktionsstätten mit gut 535.000 Mitarbeitern. Damit gehört die Branche zu den größten Industriezweigen in Deutschland.

Mit einem Ende der Preissenkungsrunden rechnen Experten dennoch nicht. "Die Discounter scheint es gar nicht zu stören, dass die Verbraucher nicht mehr reagieren", sagt Sabine Eichner-Lisboa. Sie erklärt sich dieses Verhalten mit dem zunehmend heftigen Wettbewerb. Angeheizt wurde er zuletzt, weil Aldi und Lidl mit Netto einen neuen starken Konkurrenten bekommen haben und darüber hinaus die Supermärkte den Discountern den Kampf angesagt haben. Rewe zum Beispiel wirbt für seine "ja"-Eigenmarken mit dem Slogan "Billiger als Aldi". Die Supermärkte haben das Marktpotenzial im unteren Preissegment für sich erkannt, urteilt Christoph Schwarzl, Handelsexperte bei Accenture.

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