Preisvergleich
Strompreis-Kluft zwischen Ost und West schwindet
Westdeutsche zahlen noch immer weit weniger für ihren Strom als Verbraucher in Ostdeutschland. So spart ein Hamburger im Vergleich zum Sachsen bei einem üblichen Jahresverbrauch 185 Euro. Die Preise gleichen sich aber langsam an, in zwei westdeutschen Bundesländern sind sie besonders stark gestiegen.
Ostdeutsche Stromkunden werden von den Versorgern stärker zur Kasse gebeten als Verbraucher in Westdeutschland. Nach Berechnungen des unabhängigen Verbraucherportals Toptarif zahlt ein Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden in Ostdeutschland durchschnittlich rund 39 Euro mehr pro Jahr für seinen Strom. Die Preisunterschiede zwischen den Bundesländern werden aber geringer. Während die ostdeutschen Stromkunden im Jahr 2008 noch durchschnittlich 6,5 Prozent mehr zahlten, sind es in diesem Jahr nur noch 4,9 Prozent.
"In den letzten beiden Jahren sind die Strompreise in Westdeutschland im Durchschnitt stärker erhöht worden", sagt Toptarif-Geschäftsführer Thorsten Bohg. So stiegen die Preise in den alten Bundesländern seit Anfang des Jahres 2008 um durchschnittlich 8,8 Prozent. In Ostdeutschland erhöhten sich die Tarife um 7,2 Prozent. Für den üblichen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden zahlt ein Haushalt derzeit im Westen 792 Euro, im Osten sind es 831 Euro.
"Besonders betroffen von den Preiserhöhungen der letzten beiden Jahre sind Verbraucher im Süden und Nordwesten der Republik", sagt Bohg. Kunden in Bayern und Niedersachsen waren von den stärksten Preiserhöhungen zwischen 9,4 und 11,5 Prozent betroffen. In Ostdeutschland stiegen die Preise nur in Sachsen ähnlich deutlich. Mit Jahreskosten von durchschnittlich 852 Euro liegt das Bundesland an der Spitze.
"Hauptgrund für die immer noch vorhandenen Preisunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind die höheren Netzentgelte in weiten Teilen der neuen Bundesländer", sagt Bohg. Die Netzentgelte machen derzeit rund 30 Prozent des gesamten Strompreises aus. Dass die Preise in den neuen Bundesländern dennoch langsam sinken, hängt mit dem stärkeren Wettbewerb zusammen. Mittlerweile können private Stromkunden in jeder Region Deutschlands im Durchschnitt zwischen mehr als 80 Anbietern wählen. Und die Wettbewerber bieten Strom in der Regel 15 Prozent günstiger an als die Grundversorger. Doch obwohl der Wettbewerb im Strommarkt in Bewegung ist, rechnen Experten mit weiteren Preisrunden in diesem Jahr. "Die Preise werden tendenziell weiter nach oben gehen. Sowohl im Osten als auch im Westen", meint Isabel Wendorff vom unabhängigen Tarifvergleichsportal Check24.
Warum die Strompreise bereits seit Jahren steigen, ist umstritten. Verbraucherschützer wittern Wettbewerbsverzerrung durch die Stromwirtschaft und die Industrie schiebt den schwarzen Peter dem Staat zu. Die diesjährigen Preissteigerungen begründen viele Versorger mit der Umlage für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG-Umlage). Ohnehin stehe mit den Netzentgelten rund ein Drittel des Preises unter staatlicher Kontrolle, da sie von der Bundesnetzagentur reguliert werden. Weitere 40 Prozent des Endkundenpreises sind Steuern und Abgaben. Bleiben noch 30 Prozent, die die Anbieter als Vergütung für Erzeugung und Vertrieb einstreichen.
Laut Stromwirtschaft liegt das Preisniveau für diesen Kostenblock heute auf dem Niveau von 1998, dem Beginn der Liberalisierung des Strompreises. Verbraucherschützer stellen jedoch auf das Jahr 2000 ab, als die Preise für Strom kurzzeitig stark gefallen waren. In ihren Augen ein Resultat der Marktliberalisierung. Volker Heck, Leiter Konzernkommunikation von RWE sieht das anders: "Im Jahr 2000 kam es aufgrund von Überkapazitäten im Erzeugerbereich zu einem kurzfristigen Preisverfall."
In Kürze wird das Bundeskartellamt mehr Klarheit in die Preisgestaltung der Stromwirtschaft bringen. Die Behörde veröffentlicht in wenigen Wochen eine "Sektoruntersuchung Strommarkt".
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Energiekonzern: Vattenfall verkauft deutsches Stromnetz an Belgier
- Energiekonzern: Warum E.on für 2009 die Dividende nicht erhöht
- Strompreis: Subventionen für Öko-Strom erhitzen die Gemüter
- Anbieter im Vergleich: Strompreise 2010 – Wer erhöht, wer senkt
- Längere Akw-Laufzeiten: Späterer Atomausstieg entlastet um 250 Milliarden
- Energie-Versorgung: Feste Verträge schützen vor höheren Gaspreisen
-
20:49Festnahme: Toter in Friedrichshainer Bar: Verdächtiger gefass...
-
20:11Piraten-Chef: Wie der "Bundesbernd" Piraten-Amt und Job stemmt
-
19:17Karneval: Kreuzberger Käuze, Kinder und eine lange Karawane
- 1. Relegationsspiel Hertha BSC und der Abstieg ohne Gnade
- 2. Live-Ticker Hertha BSC will über Einspruch beraten
- 3. Relegationsspiel Hertha BSC gibt sich offenbar geschlagen
- 4. Formel 1 in Monaco Strafversetzung verdirbt Schumacher nicht die Laune
- 5. Stromerzeugung Solaranlagen liefern so viel Strom wie fast 20 Atommeiler














