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05.03.10

Finanzkrise

Deutsche zieht es trotz Spar-Zwang in die Ferne

Die Finanzkrise ändert das Reiseverhalten der Deutschen. Zwar wird derzeit wieder gut gebucht, Sparsamkeit ist aber trotzdem angesagt. Der Trend zu mehr Urlaub in der Heimat, kalkulierbaren All-Inclusive-Reisen und Schnäppchenjagd noch kurz vor Abflug wird sich laut Experten auch noch ein paar Jahre halten.

Rendering (c) Information Based Architecture (IBA)

Der 610 Meter hohe Guangzhou Sightseeing & TV Tower, der derzeit in Südchina in der Millionenstadt Kanton (Guangzhou) entsteht, übertrifft alle bisherigen Fernsehtürme.

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Vom kommenden Mittwoch an diskutiert die Branche auf der weltweit größten Reisemesse ITB in Berlin über das Reisezeitalter nach der Mega-Rezession. "Kostentransparenz und Budgetkontrolle sind die Lehren aus der Krise, wodurch günstige, nahe oder vertraute Reiseziele bevorzugt werden", schreibt die Commerzbank im Vorfeld in einer Studie. "Der Kopf – mit dem Überblick über das Budget – dürfte in der kommenden Reisesaison erneut die Oberhand behalten."

Auch bei der Reiseintensität gibt es dramatische Veränderungen. So buchen immer noch vier Fünftel aller Beamten eine Urlaubsreise, während sich bei den Geringverdienern mit einem Haushaltseinkommen von unter 1000 Euro im Monat nur noch jeder Fünfte einen Urlaub leistet. Dies hat die Gesellschaft für Konsumforschung in einer Studie für die Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco (BAT) jüngst herausgefunden. Laut Ulrich Reinhardt, BAT-Tourismusexperte hat sich in den vergangenen zwei Jahren eine "Zwei-Klassengesellschaft in Mobile und Immobile" herausgebildet.

Wohl auch aus diesem Grund bleibt Deutschland als beliebtestes Urlaubsland der Deutschen. Zudem werden nach Ansicht der Commerzbank die Hoteliers aus den traditionellen Mittelmeerzielen wie Spanien oder Italien Urlauber an die preiswertere Konkurrenz zum Beispiel in der Türkei verlieren. Insgesamt rechnet die Commerzbank 2010 mit einem geringen Anstieg der deutschen Reiseausgaben um 1,25 Prozent auf knapp 60 Mrd. Euro. Die großen Reiseveranstalter haben auf die Trends längst reagiert. So berichtet der Veranstalter Neckermann Reisen, dass 38 Prozent der deutschen Urlauber dieses Jahr einen All-Inclusive-Urlaub planten, um die Nebenkosten schon vor Reisebeginn zu kennen.

Marktführer TUI geht bei den eigenen Kunden sogar von etwa 55 Prozent Nachfrage im Sommer 2010 aus und erhöht laufend den Anteil an solchen Rundum-Sorglos-Paketen. Im vorigen Sommer waren bereits rund 50 Prozent der TUI-Pauschalurlauber mit All-Inclusive-Reisen unterwegs.

Das Krisenjahr 2009 hat die Urlaubsbranche mit einem blauen Auge überstanden. Wieder einmal bewahrheitete sich die These, dass die Deutschen am Urlaub besonders ungern sparen. Nach einer Erhebung der Fachzeitschrift fvw sank im Tourismusjahr 2008/2009 der Umsatz von 62 erfassten Veranstaltern lediglich um 2,2 Prozent auf 16,7 Mrd. Euro. Die Zahl der Reisenden ging etwas stärker um 5,9 Prozent auf 32,5 Millionen zurück – viele Urlaubsreisen an der im Sommer bestens gebuchten Ostsee oder in die Alpen sind in den Veranstalterzahlen allerdings nicht enthalten. Nach anfänglichen Preissteigerungen hätten die Veranstalter zum Sommer hin viele Schnäppchen geboten, schreibt die fvw.

Und der Preistrend hält an: Die Veranstalter haben zur Ankurbelung der Nachfrage die Preise für den nächsten Sommer erneut gesenkt. Dabei können sie zum Teil von günstigeren Flugpreisen, Rabatten der Hotels und den Wechselkursen profitieren. Sollte der Kerosinpreis allerdings bis zum Sommer wieder erheblich steigen, werden sich die Airlines diesen Anstieg durch höhere Kerosinzuschläge bezahlen lassen.

Bei TUI sind Fernreisen im Durchschnitt um sechs Prozent günstiger, Flugreisen etwa ans Mittelmeer um fünf Prozent. Neckermann und Thomas Cook bieten ihr Programm für die Feriensaison 2010 im Schnitt ebenfalls um fünf Prozent billiger an, hieß es bei der Vorstellung der Sommerkataloge.

Und das Reiseland Deutschland ist nach Einschätzung der Deutschen Zentrale für Tourismus ohnehin schon länger preiswerter als viele Nachbarländer. Die Senkung der Mehrwertsteuer für die deutschen Hotels dürfte sich dabei mittelfristig ebenfalls positiv auf die Nachfrage auswirken – auch wenn viele Hoteliers die Preise zunächst nicht senken wollen und stattdessen in die Renovierung ihrer Häuser investieren.

Quelle: eag/dpa
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