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04.03.10

Börsengeschäfte

Wie Privat-Anleger von Insiderwissen profitieren

Vorstände börsennotierter Unternehmen haben zuletzt gut am Kauf "eigener" Aktien verdient. Private Anleger können den Wissensvorsprung der Profis nutzen, um selbst Vorteile zu erlangen. Aber derzeit halten sich die Insider auffallend zurück – in Erwartung eines Kursrutsches, meinen Fachleute.

© dpa
War das schon alles beim jüngsten Kursrutsch? Insider halten sich an der Börse derzeit auffallend zurück
War das schon alles beim jüngsten Kursrutsch? Insider halten sich an der Börse derzeit auffallend zurück

Zum ersten Mal hat er es am 2. Oktober 2009 getan. Dann wieder am 2. Februar. Und seitdem kaufte Alexander Margaritoff immer wieder Aktien der Hawesko AG. Mal für 14.000 Euro, dann für 45.000 Euro, und vor kurzem sogar für über 100.000 Euro. Dass diese Informationen öffentlich sind, ist nicht auf ein Datenleck oder einen CD-Verkauf zurückzuführen. Margaritoff ist Vorstandschef des Hamburger Weinhändlers und damit verpflichtet, Transaktionen mit Aktien seines Unternehmens der Finanzaufsicht BaFin zu melden.

Aufmerksame Anleger können sich damit ohne große Mühe einen Wissensvorsprung verschaffen, der bares Geld wert sein kann. Schließlich gibt es niemanden, der die Perspektiven eines Unternehmens besser beurteilen kann als der Vorstand selbst. "Insider handeln oft in der Nähe von Wendepunkten einzelner Aktien und sind damit ein wertvoller Börsenindikator", sagt Patrick Hable, Chef des auf Insidergeschäfte spezialisierten Analysehauses 2IQ. So auch im Fall Hawesko: Wer Anfang des Monats auf die Aktivitäten Margaritoffs aufmerksam wurde, konnte mit der Aktie gute 15 Prozent verdienen.

Und das muss noch nicht alles sein. "Ohne Grund tut ein Vorstand so etwas ja nicht", sagt Klaus Kränzle, der für GSC Research die Aktie im Blick hat. "Für den Moment interpretiere ich die Käufe als ein Signal an den Markt, dass die Aktie zu günstig bewertet ist." Das sieht Margaritoff verständlicherweise ganz ähnlich. Er hält sein Unternehmen weiter für "ein exzellentes Investment". Allerdings: Im Zuge einer Sachkapitalerhöhung wäre sein Anteil an Hawesko unter 30 Prozent gefallen. Auch um das zu verhindern, kauft Margaritoff eigenen Angaben zufolge Hawesko-Aktien am Markt zu.

Das Signal ist dennoch angekommen. Und bestätigt einmal mehr wissenschaftliche Untersuchungen, die den Effekt von Insidertransaktionen belegen. So haben Forscher an der RWTH Aachen nachgewiesen, dass sich der Kurs von Insider-Aktien in den ersten 30 Tagen nach der Veröffentlichung des Geschäfts um mehr als fünf Prozent besser entwickelt als der Börsendurchschnitt.

In manchen Fällen ist es aber auch deutlich mehr. So kaufte Werner Lanthaler, Chef des Biotech-Unternehmens Evotec, gleich nach Amtsantritt im Frühjahr 2009 Aktien seines Unternehmens zu 72 Cent das Stück. Weitere Käufe folgten, mittlerweile steht das Papier wieder bei zwei Euro und ist durch die Kursexplosion in den Auswahlindex TecDax zurückgekehrt.

Wie Lanthaler hatten auch andere Vorstände ein gutes Näschen für die Lage am Gesamtmarkt. "Die Buy-Sell-Ratio, das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen durch Insider, lag kurz vor dem Tief der jüngsten Baisse nahe dem Rekordniveau", sagt 2IQ-Chef Hable.

Zu denen, die die Aktien des eigenen Unternehmens zu Tiefstkursen abgreifen konnten, zählte etwa E.on-Chef Wulf Bernotat, dem der Einstieg zu 18,60 Euro gelang. Heute steht die Aktie bei 26 Euro. Ähnliches Gespür hatte Dieter Manz, Vorstand des Solar-Ausrüsters Manz Automation. Er kaufte den gesamten März 2009 hindurch Papiere seines Unternehmens. Der Kurs hat sich seither fast verdoppelt.

Inzwischen aber, das ahnen auch die Insider, sind die ganz großen Renditen am Markt gemacht. Nach der fulminanten Rallye an den Börsen, die etwa den Dax gegenüber seinem Tief aus 2009 phasenweise um über 60 Prozent steigen ließ, hat sich die drastische Unterbewertung vieler Aktien teilweise aufgelöst.

Daher halten sich die Insider derzeit zurück. "Auch der jüngste Kursrutsch ging vielen offenbar noch nicht weit genug", glaubt Hable. Jedenfalls nicht in Deutschland. In den Problemländern der Euro-Zone hingegen, in Griechenland, Spanien oder Italien, waren die Insider gehäuft auf der Käuferseite anzutreffen - hier waren die Märkte angesichts der Turbulenzen um die Staatsverschuldung stärker eingebrochen als in Deutschland.

Wer selbst den Aktionen der Insider nachspüren und von ihrem Wissensvorsprung profitieren möchte, kann dies auf der Internetseite www.insiderdaten.de tun. Anleger können sich diese Arbeit aber auch abnehmen lassen. Die Commerzbank hat ein Zertifikat aufgelegt, das sich an den Insiderdeals orientiert und die Entwicklung der entsprechenden Aktien abbildet (WKN: CK1598).

Es hat vor allem in der jüngsten Hausse überzeugt, ließ den Dax im 52-Wochen-Vergleich um rund 20 Prozent hinter sich. Ähnlich gut hat sich in der Aufwärtsbewegung das Insiderzertifikat der Deutschen Bank geschlagen (WKN: DB6GWD).

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