Autobauer
Opel-Chef Reilly setzt auf baldige staatliche Hilfen
Nach der Zusage des Mutterkonzerns General Motors für eine Sanierung des Autobauers Opel setzt dessen Chef Nick Reilly auf baldige staatliche Hilfen. GM selbst hat seinen Beitrag für Opel verdreifacht. Die Bundesregierung reagiert allerdings skeptisch und sieht noch viele offene Fragen.
Von Marco Dalan und Nikolaus Doll
Opel-Chef Nick Reilly rechnet mit einer schnellen Entscheidung der beteiligten europäischen Staaten über eine finanzielle Hilfe. Natürlich sei jede Regierung in einer etwas anderen Lage, und alle müssten auf nationale Besonderheiten Rücksicht nehmen, sagte Reilly beim Genfer Autosalon. Aber er hoffe, dass alle wichtigen Regierungen "in der Lage sind, uns in vier bis fünf Wochen relativ feste Zusagen zu machen".
Der amerikanische Mutterkonzern General Motors (GM) verdreifacht seine Mittel zur Sanierung der Tochter Opel. Statt lediglich 600 Millionen Euro will GM sich mit insgesamt 1,9 Milliarden Euro an der Rettung des Rüsselsheimer Autobauers beteiligen.
Das kündigte Reilly in Genf an. Insgesamt bezifferte GM die Sanierungskosten auf 3,7 Milliarden Euro. Die verbleibenden 1,8 Milliarden Euro sollen die Länder mit Opel-Standorten aufbringen, mehr als 50 Prozent sollen aus Deutschland kommen.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) reagierte erneut mit Zurückhaltung. Es seien noch eine Menge Fragen zu klären. Auch der Wirtschaftsausschuss des Bundestages sieht noch "derzeit 38 offene Punkte".
Positiver gestimmt zeigte sich Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz: "Die Entscheidung von GM ist richtig, aber sie war längst überfällig. Wir haben wertvolle Monate verloren und könnten mit der Sanierung längst einen wichtigen Schritt weiter sein." Die Verhandlungen über Beiträge der Arbeitnehmer hätten nun "erstmals ein solides Fundament", sagte Franz zu Morgenpost Online.
In der IG Metall befürchtet man, dass Opel nach den Hilfen bei den Verhandlungen über Beiträge der Belegschaft weiter pokern wird: "Jetzt wo sie mehr Spielraum haben, wird Reilly den Druck erhöhen mit dem Ziel, das Werk Antwerpen zu schließen und dennoch Geld von der Belegschaft zu bekommen", sagte ein Gewerkschaftsfunktionär.
Der amerikanische Automobilkonzern hatte immer wieder betont, dass mehr Geld vom Mutterkonzern für Opel nicht möglich sei, weil die Mittel der amerikanischen Steuerzahler nach Ansicht des US-Finanzministeriums nicht ins Ausland fließen dürften.
"Unsere Anfrage nach zusätzlicher Unterstützung ist vom GM-Management positiv beantwortet und vom GM-Verwaltungsrat unterstützt worden", sagte Reilly. Das Geld soll als Eigenkapital und in Form von Krediten fließen. "Es steht uns ab sofort zur Verfügung, wir können es in dem Moment abrufen, in dem wir mit der Restrukturierung beginnen", sagte ein Opel-Manager.
"Wir hoffen jetzt, dass der Beitrag von GM als wichtiger Meilenstein in unserem Bemühen gesehen wird, mit Hilfe von Bürgschaften die noch verbleibenden Finanzierungslücken überbrücken zu können", sagte Reilly. Sowohl die Bundesregierung als auch die Arbeitnehmervertreter hatten betont, finanzielle Hilfen des Staates und er Mitarbeiter könne es nur geben, wenn GM bereit sei, seinen Beitrag für Opel aufzustocken.
Unklar ist weiterhin, ob es auch zur Beteiligung der Beschäftigten kommt. Sie sollen durch Lohneinbußen jährlich 265 Millionen Euro zur Sanierung Opels beisteuern. Als Gegenleistung für ihren Verzicht fordern die Beschäftigten unter anderem eine Standortgarantie, eine Umwandlung Opels von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft und die Beteiligung der Beschäftigung am Unternehmen. Letzteres lehnt Reilly inzwischen ab. GM wolle das Unternehmen zu 100 Prozent behalten, sagte der Chef des Autobauers.
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